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Empfohlene Zinsbindungsfrist für 2018

Das aktuell niedrige Zinsniveau verlockt zum Immobilienkauf. Wer ein Baufinanzierungs-Darlehen aufnehmen möchte, sollte nicht nur auf die Kreditzinsen und auf den Preis der Immobilie achten. Von großer Bedeutung ist die Wahl der richtigen Zinsbindungsfrist.

Wir informieren Sie in diesem Artikel über folgende Themen:

  1. 1. Der Vorteil einer Zinsbindungsfrist: Festzinssatz sorgt für Planungssicherheit
  2. 2. Wichtige Kriterien bei der Auswahl einer Zinsbindungsfrist
    • 2.1 Die üblichen Laufzeiten von Zinsbindungsfristen
    • 2.2 Zinsaufschläge bei längeren Zinsbindungen
    • 2.3 Kombination verschiedener Zinsbindungsfristen
  3. 3. Nach Ablauf einer Zinsfestschreibung: Anschlussfinanzierung
    • 3.1 Alternative: Forward-Darlehen
  4. 4. Grundsatz: Keine Kreditrückzahlung innerhalb der Zinsbindungsfrist
    • 4.1 Ausnahmsweise Kündigungsrechte trotz laufender Zinsbindungsfrist
    • 4.2 Beispiel für ein Kündigungsschreiben
  5. 5. Variabel verzinster Kredit: Alternative zum Festzinskredit
    • 5.1 Kündigung variabel verzinster Kredite
  6. 6. Die Wahl der richtigen Zinsbindungsfrist
    • 6.1 Die historische Situation: kontinuierlicher Zinsrückgang seit 1983
    • 6.2 Die Ursachen der niedrigen Zinsen
    • 6.3 Empfehlungen zu Zinsbindungsfristen und Tilgung
  7. 7. Fazit: Zu empfehlende Zinsbindungsfristen


1. Der Vorteil einer Zinsbindungsfrist:
Festzinssatz sorgt für Planungssicherheit

Baufinanzierungen werden meistens mit einem festen Zinssatz vereinbart, der bei künftigen Schwankungen des Zinsniveaus unverändert bleibt. Die Festschreibung des Zinssatzes erfolgt stets für eine bestimmte Zeitdauer („Zinsbindungsfrist“). Die Zinsbindungsfrist kann für die Gesamtdauer eines Darlehens oder für einen kürzeren Zeitraum vereinbart werden. Kreditnehmer erhalten für die Dauer der Zinsbindungsfrist Planungssicherheit. Das Zinsänderungsrisiko entfällt. Zwar verzichten die Schuldner eines Festzinsdarlehens bei fallenden Zinsen auf mögliche Zinsvorteile, dafür bleiben höhere Belastungen bei steigendem Zinsniveau aus.


2. Wichtige Kriterien bei der Auswahl einer Zinsbindungsfrist

Je höher das allgemeine Zinsniveau, desto kürzer sind gewöhnlich die gewählten Zinsbindungsfristen. Angesichts der momentan besonders niedrigen Zinsen werden häufig lange Zinsbindungsfristen vereinbart.

Die Auswahl einer Zinsbindungsfrist ist aber auch von anderen Faktoren abhängig, wie zum Beispiel von

  • der Gesamtlaufzeit des Kredites,
  • der zum Ende einer Zinsbindungsphase verbleibenden Restschuld,
  • Sondertilgungen, die der Kreditnehmer während der Darlehenslaufzeit vornehmen möchte,
  • den berechneten Zinsaufschlägen für bestimmte Zinsbindungsfristen und von
  • der persönlichen Einschätzung des Kreditnehmers über die künftige Entwicklung der Kreditzinsen.

2.1 Die üblichen Laufzeiten von Zinsbindungsfristen

Kreditnehmer bevorzugen traditionell fünf- oder zehnjährige Zinsbindungsfristen. Banken bieten aber auch 15-, 20- oder 30-jährige Zinsbindungsfristen an. Zinsbindungsfristen unterhalb von fünf Jahren kommen eher für spezielle Situationen in Betracht.


2.2 Zinsaufschläge bei längeren Zinsbindungen

Längere Zinsbindungsfristen sind mit Zinsaufschlägen verbunden. Die Kreditzinsen liegen bei erstrangig besicherten Darlehen und bei einer guten Kreditwürdigkeit des Darlehensnehmers derzeit bei etwa

  • 0,80 Prozent (10 Jahre Zinsbindung)
  • 1,20 Prozent (15 Jahre Zinsbindung)
  • 1,70 Prozent (20 Jahre Zinsbindung)
  • 2,20 Prozent (30 Jahre Zinsbindung).

(Stand 2. Januar 2018)

Als erstrangig besichert gelten Darlehen, wenn für sie als Kreditsicherheit eine Grundschuld oder Hypothek im Grundbuch eingetragen ist, die höchstens 50 oder 60 Prozent des Beleihungswertes des Grundstückes erreicht. Der Beleihungswert ist

  • der Wert einer Kreditsicherheit,
  • zu dem sich die Sicherheit langfristig jederzeit veräußern lässt.

Einen Zinszuschlag verlangen Kreditinstitute

  • bei einem höheren Beleihungsauslauf (häufig bis 80 Prozent des Beleihungswertes einer Immobilie) sowie
  • bei kleineren Baufinanzierungsdarlehen.

Zins-Differenzierungen sind üblich nach

  • der Bonität des Kreditnehmers
  • der Art der Immobilie und
  • der Region, in der sich die Immobilie befindet.


2.3 Kombination verschiedener Zinsbindungsfristen

Auch eine Kombination von Teildarlehen mit verschiedenen Zinsbindungsfristen ist möglich.

Unterschiedliche Zinsbindungen können

  • auf die Zeitpunkte beabsichtigter Sondertilgungen abgestimmt und
  • zur Streuung des Zinsänderungsrisikos eingesetzt werden.


Allerdings kann eine zu kleine Größenordnung einzelner Kreditbausteine mit individuellen Zinsbindungen zu Zinsaufschlägen führen.

Wer die Zins- und Tilgungsvorteile öffentlicher Förderkredite (zum Beispiel der Kreditanstalt für Wiederaufbau) nutzen möchte, wählt zwangsläufig unter den dort angebotenen Zinsbindungen.

  • Die Verhandlungen über öffentliche Kredite (einschließlich aller Fragen zu Zinsbindungsfrist, Tilgung und Sicherheitenstellung) führt der Kreditnehmer regelmäßig mit seiner Hausbank, die die öffentlichen Darlehensmittel, zum Beispiel der KfW, durchleitet.
  • Die Hausbank des Kreditnehmers koordiniert somit faktisch die verschiedenen Baufinanzierungs-Darlehen.

3. Nach Ablauf einer Zinsfestschreibung: Anschlussfinanzierung

Bank und Kreditnehmer verhandeln meistens bereits einige Zeit vor Ablauf einer Zinsbindungsfrist über eine neue Zinsvereinbarung.

  • Zum Zinsbindungsende kann der Kreditnehmer den Kredit ganz oder teilweise tilgen, ohne Vorfälligkeitsentschädigung zahlen zu müssen.
  • Das Ende einer Zinsbindungsfrist ist für den Kreditnehmer gegebenenfalls ein geeigneter Zeitpunkt, um bei Bedarf zu einem anderen Kreditinstitut zu wechseln.
  • Wird keine neue Zinsbindungsfrist vereinbart, erfolgt die Fortführung des Kredites ”bis auf weiteres” (b. a. w.) zu einem variablen Zinssatz.

3.1 Alternative: Forward-Darlehen

Der Kreditnehmer kann sich günstige Zinssätze auch durch ein Forward-Darlehen sichern – bereits bis zu 60 Monate vor Ablauf einer Zinsbindungsfrist.

  • Eine Forward-Vereinbarung beinhaltet für Bank und Kreditnehmer das Recht und die Pflicht, zu einem vorab vereinbarten Zeitpunkt (zum Beispiel zum Ablauf der Zinsbindungsfrist eines laufenden Kredites) ein Darlehen zu gewähren beziehungsweise in Anspruch zu nehmen.
  • Je länger ein Forward-Vertrag in die Zukunft reicht, desto höher ist der jeweils berechnete Zinszuschlag.

4. Grundsatz: Keine Kreditrückzahlung innerhalb der Zinsbindungsfrist

Der Kreditnehmer hat innerhalb der Zinsbindungsfrist grundsätzlich kein ordentliches Kündigungsrecht (§ 489 BGB). Sollte das Zinsniveau während einer laufenden Zinsbindungsfrist zurückgehen, ist der Kreditnehmer also nicht berechtigt, den bisherigen Kredit zurückzuzahlen und in einen neuen, zinsgünstigeren Kredit zu wechseln. Besteht der Kreditnehmer auf einer Rückzahlung trotz noch laufender Zinsbindungsfrist,

  • so ist die Bank berechtigt, eine Vorfälligkeitsentschädigung zu verlangen,
  • falls ihr ein Zinsschaden entstanden ist.

Ein Zinsschaden entsteht der Bank, wenn

  • der Zinssatz, zu dem sie den zurückzuzahlenden Darlehensbetrag aktuell verleihen könnte,
  • unterhalb des Zinssatzes liegt, der dem bisherigen Kreditnehmer berechnet wurde.

Eine Kündigung bei laufender Zinsbindungsfrist ist wegen der zu entrichtenden Vorfälligkeitsentschädigung für den Kreditnehmer in der Regel nicht sinnvoll.

Empfehlung!

Unser Ratgeber zur Berechnung der Vorfälligkeitsentschädiung mit Beispielen und Musterschreiben: Vorfälligkeitsentschädigung: Anleitung und Musterbriefe


4.1 Ausnahmsweise Kündigungsrechte trotz laufender Zinsbindungsfrist

Ordentliches Kündigungsrecht bei langen Zinsbindungen

Für Darlehen mit Zinsbindungsfristen von mehr als zehn Jahren sieht § 489 Absatz 1 Nummer 2 BGB ein Rückzahlungsrecht für den Kreditnehmer vor, wenn

  • die vollständige Darlehensauszahlung bereits mindestens zehn Jahre zurückliegt oder
  • die laufende Zinsbindungsfrist vor mindestens zehn Jahren vereinbart wurde.
  • Der Kreditnehmer kann das Darlehen mit sechsmonatiger Frist ganz oder teilweise kündigen.
  • Die Bank hat in diesem Fall keinen Anspruch auf Vorfälligkeitsentschädigung.
  • Das Kündigungsrecht kann vertraglich nicht ausgeschlossen werden (§ 489 Absatz 4 BGB)

Sollte das Zinsniveau seit Abschluss des Darlehensvertrages gesunken sein, kann der Kreditnehmer das ordentliche Kündigungsrecht nach § 489 BGB zur Umschuldung in eine günstigere Anschlussfinanzierung nutzen.

Kündigungsrecht bei grundbuchlich nicht besicherten Immobilienkrediten

Ist ein Immobiliendarlehen nicht oder nicht mehr mit einem Grundpfandrecht besichert, steht dem Kreditnehmer auch während der Zinsbindungsfrist ein Kündigungsrecht zu (§§ 503 Absatz 1, 500 Absatz 1 BGB).

Kündigungsrecht aufgrund vertraglicher Vereinbarung

Der Darlehensnehmer kann sein Darlehen innerhalb einer Zinsbindungsfrist zurückzahlen,

  • wenn ihm im Darlehensvertrag Sondertilgungsrechte eingeräumt oder
  • gegen Zinsaufschlag Kündigungsrechte vereinbart wurden.

Rechtsprechung: Weitere Kündigungsrechte

Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs steht dem Darlehensnehmer (auch bei noch laufender Zinsbindung) ein Kündigungsrecht zu, wenn

  • der Kreditnehmer durch die Ablehnung einer von ihm beantragten vorzeitigen Darlehensrückführung in seiner wirtschaftlichen Handlungsfreiheit unangemessen benachteiligt wird. Eine solche unangemessene Benachteiligung durch Ablehnung einer Kreditrückzahlung liegt zum Beispiel vor
  • bei einer Veräußerung der Immobilie oder
  • nach bankseitiger Ablehnung einer Kreditausweitung, durch die die wirtschaftliche Nutzung der Immobilie verhindert wird.

4.2 Beispiel für ein Kündigungsschreiben


Name und Adresse des Kreditnehmers

Name des Kreditinstituts
Anschrift des Kreditinstituts

Ort und Datum

Kündigung eines Darlehens

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit kündige ich mein am (Datum) bei Ihnen abgeschlossenes Darlehen Nr. … über ursprünglich …. Euro fristgerecht zum (Datum).

Mein Kündigungsrecht ergibt sich aus … (z. B.: § 489 Absatz 1 Satz 2 BGB, da seit Vereinbarung der letzten Anschlussfinanzierung am (Datum) bereits (mindestens zehn) Jahre der vereinbarten Zinsbindungsfrist abgelaufen sind.)

Bitte übersenden Sie mir eine schriftliche Kündigungsbestätigung.

Mit freundlichen Grüßen
Unterschrift


5. Variabel verzinster Kredit: Alternative zum Festzinskredit

Bei variabel verzinsten Krediten wird kein fester Zinssatz und damit auch keine Zinsbindungsfrist vereinbart. Das Kreditinstitut passt die variablen Darlehenszinssätze entsprechend der Veränderungen der kurzfristigen Kapitalmarktzinsen laufend an.

  • Variable Verzinsungen eignen sich eher für kurzfristige Kreditinanspruchnahmen.
  • Die Vereinbarung variabler Zinssätze bei langfristigen Darlehen kann sich für den Kreditnehmer zum Beispiel bei einem aktuell hohen Zinsniveau und bei gleichzeitiger Erwartung sinkender Zinsen lohnen.
  • Befindet sich das Zinsniveau jedoch auf einem niedrigen Niveau, so birgt ein langfristig benötigter, variabel verzinster Kredit große Gefahren: Bei steigenden Zinsen kann sich die Monatsbelastung des Kreditnehmers kurzfristig drastisch erhöhen.

5.1 Kündigung variabel verzinster Kredite

Darlehen mit variablem Zinssatz darf der Kreditnehmer „jederzeit unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von drei Monaten kündigen“ (§ 489 Absatz 2 BGB). Möchte der Darlehensnehmer den Kredit innerhalb der dreimonatigen Kündigungsfrist zurückzahlen, so kann die Bank eine Vorfälligkeitsentschädigung bis zum Ablauf der Kündigungsfrist verlangen.


6. Die Wahl der richtigen Zinsbindungsfrist

Zinsbindung bringt Sicherheit

Für den, der eine Baufinanzierung plant, wird die Wahl der richtigen Zinsbindungsfrist immer wichtiger. In den letzten Jahrzehnten gingen die Baufinanzierungszinsen kontinuierlich zurück – unter zum Teil heftigen Schwankungen. Nun haben die Zinsen ein historisch niedriges Niveau erreicht. Weitere deutliche Zinsrückgänge werden zunehmend unwahrscheinlich.


6.1 Die historische Situation:
kontinuierlicher Zinsrückgang seit 1983

Seit der Hochzinsphase Anfang der 1980er fielen die Zinsen kontinuierlich. Für 10-jährige Zinsbindungen mussten am Zinshöhepunkt Anfang September 1983 bei erstrangiger Beleihung 12,03 Prozent Zinsen bezahlt werden. Anschließend aber kam es zu einem Rückgang auf 7,30 Prozent (Juni 1987).

In Wellen sanken die Zinsen anschließend weiter: Auf teils schnelle und kräftige Zwischenanstiege

  • auf 9,82 Prozent (11/1990), 8,44 (10/1994), 6,57 (5/2000), 5,72 (7/2008), 4,47 (4/2011) und 2,93 (8/2013)

folgten jeweils noch deutlichere Rückgänge

  • auf 6,84 Prozent (1/1994), 4,66 (1/1999), 3,75 (9/2005), 3,60 (6/2010) und 2,25 (4/2013)
Zinschart Bauzins Entwicklung 1993-2015
© Aktuelle-Bauzinsen.info - Zinschart frei nutzbar unter Angabe der Original-Quelle "https://www.aktuelle-bauzinsen.info/entwicklung-bauzinsen.html"

Oktober 2016 waren 10-Jahres-Zinsbindungen für nur noch etwa 0,72 bis 0,90 Prozent erhältlich.

Selbst in einem langfristigen Zins-Abwärtstrend kommt es also immer wieder zu kurzfristigen deutlichen Aufwärtsbewegungen der Zinssätze. Niemand kann sich auf den Fortbestand des derzeitigen niedrigen Zinsniveaus verlassen.

Hinweis!

Als langfristiger Durchschnittswert für Baufinanzierungs-Zinsen gelten sechs bis sieben Prozent!


6.2 Die Ursachen der aktuell niedrigen Zinsen

Die Ursachen der derzeit besonders niedrigen Zinsen liegen vor allem in der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank.

  • Zwar ergreift die EZB derzeit sogar noch zusätzliche Maßnahmen zur Ausweitung der Geldmenge, um die Konjunktur in Europa zu stärken.
  • Sobald jedoch die Marktteilnehmer am Geld- und Kapitalmarkt erwarten, dass die EZB auch nur eine etwas weniger restriktivere Geldpolitik verfolgen wird, ist ein erheblicher und rascher Zinsanstieg nicht auszuschließen.
  • Niemand sollte auf eine zeitlich unbegrenzte Fortsetzung der derzeitigen EZB-Zinspolitik vertrauen. Wichtige politische Veränderungen oder zum Beispiel ein Wechsel an der EZB-Spitze könnten massiven Einfluss auf die Zinsentwicklung nehmen.

6.3 Empfehlungen zu Zinsbindungsfristen und Tilgung

Wer sich also nicht verspekulieren möchte, setzt angesichts des ohnehin günstigen Zinsniveaus

  • auf möglichst lange Zinsbindungsfristen und
  • entschuldet sich durch hohe Tilgungsleistungen rechtzeitig vor dem Auslauf der zu vereinbarenden oder bereits laufenden Zinsbindungsfrist.
  • Noch besser als jede Tilgung ist jedoch eine vermiedene Kreditaufnahme: In jede Baufinanzierung sollten mindestens 20 Prozent Eigenkapital einfließen. Halten Sie Abstand von sogenannten „100-Prozent-Finanzierungen“ – zumal die Immobilienpreise deutlich gestiegen sind.

Wählen Sie insbesondere bei niedrigem Zinsniveau keine zu kurzen Zinsbindungsfristen. Zwar besteht zum Ende jeder Zinsbindungsfrist ein Zinsänderungsrisiko. Je länger jedoch die Zinsbindung, desto geringer ist die verbleibende Restschuld, auf die möglicherweise hohe Zinsen zu zahlen sind.

Zinsentwicklung der letzten 5 Jahre

Beispielrechnung 1: die Auswirkungen höherer Zinsen auf die Anschlussfinanzierung

Ein Annuitätendarlehen über 100.000 Euro, das mit 1,30 Prozent verzinst wird und eine jährliche Tilgung von einem Prozent aufweist, entwickelt sich wie folgt:

  • Die Monatsrate (aus Zins und Tilgung) beträgt 191,67 Euro.
  • Auffällig ist die lange Kreditlaufzeit: Bei unveränderten Zinsen und Tilgungen bis zum Darlehensende dauert die Rückzahlung dieses Darlehens 64,2 Jahre!
  • Zum Ende der ersten Zinsbindung hätten Sie erst 10.672,94 Euro getilgt. Sie müssten also für den am Ende der ersten Zinsbindungsfrist noch ausstehenden Kreditbetrag von 89.327,06 Euro eine Anschlussfinanzierung zu den dann aktuellen Kreditzinsen vereinbaren.

Liegt das Zinsniveau zum Ende der ersten Zinsbindungsfrist hingegen bei vier Prozent, müssten Sie für die Anschlussfinanzierung (in Höhe von 89.327,06 Euro) während der zweiten zehnjährigen Zinsbindungsfrist 372,20 Euro monatlich entrichten – eine erhebliche monatliche Mehrbelastung von 180,53 Euro gegenüber der ersten Zinsbindungsfrist.

Empfehlung!

Schnell und einfach eigene Zins-Berechnungen mit Tilgungspläne erstellen und bei Bedarf als PDF downloaden: Unser Bauzinsrechner mit Tilgungsplan

Beispielrechnung 2: Wer eine höhere Tilgung vereinbart, vermindert seine Zinsrisiken

Eine raschere Tilgung reduziert die Folgen eines erhöhten Zinsniveaus zum Ende der vereinbarten Zinsbindungsfrist. Denn meistens verbleibt am Ende der ersten Zinsbindungsfrist (bei Standardtilgungen von nur einem Prozent) noch eine hohe Restschuld, die dann möglicherweise zu deutlich höheren Zinsen bedient werden muss. Bei stark angestiegenen Zinsen ist die Zahlungsfähigkeit des Kreditnehmers oft gefährdet.

Wenn Sie die Zinsrisiken zum Auslauf der Zinsbindung verringern und die Kreditrückzahlung nicht bis ins hohe Rentenalter fortführen oder auf Ihre Erben übertragen möchten, sollten Sie eine höhere Tilgung wählen:

Gemäß Beispielrechnung 1 beträgt die Kreditlaufzeit (bei einem Prozent Tilgung) 64,2 Jahre. Wenn Sie die Tilgung auf zwei Prozent erhöhen, verändern sich die Eckdaten des Kredites wie folgt:

  • Monatsrate: 275,00 Euro
  • Laufzeit: 38,58 Jahre (Verkürzung der Kreditlaufzeit um 25,6 Jahre!)
  • Bis zum Ablauf der ersten Zinsbindung sind getilgt: 21.345,88 Euro
  • erforderliche Anschlussfinanzierung zum Ende der Zinsbindungsfrist: 78.654,12 Euro (Restschuld)

Achtung: Niedrige Kreditzinssätze bewirken lange Darlehenslaufzeiten!

Ein niedriges Zinsniveau hat gravierende Auswirkungen auf die Gesamtlaufzeit von Baufinanzierungs-Krediten. Nachfolgende Beispielrechnung zeigt Ihnen, wie ein niedriger Zinssatz die Gesamtlaufzeit Ihres Baufinanzierungs-Darlehens erheblich verlängert, wenn Sie nicht gezielt gegensteuern.

Beispielrechnung 3

Bei einem Kredit über 100.000 Euro, einem Kreditzinssatz von 1,3 Prozent und einer Tilgung von einem Prozent jährlich beträgt die Kreditlaufzeit 64,2 Jahre (siehe Beispielrechnung 1).

Hätten Sie bei Abschluss des Kreditvertrages vier Prozent Kreditzinsen vereinbart, ergeben sich folgende Eckdaten für das Darlehen:

  • Monatsrate: 416,67 Euro
  • Kreditlaufzeit: 40,33 Jahre (deutliche Laufzeitverkürzung um über 24 Jahre!)
  • Bis zum Ablauf der ersten Zinsbindung sind getilgt: 12.270,82 Euro
  • erforderliche Anschlussfinanzierung am Ende der ersten Zinsbindungsfrist: 87.729,18 Euro (Restschuld)

Warum verlängert sich die Kreditlaufzeit bei niedrigen Kreditzinssätzen,
obwohl der Tilgungssatz jeweils ein Prozent beträgt?

  • Baufinanzierungen werden üblicherweise als sogenannte „Annuitätendarlehen“ abgeschlossen. „Annuität“ ist die jährliche Summe aus Zinsen und Tilgung.
  • Im Beispiel beträgt die Annuität fünf Prozent (vier Prozent Zinsen plus ein Prozent Tilgung), die während der gesamten Zinsbindungsfrist auf gleichbleibende Monats- oder Quartalsraten verteilt wird.
  • Mit fortschreitender Tilgung sinkt der ausstehende Kreditbetrag, sodass Sie immer weniger Zinsen für Ihren Kredit bezahlen müssen.
  • Die eingesparten Zinsen werden bei einem Annuitätendarlehen für eine erhöhte Tilgung genutzt: Ihre (aus Tilgung und Zinsen zusammengesetzte) Kreditrate bleibt bei einem Annuitätendarlehen über die gesamte Zinsbindungsfrist unverändert.
  • Höhere Zinsen führen dazu, das Sie durch Tilgung höhere Zinsbeträge einsparen als bei einem Darlehen mit geringerem Zinssatz. Der Tilgungsanteil Ihrer Kreditraten steigt daher bei Annuitätendarlehen mit höherem Kreditzinssatz schneller an.
  • Die beschleunigte Tilgung bei hohen Darlehens-Zinssätzen führt zu einer erheblich kürzeren Gesamtlaufzeit des Darlehens.


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7. Fazit: Zu empfehlende Zinsbindungsfristen

Zwar wird Ihnen bei kurzen Zinsbindungsfristen gewöhnlich ein etwas geringerer Darlehenszinssatz eingeräumt, bei Ablauf der Zinsbindungsfrist drohen jedoch möglicherweise erheblich höhere Zinsbelastungen, die das zur Verfügung stehende Haushaltsbudget leicht übersteigen können.

  • Daher sollten Sie gerade im derzeitigen Niedrigzinsumfeld möglichst lange Zinsbindungen von mindestens 15 Jahren wählen.
  • Nicht alle Kreditinstitute bieten 20- oder 30-jährige Zinsbindungsfristen an. Vergleichen Sie die Angebote verschiedener Banken und informieren Sie sich dabei auch über die Möglichkeiten von bis zu 30-jährigen Festsatzkrediten.
  • Besonders Versicherungen bieten sehr günstige Zinskonditionen bei Laufzeiten über 15 Jahren.



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Butkiewicz

Autor: Adam Butkiewicz, Hypochart GmbH

Adam Butkiewicz ist Geschäftsführer und Gründer der HypoChart GmbH, dem Online-Spezialisten für Vergleich und Entwicklung von Baufinanzierungszinsen.