Die 10 gröbsten Baufehler

Baufehler sorgen auf den Baustellen immer wieder für Aufruhr. Je nach Ausmaß haben sie eine unterschiedlich große Tragweite. Gehen wir also der Frage nach, inwieweit Baufehler eingedämmt bzw. vermieden werden können.

Dabei sind drei Aspekte wichtig: Wissen – Vorbeugen – Überwachen

  • 1. Wissen um die Fehlerquellen
  • 2. Vorbeugend hinweisen und einwirken
  • 3. Vor-Ort-Überwachung durch konsequente und tägliche Baustellenpräsenz

Tipp:

Ein erfahrener Architekt oder Bauleiter, der mit der Bautechnik up to date ist, dämmt Baufehler, die während der Bauphase mit Ärger, Geldeinbußen und Zeitverzögerungen verbunden sind, erheblich ein. Mit anderen Worten: Baufehler kosten Geld! Welcher Bauherr kann sich das leisten?

Bereits das Wissen um die Baufehler ist die halbe Miete. Wer weiß, wo die Fehlerquellen liegen, kann vorbeugend die ausführenden Firmen darauf hinweisen und entsprechend einwirken. Mit- und Vorausdenken fördert in ganz erheblichem Maße ein gutes Bauergebnis.

Der zweite Hebel zur Fehlervermeidung ist ein kompetenter Bauüberwacher, der als Generalunternehmer oder als Architekt auftritt. Bei ihm laufen alle Fäden zusammen, er taktet alle anstehenden Aufgaben und achtet auf eine fachgerechte Ausführung. Er setzt alle Hebel in Bewegung, wenn etwas aus dem Ruder läuft. Das setzt voraus, dass er seine Materie beherrscht, auf dem neuesten Stand der Technik ist und seine Augen offen hält. Der Bau ist eine komplexe Angelegenheit und gerade deshalb ist der Bauüberwacher oder Architekt sein Geld wert.

Und hier kommen die gröbsten Baufehler, damit auch Sie über die möglichen Fehlerquellen Bescheid wissen, denn Wissen ist der beste Vorsorgeschutz, auch am Bau!

1. Beton wird falsch geliefert

Dieser Tatbestand kommt nicht alle Tage vor, kann aber tragische Auswirkungen haben. Wir hatten letztes Jahr eine größere Betonlieferung, die wir für die Deckenherstellung eines Gewerbebaus benötigten. Nachdem der Beton nach 2-3 Tagen nicht fest wurde, brachte die Ursachenforschung folgendes Ergebnis: Unser Vorlieferant, der Betonhersteller, hat Flugasche mit Zement vertauscht. Durch den geringen Zementanteil konnte der Beton niemals fest werden.

Der Schaden war groß. Ebenso der Ärger. Alle Baubeteiligten wie Statiker, Architekt, Gutachter, Betonlieferant, Baufirma und Bauherr trafen sich Woche für Woche zu Jours fixes, um den Rückbau des "nicht tragfähigen" Betons schrittweise zu besprechen. Wochenlang stemmten unsere Leute den Beton frei. Die Eröffnung des Gewerbebaus verzögerte sich um mehrere Monate, von den Umsatzeinbußen und Positionierungsnachteilen des Auftraggebers und den Liquiditätseinbußen unsererseits einmal abgesehen.

Deckenherstellung mit Lieferbeton

Abb.: Deckenherstellung mit Lieferbeton - © mavil - Fotolia.com

1. Tipp:

Baufehler müssen zwingend rekonstruiert werden. Prozesse müssen auf den Prüfstand. Denn Fehler mit dramatischen Auswirkungen sind ruf- und geschäftsschädigend. Der Betonlieferant war in unserem Fall in der Pflicht, seine Prozesse zu überprüfen, und leistete somit einen wichtigen Beitrag zu einer fortführenden Geschäftsbeziehung.

2. Tipp:

Beton ist durch extreme Außentemperaturen, sowohl im Sommer durch zu starke Hitze als auch im Winter durch zu starke Kälte, in seinem Abbindeverhalten gestört. Das kann bis zu einem bestimmten Punkt durch die richtige Betonrezeptur beeinflusst werden. Aber nicht immer! Manchmal ist es witterungsbedingt ratsamer, sein Betonvorhaben zu verschieben.

2. Planungsfehler

Planung ist nicht immer fehlerfrei. Auch Architekten und Statiker sind nur Menschen. Gute Poliere und Bauleiter erkennen auf der Baustelle sehr schnell, wenn Fehler in der Statik oder Werkplanung vorliegen. Darüber muss sofort gesprochen werden. Auch Bedenken sind anzumelden, wenn der Praktiker vor Ort anderer Meinung ist als der Theoretiker am Zeichenbrett.

In einem guten Team kann über alles geredet und auf kurzem Dienstweg geregelt werden.

Tipp:

Ein gutes Bau-Team setzt sich aus Statiker, Architekt und guten Fachfirmen zusammen. Die Zusammenarbeit ist geprägt durch den Grundsatz: Eine Hand wäscht die andere. Leider führen Machtkämpfe zwischen Statikern und Architekten zu unnötigen Auseinandersetzungen und fehlerhaften Plänen. Die Chemie sollte unweigerlich stimmen.

3. An Fertiggarage zu spät gedacht

In der Regel wird erst das Haus gebaut und dann die Außenanlage mit Garage. Wenn jedoch eine Fertiggarage gewünscht wird, die mit einem großen LKW zum hinteren Grundstück transportiert werden muss, ist die Garage unter Umständen vor dem eigentlichen Hausbau zu stellen.

Anlieferung einer Fertiggarage

Abb.: Anlieferung Fertiggarage - © eyecat - Fotolia.com

Wird dies versäumt, geht das zulasten des Bauherrn, der auf seine geplante Fertiggarage verzichten muss. Ein Ärgernis mit Folgen: schlechtere Vermietbarkeit, Einschränkungen bei Eigennutzung oder höhere Baukosten, wenn eine gemauerte Garage als Alternative in Betracht kommt.

Tipp:

Wenn Ihr Grundstück klein ist und eine Garage im hinteren Zipfel vorgesehen ist, prüfen Sie die Reihenfolge der Gewerke rechtzeitig und sprechen Sie frühzeitig mit dem Garagenbauer.

4. Dämmfolie nicht richtig angebracht

Die richtige Verarbeitung der Dämmfolie ist ein archimedischer Punkt in der Bauausführung. Ein luftdichtes Einpacken, insbesondere im Bad an den Installationsbauteilen und an den Wandecken, ist die Voraussetzung für einen gut abgedichteten Bau. Ansonsten drohen Feuchtigkeitsschäden!

Auf zwei Punkte ist explizit zu achten:

  • 1. Die Kabeldurchführungen durch die Folie im Dachgeschoss muss luftdicht mit Manschetten ausgeführt werden.
  • 2. Die Anschlüsse der Dampfbremsfolie an der Wand müssen ebenso luftdicht ausgeführt werden.

Tipp:

Ein Blower-Door-Test gibt Aufschluss darüber, ob ein Haus Leckagen aufweist. Aufgrund der hohen Anforderungen, welche die neue Energiesparverordnung fordert, ist ein Blower-Door-Test eine sinnvolle Investition, die zwar ein paar Euro kostet, aber Undichtigkeiten zu einem Zeitpunkt feststellt, an dem der Bau noch nicht "zu" ist.

Beispiel eines Blower-Door-Tests

Abb.: Verrohrung Fußbodenheizung - © Michel Angelo - Fotolia.com

5. Fußbodenheizung angebohrt

Die Verlegung der Fußbodenheizung ist am Bau mittlerweile weit verbreitet. Der Nachteil dieser Bauphase besteht darin, dass die Fußbodenheizung im Gegensatz zu den Heizkörpern angebohrt werden kann. Nachfolgende Gewerke wie Trockenbauer und Fliesenleger müssen deshalb zwingend darüber informiert sein, dass unter dem Estrich Heizungsrohre verlegt wurden und wie weit diese von der Wand entfernt liegen.

Beispiel einer Verrohrung der Fußbodenheizung

Abb.: Aufbau Blower-Door-Test - © macdreid - Fotolia.com

Tipp:

Informieren Sie immer Ihre Nachfolgehandwerker über die installierte Fußbodenheizung. Auch ohne Not. Das erhöht die Achtsamkeit beim Verankern und Bohren in den Boden.

6. Dachterrasse nicht abgedichtet

Absolute Wasserundurchlässigkeit für Dachterrassen ist ein Muss. Ist diese nicht gegeben, drohen schwere Schäden am Mauerwerk, die sogar die Statik des Gebäudes beeinträchtigen können.

Am besten arbeiten Sie für die Dachterrassen-Abdeckung mit Bitumenbahnen und flüssigem Bitumenanstrich. Kanten und Fugen müssen völlig dicht sein.

Arbeiter bei der Abdichtung mit Bitumenbahnen

Abb.: Abdichtung mit Bitumenbahnen - © Fotolia RAW - Fotolia.com

Tipp:

Eine solide Abdichtung der Dachterrasse durch die richtige Fachfirma spart auch Jahre später Ärger und Stress. Seien Sie hier hartnäckig, wenn es in der Ausführung zu erkennbaren Missständen kommt.

7. Bodenaufbau mangelhaft

Wer über Jahrzehnte hinaus Freude beim Anblick seiner Einfahrt erleben möchte, der sollte auf den Unterbau achten und für eine ordentliche Verdichtung sorgen.

Insbesondere Heimwerker unterschätzen diese Notwendigkeit und verwenden Rüttelplatten, die nicht die Wirktiefe erreichen, die für eine mangelfreie Ausführung nötig wäre.

Tipp:

Achten Sie auf einen belastbaren Unterbau und eine ordentliche Verdichtung. Der Unterbau sollte lageweise mit einer leistungsfähigen Rüttelplatte verdichtet werden. Bleibt dies aus, sind Setzungen die Folge.

8. Mauerwerk bei Regen abdecken

Wenn das Mauerwerk hochgezogen wird, ist es, insbesondere an Regentagen, mit Dielen abzudecken, damit es nicht durchfeuchtet wird.

Um Zeit und Kosten zu sparen, drücken sich viele Baufirmen vor dieser Maßnahme, was zu späteren Schäden führen kann. Auch wenn das Abdecken einen täglichen (Kosten-)Aufwand darstellt: Fachfirmen sind es sich ihrem Image und ihren Bauherren schuldig!

Schaden durch Feuchtigkeit

Abb.: Feuchteschäden am Mauerwerk - © ArTo - Fotolia.com

Tipp:

Regen ist der Baufeind Nr. 1. Auch wenn es aufwendig ist, das Mauerwerk mit Dielen abzudecken, ist Nässe für das Mauerwerk Gift.

9. Kurze Austrocknungszeit

Die Schnelllebigkeit fordert ein schnelles Bauen, was aber nicht gerade ein gesundes Raumklima fördert. Gerade nach dem Anbringen des Innenputzes steckt in einem Haus hohe Luftfeuchtigkeit, die erst weichen muss, bevor es weitergeht. Lüften und Heizen sind wichtige Maßnahmen der Austrocknung. Leider wird dieser Grundsatz oft nicht beherzigt, weil das Zeitziel an vorderster Stelle steht. Ein feuchter Bau ist jedoch ein Nährboden für Schimmel. Die Meuterei beginnt später, ganz zu schweigen von den Gesundheitsbeeinträchtigungen.

Tipp:

Nehmen Sie sich für den Hausbau Zeit und lassen Sie sich nicht unter Zeitdruck setzen. Das sollte Ihnen Ihre Gesundheit wert sein!

10. Helle Terrassenplatten verlieren Jahre später ihre Strahlkraft

Das reichhaltige Angebot an Terrassenplatten steigt ständig, auch in den hellen Farbnuancen. Jeglichen Bedürfnissen wird seitens der Industrie Rechnung getragen. Ob das sinnvoll ist, lassen wir einmal außen vor.

Helle Farben strahlen zweifellos Freundlichkeit aus. Sie reflektieren jedoch, sind extrem schmutzanfällig und verwüsten mit den Jahren. Dessen sollten Sie sich bewusst sein, da die Enttäuschung über den Fehlkauf nach einigen Jahren sonst groß wäre.

Tipp:

Überlegen Sie im Vorfeld, ob es tatsächlich helle Platten sein müssen. Auch wenn diese optisch ansprechender sind, vergeht die Schönheit mit der Zeit.

Autorin: Heike Eberle, EberleBau

Heike Eberle ist mit Herzblut Unternehmerin, Trainerin und Autorin. Seit über 14 Jahren ist sie im eigenen Betrieb engagiert, zu Recht gilt sie mittlerweile als Baufüchsin.

Sie gibt das, was sie mit Leib und Seele im eigenen familiengeführten Baubetrieb lebt, engagiert und lebendig in Trainings, Fachartikeln und Vorträgen weiter.