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Bauzinsen Prognose 2018/2019 (Stand: Oktober 2018)

Bauzinsen Prognose 2018
Zinswende kurzfristig nicht zu erwarten. Bauzinsen bleiben vorerst günstig.

Wir informieren Sie in diesem Artikel über folgende Themen:

  1. 1. Die Verlässlichkeit von Zinsprognosen
  2. 2. Die aktuelle Zinssituation
  3. 3. Was die Bauzinsen beeinflusst
  4. 4. Fazit: Aktuelle Bauzinsen Prognose 2018/2019
    • 4.1 Empfehlungen für zukünftige Bauherren und Immobilienkäufer
    • 4.2 Empfehlungen für Anschlussfinanzierung und Forward-Kredit

Warum Sie Prognosen über die künftige Entwicklung der Baufinanzierungs-Zinsen verfolgen sollten

Das allgemeine Zinsniveau verändert sich täglich. Kreditinstitute gewähren Baudarlehen zu den jeweils marktüblichen Zinssätzen. Der Zeitpunkt, den Sie für den Abschluss einer Baufinanzierung auswählen, entscheidet daher maßgeblich über die Zinskosten Ihres Immobilienkredites.

Die Prognose der Bauzinsentwicklung ist für künftige Bauherren ebenso von Bedeutung wie für Käufer eigen- oder fremdgenutzter Bestandsimmobilien.

Auch Immobilieneigentümer, deren Baufinanzierung sich noch innerhalb einer Zinsbindung befindet, können sich die derzeit niedrigen Zinsen durch eine Forward-Vereinbarung ggf. für die Zukunft sichern.

Mietern, die vielleicht schon seit vielen Jahren ihren ständig steigenden Mietverpflichtungen entkommen wollen, wird die Erfüllung eines lange gehegten Immobilienwunsches durch die derzeit niedrigen Kreditzinsen erleichtert.

Beispielrechnung:

Wer 500 Euro monatlich als Kreditrate (Tilgung plus Zinsen) für ein Darlehen über 100.000 Euro aufwenden möchte, der muss bei einem Effektivzinssatz von 3 % p. a. während einer Kreditlaufzeit von 23 Jahren und einem Monat Zinsen von insgesamt 38.802,04 Euro entrichten.

Bei Effektivzinsen von 2 % (und einer unveränderten monatlichen Kreditrate von 500 Euro) ist die Baufinanzierung aufgrund der höheren Tilgungsleistung bereits nach 20 Jahren und 3 Monaten vollständig zurückgeführt. Insgesamt entstehen deutlich geringere Zinsbelastungen in Höhe von 21.740,57 Euro.


1. Über die Verlässlichkeit von Zinsprognosen

Zinsprognosen von Experten und Wirtschaftsweisen

Angesichts immer neuer Zins-Tiefststände wurde in den vergangenen Jahren oft eine Zinswende vorhergesagt. Tatsächlich kam es jedoch nur zu begrenzten und vorübergehenden Zinssteigerungen. Dies könnte sich allerdings in Folge der positiven Wirtschaftsentwicklung und der „Zinswende“, die die US-Notenbank mit ersten Zinserhöhungen bereits eingeleitet hat, auf mittlere Sicht auch in Europa ändern.

Die extrem expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank sorgt derzeit immer noch für ein nicht marktgerechtes, künstlich niedrig gehaltenes Zinsniveau. Dabei ist die EZB vor allem auf Sonderfaktoren wie die Bankenkrise und die Förderung des Wachstums aller EU-Volkswirtschaften fokussiert. Dagegen spielen traditionell beachtete real- und geldwirtschaftliche Fakten bei den Zinsentscheidungen der europäischen Notenbank eher eine untergeordnete Rolle.

Zudem können unvorhergesehene Ereignisse zuvor schlüssig erscheinende Prognosen jederzeit zunichtemachen. So neigen nicht nur Verbraucher und Unternehmen, sondern auch sogenannte "Experten" oder gar "Wirtschaftsweise" dazu, Entwicklungen der Vergangenheit für die Zukunft fortzuschreiben oder Einflussfaktoren unzutreffend zu gewichten.

Tipp: Prognosen stets kritisch zur Kenntnis nehmen

Bauherren und Immobilienkäufer sollten daher jede Zinsprognose mit großer Vorsicht zur Kenntnis nehmen, die Zinsentwicklung genau beobachten und sich eine eigene Meinung bilden.

Welche heute bereits erkennbaren Faktoren könnten die Höhe der Bauzinsen in den kommenden Monaten beeinflussen?


2. Die aktuelle Zins- und Inflations-Situation

Niedrigzinssituation in Deutschland

Die aktuelle Niedrigzins-Situation wird besonders stark von der derzeit noch expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank geprägt. Zudem beeinflussen Unsicherheitsfaktoren wie die Kriege in Syrien und in der Ostukraine, ein drohender Welthandelskrieg, das von den USA in Frage gestellte Iran-Atomabkommen und die Entscheidung Großbritanniens zum Verlassen der Europäischen Union direkt oder indirekt auch die Renditen deutscher Staatsanleihen. Die Unberechenbarkeit der neuen US-Administration unter Donald Trump erschwert alle Voraussagen zur Konjunktur- und Zinsentwicklung.

  • Mit ihrer Niedrigzinspolitik will die EZB die Konjunktur innerhalb der Eurozone stärken. Insbesondere soll das Abrutschen der europäischen Volkswirtschaften in eine Deflation vermieden werden, was wiederum eine dauerhafte Kaufzurückhaltung auslösen könnte, falls Verbraucher und Unternehmer für die Zukunft mit weiter fallenden Preisen rechnen.
  • Niedrige EZB-Kreditzinsen und Negativzinsen auf Einlagen sollen die Kreditwirtschaft zu einer verstärkten Darlehensvergabe veranlassen. Die Politik des „billigen Geldes“ soll die Nachfrage von Konsumenten und Unternehmen nach Produkten und Dienstleistungen verstärken, die Konjunktur damit ankurbeln und so auch ein Abgleiten in eine gefährliche Deflation vermeiden. Ziel der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank ist eine Inflationsrate von „unter, aber nahe 2 Prozent“.

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen erreichte ihren bisherigen Tiefpunkt bei -0,184 Prozent (Mitte Juli 2017). Anschließend schwankten die 10-Jahres-Renditen zwischen dieser Obergrenze und +0,15 bis +0,2 Prozent auf der Unterseite. Anleger erhielten also kaum Zinsen, sondern mussten zeitweise sogar Zinszahlungen an den deutschen Staat entrichten, wenn sie dessen langlaufende Schuldtitel erwarben.

Ausgehend von einem vorübergehenden Zinstief bei +0,28 Prozent (Anfang Dezember 2017) stiegen die Zinsen dann in kurzer Zeit recht deutlich auf +0,75 Prozent in der ersten Februar-Hälfte 2018. Am 1. Oktober 2018 erzielten Anleger mit zehnjährigen Bundesanleihen eine Bruttorendite von 0,50 Prozent.

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ist besonders aussagekräftig: Von den Bundesschulden in Höhe von 1.086,5 Billionen Euro (Stand 31. März 2018) entfallen etwa 64,4 Prozent (699,2 Milliarden Euro) auf Bundesanleihen. Klassische Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit umfassen 45,2 Prozent der gesamten Bundesverschuldung (491,3 Milliarden Euro). Hinzukommen zehnjährige inflationsindexierte Bundesanleihen im Volumen von 54,0 Milliarden Euro.

Weitere Informationen und Zins-Charts zur aktuellen Zinsentwicklung, insbesondere auch zur Geldpolitik der Europäischen Zentralbank stehen Ihnen in unserem Artikel "Bauzinsen Entwicklung" zur Verfügung.

Entwicklung der aktuellen Bauzinsen

2.1 Entwicklung der Verbraucherpreise

  • Die Verbraucherpreise in Europa stiegen im Gesamtjahr 2017 um 1,3 Prozent (Euroraum, 2016: 1,1 Prozent) bzw. 1,7 Prozent (Gesamt-EU, 2016: 1,2 Prozent). In Deutschland lag die Jahresinflationsrate 2017 bei 1,6 Prozent (2016: 1,7 Prozent).
  • Im Septmeber 2018 betrug die Geldentwertungsrate im Euroraum 2,1 Prozent, in Deutschland 2,3 Prozent.



3. Was die Bauzinsen Prognose beeinflusst

Aufzählung aller Einflussfaktoren

3.1 Die Geld- und Zinspolitik der Europäischen Zentralbank

Ohne die geldpolitischen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank läge das allgemeine Zinsniveau sehr wahrscheinlich deutlich höher.

3.1.1 Das Inflationsziel der EZB

Um die Gefahr einer die wirtschaftliche Entwicklung nachhaltig gefährdenden Deflation zu verringern, strebt die Europäische Zentralbank eine Inflation von unter, aber nahe von 2 Prozent an. Nach Einschätzung der EZB hat sich die volkswirtschaftliche Lage in der Eurozone seit Beginn der Niedrigzinspolitik der Zentralbank verbessert.

3.1.2 Extreme Niedrigzinspolitik

Zuletzt veränderte die EZB zwei ihrer Leitzinssätze am 10. März 2016 (gültig ab 16. März 2016). Die "Hauptrefinanzierungsfazilität", zu der die Geschäftsbanken kurzfristige Kredite von der EZB erhalten, liegt seitdem bei genau 0 Prozent p. a.. Für unbesicherte Ein-Tages-Kredite zahlen die Kreditinstitute lediglich 0,25 % Zinsen ("Spitzenrefinanzierungsfazilität"). Unterhalten Banken Guthaben bei der Notenbank ("Einlagefazilität"), so berechnet ihnen die EZB jetzt sogar Minuszinsen in Höhe von 0,4 Prozent.

3.1.3 Ankauf von Anleihen: „Quantitative Easing“

Seit März 2015 kauft die EZB Anleihen an, um die Volkswirtschaften der Eurozone mit zusätzlicher Liquidität zu versorgen und die Zinsen am Kapitalmarkt zu senken (Asset Purchase Programme (APP), "Quantitative Easing").

  • Angekauft wurden zunächst Staatsanleihen, gesicherte Schuldverschreibungen und forderungsgedeckte ABS-Papiere in Höhe von monatlich 60 Milliarden Euro.
  • Am 10. März 2016 entschied der EZB-Rat, das monatliche Kaufvolumen ab April 2016 auf 80 Milliarden Euro auszuweiten.
  • 19. Januar 2017 wurde eine Verlängerung des Ankaufprogramms bis Ende 2017 beschlossen, wenn auch ab April 2017 mit einem auf 60 Milliarden Euro reduzierten monatlichen Ankaufvolumen.
  • Am 26. Oktober 2017 entschied der EZB-Rat, den Erwerb von Vermögenswerten zwar bis mindestens September 2018 fortzusetzen, zugleich jedoch das monatliche Ankaufvolumen ab Januar 2018 auf 30 Milliarden Euro zu halbieren.

3.1.4 Was für ein Ende der EZB-Niedrigzinspolitik sprechen könnte

Setzen sich die Kritiker der Geldpolitik von EZB-Präsident Mario Draghi durch, so würde die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank wohl bald beendet. Für diesen Fall wäre auch mit steigenden Zinsen für Immobilienkredite zu rechnen.

Etliche Beobachter gehen von schweren „Risiken und Nebenwirkungen“ der EZB-Niedrigzinspolitik aus, die sie ohnehin bereits für gescheitert halten. Spätestens in der Sitzung des EZB-Rats vom 6. Dezember 2016 hatte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann seinen Widerspruch im EZB-Rat gegen das Ankauf-Wertprogramm zu Protokoll gegeben.

Auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist nicht mehr davon überzeugt, dass die Zentralbanken die Weltkonjunktur beflügeln können. Die „Grenzen des Machbaren“ seien erreicht. Selbst die in den letzten Jahren praktizierte „lockerste Geldpolitik aller Zeiten“ habe nicht zu Produktivitäts-Fortschritten oder zu Wirtschaftswachstum geführt, stellt ein OECD-Bericht vom Juni 2016 fest. Zugleich gebe es keinerlei Anzeichen für eine Rückkehr der Inflation.

1. Kritikpunkt: Ausbleibender Erfolg der EZB-Niedrigzinspolitik

Die EZB habe, so wird kritisiert, mit ihrer Geldpolitik nicht zu dem von ihr gewünschten Anstieg der Geldentwertungsrate auf etwa zwei Prozent beitragen können. Trotz der Billionen-Summen, die die EZB in den Geld- und Kapitalmarkt pumpt, pumpt, sei die Inflationsrate über lange Zeit sehr niedrig geblieben und hauptsächlich wegen der Erholung der Energiepreise angestiegen.

2. Kritikpunkt: Gefahr einer Fehlsteuerung des Bankensektors

Fast schon als unverantwortlicher Fehlanreiz erscheint die an die Kreditinstitute gerichtete Aufforderung der EZB zur Ausweitung der Darlehensvergaben – um dann später ggf. eine nicht fach- und risikogerechte Kreditherauslegung durch die Finanzwirtschaft zu kritisieren und „systemrelevante“ Institute womöglich zu Lasten der Allgemeinheit vor der Insolvenz retten zu müssen.

3. Kritikpunkt: Blasenbildungen an den Aktien- und Immobilienmärkten

Die niedrigen Zinsen auf Guthabenkonten und für Investments in Anleihen führen zu einem Anlagenotstand. Auf der Suche nach ertragreichen Anlageformen fließen die von der EZB freigesetzten, gewaltigen Kapitalmengen unter anderem in die Aktien-, Renten- und Immobilienmärkte. Sollten dort durch Fehlallokation von Kapital entstehende „Preisblasen platzen“, dann besteht die Gefahr, dass Volkswirtschaften nicht nur innerhalb der Europäischen Union erheblichen Schaden nehmen. Der renommierte US-amerikanische Fondsmanager Bill H. Gross sprach angesichts umfangreicher Geldflüsse in riskante Kapitalanlagen von einer „Supernova, die eines Tages explodieren wird“.

4. Kritikpunkt: Verschleppung notwendiger Strukturreformen

Das Ausgabeverhalten Spaniens und Italiens zeigt nach Ansicht von Kritikern der EZB-Geldpolitik, dass sich Krisenstaaten aufgrund niedrigerer Zinslasten in Sicherheit wiegen und Maßnahmen zur Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit daher nicht mit dem erforderlichen Nachdruck verfolgen. Die künstlich herbeigeführte, nicht marktkonforme Reduzierung der Zinslasten von Staaten, Unternehmern und Verbrauchern bewirke eine Verringerung von hilfreichem Reformdruck. Es entstehe für reformunwillige EU-Mitgliedsstaaten zudem ein gefährlicher Effekt der Gewöhnung an Unterstützung durch Niedrigzinsen.

Wenn Staaten mit besonders hohem Schuldenstand Niedrigzinsphasen nicht zum Schuldenabbau, sondern zur Ausweitung ihrer Ausgaben nutzen, dann sei die Finanzmarktstabilität langfristig in großer Gefahr: Völlig unklar bleibe, wie denn die Schuldnerstaaten ihren Kreditverpflichtungen bei wieder höherem Zinsniveau nachkommen wollen.

5. Kritikpunkt: Enteignung von Sparern

Kritiker der EZB-Geldpolitik bemängeln nicht zuletzt, dass Sparer durch künstlich niedrige Zinsen enteignet und Altersvorsorge-Planungen gefährdet würden.

3.1.5 Unabhängigkeit der EZB: Wie lange hält die Notenbank an ihrer Zinspolitik fest?

Nach dem „Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union“ (AEU-Vertrag) und der „Satzung des europäischen Systems der Zentralbanken und der Europäischen Zentralbank“ (ESZB-Satzung“) ist die Europäische Zentralbank unabhängig von politischen Weisungen.

Um die Dauerhaftigkeit der derzeitigen EZB-Geldpolitik besser einschätzen zu können, hilft möglicherweise ein Blick auf die Profiteure der EZB-Niedrigzinspolitik:

  • Offiziell verfolgt die Europäische Zentralbank mit ihrer Niedrigzinspolitik das Ziel, dass die Finanzwirtschaft ihre Kreditvergaben ausweitet, damit die Konjunktur durch zusätzliche Konsumausgaben und Investitionen gestärkt wird.
  • Die größten Nutznießer niedriger Zinsen sind allerdings die hochverschuldeten Staaten in Südeuropa wie Spanien sowie Italien, das Heimatland des EZB-Präsidenten. Bevor Mario Draghi im November 2011 das Amt des Präsidenten der Europäischen Zentralbank übernahm, war er zwischen 2006 und 2011 Präsident der italienischen Notenbank.

Besonders Italien und Spanien verschaffte die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank Zinsentlastungen in Milliarden-Höhe.

  • Bis 2022 könnten sich die Einspar-Effekte laut einer Studie des genossenschaftlichen Zentralistituts DZ Bank allein für Italien auf über 600 Milliarden Euro summieren. (Zum Vergleich: Die Zinslast reduzierte sich für Deutschland „nur“ um 9,5 Milliarden Euro.)
  • Wirtschaftsverbände wie der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) sehen daher in der Niedrigzinspolitik der EZB in Wahrheit ein gigantisches Umverteilungs-Programm von den nördlichen zu den südlichen EU-Staaten.

3.1.6 EZB-Niedrigzinspolitik – der„Einstieg in den Ausstieg“ ist bereits vollzogen

Die EZB bewegt sich allerdings vorsichtig in Richtung auf ein Ende ihrer „ultralockeren“ Geldpolitik. Zuletzt betonte Draghi die verbesserten Konjunkturaussichten und bewertete die Risiken für die Wirtschaftsentwicklung erstmals als „weitgehend ausgeglichen“, während er bislang von einer „abwärtsgerichteten“ Tendenz sprach.

Volkswirte betrachten die Äußerungen Mario Draghis als einen ersten Hinweis auf den Beginn eines Ausstiegs der Europäischen Zentralbank aus ihrer extremen Niedrigzinspolitik. Tatsächlich beschloss die EZB in der Folgezeit, ihre monatlichen Wertpapier-Ankäufe zu reduzieren – von 80 Milliarden Euro (bis März 2017) auf 30 Milliarden Euro (ab Anfang 2018).

Allerdings betonte EZB-Präsident Draghi am 26. April 2018, dass er sich angesichts der aktuellen Handelskonflikte und möglicher Anzeichen einer Konjunkturabkühlung in Europa alle Optionen offen halte. Beunruhigt zeigte sich Mario Draghi im Hinblick auf die aktuellen handelspolitischen Spannungen zwischen den USA und Europa, die zu einer Eskalation der „Vergeltung“ führen könne.

Einen konkreten Termin für den Beginn eines stufenweisen Ausstieg aus der EZB-Niedrigstzinspolitik nannte der Notenbank-Präsident nicht.


3.2 Die Geldpolitik des Federal Reserve Systems (USA)

Wie lange die EZB noch an ihrer stark kritisierten Niedrigzinspolitik beibehält, bleibt also abzuwarten. Das Federal Reserve System (die US-Notenbank) hat bereits vor geraumer Zeit die Zinswende eingeleitet.

Die US-Zentralbank beschloss am 16. Dezember 2015, ihren Leitzins Federal Funds Rate erstmals wieder um 0,25 Prozentpunkte auf eine Bandbreite zwischen 0,25 Prozent und 0,5 Prozent anzuheben – nachdem der Leitzins seit Dezember 2008 auf historischem Niedrigniveau bei nahe Null Prozent gelegen hatte. Die "Fed" erklärte die "Finanzkrise" für beendet.

Seither erhöhte die US-Notenbank die Bandbreite ihres Leitzinses bereits mehrfach um jeweils 0,25 Prozentpunkte.

  • 14. Dezember 2016: auf 0,50 bis 0,75 Prozent
  • 15. März 2017: 0,75 bis 1,00 Prozent
  • 14. Juni 2017: 1,00 bis 1,25 Prozent
  • 13. Dezember 2017: 1,25 bis 1,50 Prozent
  • 21. März 2018: 1,50 bis 1,75 Prozent
  • 13. Juni 2018: 1,75 bis 2,00 Prozent
  • 26. September 2018: 2,00 bis 2,25 Prozent

Ende des Jahres 2019 soll die Federal Funds Rate bei 3,00 Prozent liegen.


3.3 Einflüsse des Zinsniveaus auf den Aktienmarkt

Sollten die US-Notenbank (entgegen den bisherigen Einschätzungen) von weiteren Zinserhöhungen Abstand nehmen, dann könnten große Kapitalbeträge aus dem US-Dollar- in den Euro-Währungsraum fließen. Eine Verzögerung weiterer Zinsschritte entspräche der Intention von US-Präsident Trump, die US-Konjunktur auch durch möglichst niedrige Zinsen anzukurbeln.

  • Der Euro dürfte dann tendenziell gegenüber dem US-Dollar weiter steigen.
  • Solche Liquiditätszuflüsse in Euro-Anlagen dürften für weiter niedrige Euro-Zinsen sorgen.
  • Die europäischen Aktienmärkte würden sich - jedenfalls kurzfristig - stabiler als die US-Märkte entwickeln.

Liquiditätsabflüsse aus der Eurozone aufgrund deutlich steigender US-Dollar-Zinsen würden die europäischen Aktienmärkte hingegen belasten, da Investoren aus dem Nicht-Euro-Raum bei fallenden Euro-Kursen (in ihrer Heimatwährung gerechnet) Verluste erleiden. Euro-Aktien-Verkäufe und geringere Aktienkäufe durch ausländische Kapitalanleger könnten sich besonders negativ auf den Deutschen Aktienindex DAX auswirken, da sich die größten 30 deutschen Aktiengesellschaften durchschnittlich zu über 50 Prozent, teilweise sogar zu 70 Prozent im Besitz ausländischer Investoren befinden.

Immer häufiger warnten "Experten" davor, dass die Aufwärtsentwicklung beim DAX nicht auf einem realen Fundament basiere, sondern nur eine Form einer inflationären Preisentwicklung spiegele. Sogar von der "Mutter aller Blasen" war die Rede.

Von seinem seinerzeitigen Zwischenhoch von 12.375 Punkten (April 2015) fiel der DAX bis Februar 2016 auf 8.750 Zähler zurück. Darauf folgende Kursanstiege bis 10.400 erwiesen sich zunächst als nur vorübergehende Erholungen.

Anfang Dezember 2016 überwand der Deutsche Aktien Index schließlich die wichtige Kursbarriere bei 10.800 Punkten. Am 5. Oktober 2018 notierte der Index bei 12.111 Zählern. Diese Kursanstiege sind umso bemerkenswerter, als die US-Politik unter Trump nicht als verlässlich, sondern als vollkommen unberechenbar gilt.

Realisiert sich nur eines der zahlreichen politischen Risiken und ökonomischen Risiken, so könnte sich schnell ein scharfer Kursrückgang einstellen. Die Kursrisiken dürften mit aufwärts gerichteten Zinsschritten der Notenbanken und einer restriktiveren Geldmengen-Politik deutlich zunehmen. Die US-Zinsen befinden sich bereits in einer zumindest mittelfristigen Aufwärtsbewegung - nicht wirklich ideale Aussichten für Wirtschaft und Börsen. Kommt es jedoch tatsächlich zu einem erheblichen Kurseinbruch, so kann sich dies auch in höheren Kosten für Kapital, also in steigenden Zinsen niederschlagen.


3.4 Bundesanleihen: vermutlich auf absehbare Zeit niedrig verzinst

Bundesanleihen aller Laufzeitbereiche weisen derzeit eine geringe oder sogar negative Rendite auf. Wer am 1. Oktober 2018 drei- bis fünfjährige Bundesanleihen kaufte, der zahlt der Bundesrepublik bis zur Anleihenfälligkeit Negativzinsen zwischen -0,40 und -0,09 Prozent pro Jahr (Anfang Oktober 2017: zwischen -0,61 und -0,28 Prozent). Erst sechsjährige Bundesanleihen verfügen über eine positive Rendite von gerade einmal 0,06 Prozent, während Zehnjährige mit +0,50 Prozent (Anfang Oktober 2017: +0,42 Prozent) rentieren. Mit +1,19 Prozent bietet eine Bundesanleihe mit einer Laufzeit von etwas über 30 Jahren derzeit die höchste Verzinsung.

Zu berücksichtigen ist bei alledem, dass Anleger auch geringe Habenzinsen noch versteuern und außerdem Ankauf- und ggf. Verkaufsprovisionen entrichten müssen.




Ursachen der niedrigen Zinsen für Bundesanleihen

Unabhängig von kurzfristigen Entwicklungen stoßen Bundesanleihen bei internationalen Anlegern aus verschiedenen Gründen auf hohes Interesse.

  • Begünstigt wird das niedrige Zinsniveau von der hoch eingestuften Bonität der Bundesrepublik Deutschland, die für eine international hohe Nachfrage nach Bundesanleihen sorgt. Alle bedeutenden Rating-Agenturen halten die finanzielle und ökonomische Situation Deutschland für auf hohem Niveau stabil und vergeben jeweils die höchste Bewertungsnote.
  • Der Bund profitiert derzeit von hohen Steuereinnahmen, so dass eine Nettokreditaufnahme zur Zeit nicht mehr erforderlich ist. Bei geringerem Finanzierungsbedarf ist es dem Bund möglich, den Investoren besonders niedrige Anleihezinsen anzubieten.
  • Geringe Zinsausgaben des Bundes, eine besonders hohe Bonitätseinstufung des Schuldners Bundesrepublik Deutschland sowie hohe Steuereinnahmen wirken gemeinsam in Richtung weiterhin niedriger Zinsen für Bundesanleihen.
  • Hinzu kommt, dass Staatsanleihen, die von für den Kapitalmarkt bedeutenden Staaten emittiert werden, leicht handelbar sind: In Zeiten, die von ökonomischen und geopolitischen Unwägbarkeiten gekennzeichnet sind, bieten marktbreite Staatsanleihen den Vorteil einer schnellen Veräußerbarkeit in Krisensituationen. Anleihe-Investoren können auf mögliche Krisen rasch reagieren und sich damit jederzeit Liquidität verschaffen.

Zusammenfasung: Niedrige Zinssätze für Bundesanleihen korrespondieren mit niedrigen Bauzinsen.

Bundesanleihen: Die Wechselkurs-Entwicklung zwischen US-Dollar und Euro beeinflusst die Renditen

Sollten die Zinsen in den USA bei unverändertem Zinsniveau in Europa anziehen, dann sind Rendite-Steigerungen bzw. Kursverluste bei Bundesanleihen wahrscheinlich. Die Notierungen der Anleihen befinden sich ohnehin auf einem extrem hohen Niveau. Kursrückgänge langlaufender Bundesanleihen könnten sich auch in einem Anstieg der Bauzinsen bemerkbar machen.

Die Umlaufrendite von Anleihen deutscher Emittenten mit erstklassiger Bonität fiel bis Ende Februar 2016 auf nur noch +0,02 Prozent, stieg seither aber wieder auf +0,38 Prozent (5. Oktober 2018).


3.5 Immobilienmarkt und Zinsen: Vorsicht vor Preisübertreibungen

Vor dem Hintergrund eines Niedrigzinsumfeldes fanden in den letzten Jahren erhebliche Preissteigerungen auf dem Immobilienmarkt statt - insbesondere für kleinere Wohnungen in Ballungsräumen.

Die Kaufpreise übersteigen in Großstädten und in Universitätsstädten häufig das Zwanzigfache der erzielbaren Jahresmiete, das gewöhnlich als Obergrenze für angemessene Immobilienpreise gilt.

Sollten sich die Preisanstiege für Immobilien als Preisübertreibungen herausstellen, dann könnte die Nachfrage nach Immobilienkrediten stark zurückgehen. Dies würde sich zunächst dämpfend auf die Bauzinsen auswirken. Bei erheblichen Ausfällen dürften sich die Geschäftsbanken bei zukünftigen Kreditvergaben restriktiver verhalten und dies auch in Form erhöhter Zinsen für Baufinanzierungen und Anschlussfinanzierungen zum Ausdruck bringen.

Immobilien-Experten vertreten die Auffassung, dass sich der Preissteigerungstrend bei Immobilien derzeit in einer „fortgeschrittenen Phase“ befindet und daher die Preise für Immobilien künftig zumindest langsamer steigen werden. Einige Fachleute diagnostieren eine Überhitzung zumindest von Immobilien-Teilmärkten und warnen vor dem Platzen einer Immobilienblase. Auch die allmählich wieder steigenden Zinsen für Baufinanzierungen dürfte die Preisentwicklung an den Immobilienmärkten dämpfen.

Der langfristige Immobilien-Preistrend wird wahrscheinlich von der (regional voraussichtlich sehr unterschiedlichen) Bevölkerungsentwicklung erheblich beeinflusst werden:

Nach einer Studie der Postbank nimmt die Einwohnerzahl in Berlin und Hamburg bis 2030 um etwa 4 Prozent zu, was zu einer um 14 Prozentpunkte (gegenüber dem bundesdeutschen Durchschnitt) erhöhten Preissteigerungsrate für Immobilien führen könnte.

Dagegen soll die Einwohnerzahl in Gelsenkirchen, Halle (Saale) und Chemnitz bis 2030 deutlich zurückgehen (um 9, 10, bzw. 13 Prozent), woraus die Marktforscher durchschnittliche Abschläge auf die Preisveränderungsrate von Immobilien von 32, 38 bzw. 49 Prozentpunkten errechnen.

3.5.1 Indizien für mögliche Preisübertreibungen

Typische Indizien für mögliche Preisübertreibungen auf dem Immobilienmarkt werden bereits seit 2015 festgestellt:

  • Die Immobilienpreise steigen mittlerweile schneller als die Mieten, so dass die Renditen von Immobilien-Investitionen sinken.
  • Charakteristisch für die Spätphase eines Immobilienbooms sei, so Experten, dass nach den Preisanstiegen in den Top-Lagen von Ballungsgebieten nunmehr auch Randgebiete und Umland von Preiserhöhungen betroffen seien.
  • Die Hypothekenzinsen befinden sich auf einem extrem niedrigen Niveau. Sollte das Zinsniveau erwartungsgemäß wieder ansteigen, so werden die Kosten für Baufinanzierungen deutlich ansteigen. Mittelfristig zu erwartende höhere Zinsen führen zu einer geringeren Attraktivität von Neuinvestitionen in Immobilien - zumal vor dem Hintergrund eines gerade in Ballungszentren sehr hohen Immobilien-Preisniveaus.
  • Gefahr droht nach Auffassung mancher Fachleute auch von einem „zu hohen“ und in den letzten Jahren auch gestiegenen Fremdfinanzierungsanteil. Zugleich werde, so meinen Immobilien-Fachleute, häufig eine zu niedrige anfängliche Tilgung vereinbart. Nach Ablauf der ersten Zinsbindungsfrist könnten ein dann eventuell deutlich höheres Zinsniveau zu finanziellen Engpässen mancher Kreditnehmer und damit zu Immobilien-Notverkäufen führen.
  • Hinzukomme, dass die Kreditinstitute durch die von der Zentralbank für Bankeneinlagen berechneten Negativzinsen derzeit womöglich zu einer Vergabe von Krediten motiviert würden, die sie aus Risikogründen in Zeiten „normaler“ Zinsen aus Risikogründen nicht vergeben würden.

3.6 Gute Konjunktur bedeutet höhere Zinsen

Eine gute Konjunktur geht gewöhnlich mit einem höheren Zinsniveau einher. Eine höhere Nachfrage von Verbrauchern und Unternehmen nach Gütern und Dienstleistungen sorgt tendenziell für eine stärkere Kreditnachfrage und damit für höhere Darlehenszinsen.

Güternachfrage und Inflation

Außerdem ist bei einer hohen Güternachfrage üblicherweise eine stärkere Inflation zu erwarten. Steigende Inflationsraten gehen mit fallenden Anleihenkursen (und damit steigenden Zinsen am Geld- und Kapitalmarkt) einher.

3.6.1 Die Wirtschaftsprognose des Internationalen Währungsfonds (IWF)

Zwar prognostiziert auch der Internationale Währungsfonds ein stabiles weltweites Wirtschaftswachstum von jeweils 3,9 Prozent in den Jahren 2018 und 2019. Der IWF warnt jedoch eindringlich vor neuartigen Risiken: Nationale Egoismen seien eine Gefahr für die Grundlagen der Weltwirtschaft und könnten Handelskriege heraufbeschwören. Als eines der größten Risiken für die Weltwirtschaft sieht der IWF (ebenso wie die Europäische Zentralbank) die protektionistische Politik von Donald Trump.

3.6.2 Die Wirtschaftsprognose der EU-Kommission

Die EU-Kommission geht für die Jahre 2018 und 2019 von einem stabilen Wirtschaftsaufschwung in Europa aus. n ihrer „Winterprognose 2018“ vom Februar 2018 erhöhte die EU-Kommission ihre Wachstumsprognosen für das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone und der Europäischen Union:

  • 2017: +2,4 Prozent (In ihrer „Herbstprognose“ vom November 2017 hatte die EU-Kommission das Wirtschaftswachstum 2017 für die Eurozone noch auf +2,2 Prozent und für die EU auf +2,3 Prozent geschätzt.)
  • 2018: +2,3 Prozent (Erhöhung um 0,2 Prozentpunkte gegenüber der Herbstprognose)
  • 2019: +2,0 Prozent (Erhöhung um 0,1 Prozentpunkte)

Zum Vergleich: Noch im „Frühjahrsgutachten 2017“ ging die EU insbesondere für 2017 noch von deutlich niedrigeren Wachstumsraten von 1,7 Prozent (2017), 2,1 Prozent (2018) und 1,9 Prozent (2019) aus.

3.6.3 Die Wirtschaftsprognose der Bundesregierung

Am 25. April 2018 erläuterte Bundeswirtschaftsminister Altmeier die aktuelle Wirtschaftsprognose der Bundesregierung. Danach soll die deutsche Wirtschaft, die sich weiterhin in einem „robusten Aufschwung“ befinde, mit 2,3 Prozent (2018) und 2,1 Prozent (2019) um jeweils 0,1 Prozentpunkte schwächer wachsen als bislang angenommen.

Ursache für die geringfügig reduzierte Wachstumserwartung sei, so Wirtschaftsminister Altmeier, die Annahme, dass der Exportzuwachs „nur“ noch 5,0 Prozent (2018) bzw. 4,4 Prozent (2019) betragen werde. Die Importe sollen hingegen um 5,8 bzw. 5.1 Prozent zulegen.

Fazit: Wann führt der Wirtschaftsaufschwung tatsächlich zu Zinserhöhungen?

Die positiven Wirtschaftsaussichten sollten die Europäische Zentralbank in absehbarer Zeit zu ersten Zinserhöhungsschritten veranlassen.

Der Zentralbank fällt es zunehmend schwer, ihre Niedrigstzinspolitik zu begründen: Während die Notenbank lange Zeit darauf hingewiesen hatte, dass sie ihre niedrigen Leitzinsen mit Rücksichtnahme auf die wirtschaftlich schwächeren Staaten der Eurozone beibehalten müsse, erklärte sie später, dass sie mit einer Zinswende zuwarten müsse, bis ihr Inflationsziel von etwa 2 Prozent „nachhaltig“ („dauerhaft“) erreicht sei.

Nunmehr ist zwar ein europaweiter Wirtschaftsaufschwung erkennbar. Die EZB sieht sich jedoch immer noch nicht veranlasst, über „kosmetische“, gesichtswahrende Korrekturen hinaus (wie die Verringerung des Ankaufsvolumens von Staatsanleihen) eine restriktivere Geldpolitik mit überfälligen ersten Zinserhöhungen einzuleiten.

Vielmehr verweist der EZB-Präsident nunmehr (26. April 2018) auf einzelne, in den letzten Tagen veröffentlichte Wirtschaftsdaten, die in den letzten Tagen etwas schlechter als erwartet ausgefallen waren. Anzunehmen ist: Solange Mario Draghi (der frühere Gouverneur der italienischen Zentralbank) als EZB-Präsident amtiert, dürfte sich die Zinspolitik der Notenbank stark an den Bedürfnissen der hoch verschuldeten südeuropäischen EU-Staaten orientieren, die ihren Schuldendienst möglicherweise nur bei Niedrigstzinsen erbringen können.


3.7 Schwer einzuschätzen: die Auswirkungen (geo-) politischer Krisen

Bei der Erstellung einer Zinsprognose sind auch (geo-) politische Einflussfaktoren zu berücksichtigen. Zwar lassen sich Eintrittswahrscheinlichkeiten und Auswirkungen derartiger Risiken häufig nur schwer einschätzen. Realisiert sich jedoch auch nur eine einzige dieser Gefahren, dann sind gravierende Verwerfungen an den Geld- und Kapitalmärkten einschließlich der Zinsmärkte möglich. Derzeit ist eine Häufung verschiedenster (geo-) politischer Risiken festzustellen.

3.7.1 Rohölpreise: deutlicher Wiederanstieg - nach massivem Verfall bis Anfang 2016

Sinkende Rohstoffpreise signalisieren eine schwächere Weltkonjunktur, was tendenziell ein niedriges Zinsniveau begünstigt. Steigende Rohölpreise sind zumeist die Folge einer (zumindest befürchteten) krisenhaften Verknappung des Ölangebots und/oder der Ausdruck guter Perspektiven für die Weltkonjunktur.

Bis Mitte 2014 stiegen die Rohöl-Preise bis auf über 100 US-Dollar je Barrel (ca. 159 Liter Rohöl), bevor ein drastischer Preisverfall einsetzte. Der Tiefpunkt der Rohölpreise wurde Anfang 2016 bei etwa 29 US-Dollar erreicht.

In der Folgezeit erholten sich die Notierungen jedoch wieder deutlich. Die 50-US-Dollar-Marke wurde erstmals wieder im Juni 2016 überschritten. Nach einem nur vorübergehenden Preisrückgang auf 45 USD (Juni 2017) stieg der Preis für ein Barrel Brent-Öl bis zum 3. September 2018 auf 78,03 USD.

Die Ursachen des aktuellen Rohöl-Preisanstiegs:

  • Drosselung der Ölförderung ab Anfang 2017 (unter Führung von Saudi-Arabien und Kuwait)
  • Benzinknappheit in den USA nach Hurrikan IRMA (September 2017): Beeinträchtigung der US-Raffinerie-Kapazitäten in Texas und Louisiana
  • Ausbleiben der für Anfang 2018 prognostizierten Überversorgung mit Rohöl
  • Giftgasangriffe in Syrien (April 2018): US-Drohungen mit Vergeltungsschlägen ließen die Rohöl-Preise auf ein 3-Jahres-Hoch ansteigen.

3.7.2 Entscheidungen in Mitgliedsländern der Europäischen Union

Brexit: Angekündigter Austritt Großbritanniens aus der EU

Das Referendum über die Zugehörigkeit Großbritanniens zur Europäischen Union vom 23. Juni 2016 endete mit einem Austrittsvotum. Die Brexit-Entscheidung führt bereits lange vor dem tatsächlichen Ausscheiden Großbritanniens aus der EU zu politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit. Die zähen Brexit-Verhandlungen zwischen EU und Großbritannien sorgen für Unsicherheit bei Einzelpersonen und Unternehmen. Derartige Unwägbarkeiten könnten einige Investitionsentscheidungen zumindest verzögern, die Konjunkturentwicklung dämpfen und den sich derzeit abzeichnenden Zinsaufwärtstrend bremsen.

Mark Carney, Gouverneur der Bank of England verwies bereits wiederholt auf die seiner Einschätzung nach großen Gefahren für Großbritanniens Wirtschaft, die mit dem Brexit verbunden seien.

Die britische Geldentwertung stieg bis November 2017 auf einen Höchstwert von 3,2 Prozent. Selbst nach dem nachfolgenden Rückgang auf 2,4 Prozent (März 2018) lag die Inflationsrate noch deutlich über dem Inflationsziel der Notenbank von 2 Prozent (zum Vergleich: Jahresinflation per Oktober 2016: 0,9 Prozent, per Dezember 2016: 1,6 Prozent).

Der deutliche Anstieg der britischen Inflation ist auf die (Brexit-bedingte) Abschwächung des britischen Pfundes zurückzuführen, wodurch sich Importgüter (in britischen Pfund gerechnet) verteuerten. Im Zeitraum zwischen dem Brexit-Referendum vom 23. Juni 2016 und dem April 2018 erlitt das britische Pfund gegenüber dem Euro einen Wertverlust von etwa 10 Prozent (Stand 22.04.2018).

Um der (durch die Brexit-Entscheidung beschleunigten) Inflation entgegenzuwirken, sah sich die Bank of England gezwungen, den Leitzins Großbritanniens am 02. November 2017 um 0,25 Prozentpunkte auf 0,5 Prozent anzuheben – die erste britische Leitzins-Erhöhung seit zehn Jahren.

Das Entscheidungsgremium Monetary Policy Committee der Bank of England beließ zwar auf seiner letzten Sitzung vom 22.03.2018 den britischen Leitzins „Current Bank Rate“ unverändert, bleibt aber angesichts einer fallenden Arbeitslosenquote (4,3 Prozent, 42-Jahres-Tief) und steigenden Lohndrucks bei seinem grundsätzlichen Zinserhöhungskurs.

Zwar dürfte sich eine einzelne Zinserhöhung durch die britischen Zentralbank kaum direkt auf das Zinsniveau im Euroraum auswirken. Zinstrends in wichtigen Kapitalmärkten wie Großbritannien und den USA können mittelfristig gleichwohl auch die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank beeinflussen.

Italien nach den Parlamentswahlen 2018: politische Instabilität, Strukturprobleme und enorme Verschuldung

Die Parlamentswahlen in Italien vom 4. März 2018 endeten mit einer Pattsituation zwischen den drei größten Parteien-Bündnissen. Eine Regierungsbildung ist auch sechs Wochen nach der Wahl nicht absehbar. Sollte es nicht zu einer Einigung kommen, dürfte Staatspräsident Mattarella eine Expertenregierung einsetzen, die das Wahlrecht ändern und Neuwahlen initiieren könnte.

Italien, die viertgrößte Volkswirtschaft der Europäischen Union kämpft mit erheblichen Strukturproblemen. Die horrende Staatsverschuldung liegt aktuell bei etwa 2,3 Billionen Euro und damit bei 132,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – nach Griechenland (176,9 Prozent) der zweithöchste Verschuldungsgrad innerhalb der EU.

Die politische, wirtschaftliche und finanzielle Fragilität des wichtigen Eurolandes Italien bedroht die Stabilität des Euroraums und der gesamten Europäischen Union. Schon ist von einem „Italexit“ die Rede. Gelingen keine durchgreifenden Reformen, so droht schlimmstenfalls ein Aufleben der Eurokrise in vergrößertem Maßstab - mit nicht vorhersehbaren Folgen für die europäische Volkswirtschaft, insbesondere auch für die weitere Zinsentwicklung.

Drohender Handelskrieg

Die von Präsident Trump und China gegenseitig verhängten Strafzölle können eine weitere Eskalationsspirale bis hin zu einem Handelskrieg in Gang setzen. Am 2. August hat US-Präsident Donald Trump vorgeschlagen, chinesische Einfuhren im Wert von 200 Milliarden Dollar mit einem Zollsatz von 25 Prozent, statt 10 Prozent, zu belegen. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums hat bereits angekündigt zurückzuschlagen, um die eigenen Rechte und Interessen Chinas zu verteidigen.

3.7.4 Geopolitische Krisenherde

Die Ukraine-Krise kann jederzeit mit unvorhersehbaren Folgen (auch für die Finanzmärkte) eskalieren. Russland und NATO befinden sich in einer Aufrüstungsspirale.


3.8 Unsere Zusammenfassung

Was zu steigenden Bauzinsen führen könnte:

  • anziehende Weltkonjunktur
  • verbesserte Konjunkturaussichten für Europa
  • steigende Zinsen insbesondere für US-Dollar-Anlagen (drohende Folge: Kapital-Umschichtungen aus dem Euro in den US-Dollar)
  • Brexit-Folgen: steigendes Zinsniveau in Großbritannien
  • Vermutlich erfolgt eine Änderung der EZB-Geldpolitik spätestens mit Ablauf der Amtszeit des derzeitigen EZB-Präsidenten Mario Draghi im Oktober 2019.

Für niedrige oder weiter fallende Zinsen spricht:

  • mögliche Abschwächung der Konjunktur in der Euro-Zone, insbesondere im Zusammenhang mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU
  • möglicher Handelskrieg: von US-Präsident Trump angestoßene Zoll-Erhöhungsrunde
  • möglicher Abwertungswettlauf bedeutender Währungsräume
  • strikte Niedrigzins-Politik der Europäischen Zentralbank
  • Ende oder zumindest Verlangsamung der Zinswende in den USA, falls die US-Regierung unter Donald Trump die von der US-Notenbank bisher angedachten Zinserhöhungsschritte durchkreuzt

Sowohl sinkende als auch steigende Zins-Szenarios vorstellbar:

  • Wiederaufleben der Staaten- und Banken-Schuldenkrise
  • Italien: politische und ökonomische Instabilität. Unklare Regierungsbildung nach den Parlamentswahlen vom März 2018. Sehr hoher Schuldenstand. Fraglich erscheint die Zahlungsfähigkeit staatlicher und privater Schuldner bei steigenden Zinsen. Ein Austritt Italiens aus Euroraum und EU („Italexit“) ist möglich.
  • Überhitzung des Immobilienmarktes
  • unvorhersehbare Politik der US-Regierung unter Donald Trump
  • jederzeit mögliche Eskalation der Ukraine-Krise

4. Fazit: Aktuelle Bauzinsen Prognose 2018/2019

Fazit: Bauzinsen Prognose

Angesichts der entschiedenen Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank ist ein erheblicher und rascher Zinsanstieg nicht zu erwarten – jedenfalls bis zum Ausscheiden des derzeitigen Präsidenten der Europäischen Zentralbank (Ende der Amtsperiode Oktober 2019). Mittel- bis langfristig kann es jedoch nach der erfolgten Zinswende in den USA und der in Großbritannien durchgeführten ersten Zinserhöhung sowie im Hinblick auf die seit Anfang 2017 nahe der Zielmarke der EZB befindlichen Inflation auch in der Eurozone zu deutlichen Zinserhöhungen kommen.

Wer nicht auf ein noch niedrigeres Zinsniveau spekulieren und Zinssteigerungsrisiken ausschließen möchte, der sollte nicht länger warten und sich bei Fremdfinanzierungsbedarf die nach wie vor historisch günstigen Kreditzinsen langfristig sichern.

Tipp!

Zinsalarm erhalten, sobald die Bauzinsen eine vorher von Ihnen festgelegte Zinsschwelle über- oder unterschreiten. Jetzt Zinsalarm erstellen.


4.1 Empfehlungen für zukünftige Bauherren und Immobilienkäufer

Bauherren und Immobilienkäufer können ihre Immobilienfinanzierung aktuell weiterhin zu sehr günstigen Konditionen abschließen. Vorzuziehen sind lange Zinsbindungen – idealerweise bis zum Ende der Kreditlaufzeit.

Zugleich sollte eine hohe Tilgungsrate (von mindestens 2 bis 3 Prozent) gewählt werden, um die Entschuldung zu beschleunigen.


4.2 Anschlussfinanzierung und Forward-Kredit

Auch bei Anschlussfinanzierungen sollten lange Zinsbindungen bevorzuget werden. Durch niedrigere Kreditzinsen eingesparte Aufwendungen können zur Erhöhung der Tilgung verwendet werden.

Wer bereits über eine Baufinanzierung verfügt, deren Zinsbindung in den nächsten Jahren ausläuft, der kann sich bereits heute die niedrigen Zinsen durch ein bis zu 60-monatiges Forward-Darlehen sichern. Kreditnehmer sollten im Hinblick auf die für den Euroraum auf mittlere Sicht wahrscheinlichen Zinserhöhungen mit dem Abschluss eines Forward-Darlehens nicht unbedingt länger warten.


Quellen und weitere Informationen:


Autor: Hartmut Zimmer

Hartmut Zimmer, Jurist und langjähriger Vertriebsdirektor einer deutschen Großbank, war u. a. zuständig für den Vertrieb von Baufinanzierungen und gewerblichen Krediten. Besonders intensiv befasste er sich mit den Risiken fehlerhaft konstruierter Baufinanzierungen anlässlich der Sanierung eines umfangreichen Kreditportfolios.
Hartmut Zimmer ist Autor zahlreicher Fachartikel zu Finanzprodukten und Wirtschaftsrecht.

Die aktuellen Bauzinsen im schnellen Überblick

  • Heute
  • Gestern
Zinsbindung 5 Jahre 10 Jahre 15 Jahre 20 Jahre 25 Jahre 30 Jahre
Effektivzins Sollzins 0,90% 0,88% 1,26% 1,23% 1,61% 1,58% 1,81% 1,78% 2,04% 2,01% 2,19% 2,15%
Effektivzins Sollzins 0,90% 0,88% 1,26% 1,23% 1,61% 1,58% 1,82% 1,79% 2,08% 2,04% 2,19% 2,15%

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