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Bauzinsen Prognose 2016 (Stand: September 2016)

Bauzinsen Prognose 2016
Starker Zinsanstieg kurzfristig nicht zu erwarten. Bauzinsen bleiben vorerst günstig.

Wir informieren Sie in diesem Artikel über folgende Themen:

  1. 1. Die Verlässlichkeit von Zinsprognosen
  2. 2. Die aktuelle Zinssituation
  3. 3. Was die Bauzinsen beeinflusst
  4. 4. Fazit: Aktuelle Bauzinsen Prognose 2016
    • 4.1 Empfehlungen für zukünftige Bauherren und Immobilienkäufer
    • 4.2 Empfehlungen für Anschlussfinanzierung und Forward-Kredit

Warum Sie Prognosen über die künftige Entwicklung der Baufinanzierungs-Zinsen verfolgen sollten

Das allgemeine Zinsniveau verändert sich täglich. Kreditinstitute gewähren Baudarlehen zu den jeweils marktüblichen Zinssätzen. Der Zeitpunkt, den Sie für den Abschluss einer Baufinanzierung auswählen, entscheidet daher maßgeblich über die Zinskosten Ihres Immobilienkredites.

Die Prognose der Bauzinsentwicklung ist für künftige Bauherren ebenso von Bedeutung wie für Käufer eigen- oder fremdgenutzter Bestandsimmobilien.

Auch Immobilieneigentümer, deren Baufinanzierung sich noch innerhalb einer Zinsbindung befindet, können sich die derzeit niedrigen Zinsen durch eine Forward-Vereinbarung ggf. für die Zukunft sichern.

Mietern, die vielleicht schon seit vielen Jahren ihren ständig steigenden Mietverpflichtungen entkommen wollen, wird die Erfüllung eines lange gehegten Immobilienwunsches durch die derzeit niedrigen Kreditzinsen erleichtert.

Beispielrechnung:

Wer 500 Euro monatlich als Kreditrate (Tilgung plus Zinsen) für ein Darlehen über 100.000 Euro aufwenden möchte, der muss bei einem Effektivzinssatz von 3 % p. a. während einer Kreditlaufzeit von 23 Jahren und einem Monat Zinsen von insgesamt 38.802,04 Euro entrichten.

Bei Effektivzinsen von 2 % (und einer unveränderten monatlichen Kreditrate von 500 Euro) ist die Baufinanzierung aufgrund der höheren Tilgungsleistung bereits nach 20 Jahren und 3 Monaten vollständig zurückgeführt. Insgesamt entstehen nur deutlich geringere Zinsbelastungen in Höhe von 21.740,57 Euro.


1. Über die Verlässlichkeit von Zinsprognosen

Zinsprognosen von Experten und Wirtschaftsweisen

Angesichts immer neuer Zins-Tiefststände wurde in den vergangenen Jahren oft eine Zinswende vorhergesagt. Tatsächlich kam es jedoch nur zu begrenzten und vorübergehenden Zinssteigerungen.

Die Geldpolitik der Zentralbanken nimmt derzeit entscheidenden Einfluss auf das Zinsniveau. Real- und geldwirtschaftliche Fakten treten derzeit hingegen weitgehend in den Hintergrund. Verschiedenste Ereignisse können scheinbar schlüssige Bauzinsen Prognosen zunichtemachen. So neigen nicht nur Verbraucher und Unternehmen, sondern auch sogenannte "Experten" oder gar "Wirtschaftsweise" dazu, Entwicklungen der Vergangenheit für die Zukunft fortzuschreiben oder Einflussfaktoren unzutreffend zu bewerten.

Tipp!
Bauherren und Immobilienkäufer sollten jede Prognose mit großer Vorsicht zur Kenntnis nehmen, die Zinsentwicklung beobachten und sich eine eigene Meinung bilden.

Welche heute bereits erkennbaren Faktoren könnten die Höhe der Bauzinsen in 2016 beeinflussen?


2. Die aktuelle Zins- und Inflations-Situation

Niedrigzinssituation in Deutschland

Die aktuelle Niedrigzins-Situation wird besonders stark von der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank geprägt. Zudem drücken Unsicherheitsfaktoren wie das Ende Juni 2016 stattfindende britische EU-Referendum auf die Renditen deutscher Staatsanleihen.

  • Mit ihrer Niedrigzinspolitik will die EZB die Konjunktur innerhalb der Eurozone stärken. Insbesondere soll das Abrutschen der europäischen Volkswirtschaften in eine Deflation vermieden werden, die eine dauerhafte Kaufzurückhaltung auslösen könnte, falls Verbraucher und Unternehmer für die Zukunft mit weiter fallenden Preisen rechnen.
  • Niedrige EZB-Kreditzinsen und Negativzinsen auf Einlagen sollen die Kreditwirtschaft zu einer verstärkten Darlehensvergabe veranlassen. Die Politik des „billigen Geldes“ soll die Nachfrage von Konsumenten und Unternehmen nach Produkten und Dienstleistungen verstärken, die Konjunktur damit ankurbeln und so auch ein Abgleiten in eine gefährliche Deflation vermeiden. Ziel der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank ist eine Inflationsrate von „unter, aber nahe 2 Prozent“.
  • Am 14.06.2016 fiel die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen mit -0,004 % erstmals unter die Null-Prozent-Marke. Anleger erhalten also keine Zinsen, sondern entrichten eine Zahlung an den deutschen Staat, wenn sie dessen Schuldtitel erwerben. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ist besonders aussagekräftig, da fast die Hälfte der Schulden des Bundes (Ende März 2016 insgesamt 1,08 Billionen Euro) auf Anleihen dieses Laufzeitbereichs entfällt.
  • Der nochmalige Zins-Abwärtstrend Mitte Juni 2016 ist auf die Angst vor einem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union zurückzuführen (britisches EU-Referendum am 23.06.2016). Kapitalanleger investieren verstärkt in vergleichsweise risikoarme Anlageformen wie Bundesanleihen („sichere Häfen“).

Weitere Informationen und Zins-Charts zur aktuellen Zinsentwicklung, insbesondere auch zur Geldpolitik der Europäischen Zentralbank stehen Ihnen in unserem Artikel "Bauzinsen Entwicklung" zur Verfügung.

Entwicklung der aktuellen Bauzinsen

2.1 Niedrigzinspolitik der EZB: Deflationsgefahr nicht abgewendet

Die Verbraucherpreise in Deutschland stiegen im Mai 2016 gegenüber dem Vorjahresmonat nur noch um 0,1 Prozent (April 2016: -0,1 %; Gesamtjahr 2015 +0,3 %; 2014: 0,9 %, 2013: 1,5 %, 2012: 2,0 %). Die niedrige Inflationsrate ist vor allem auf die im Vorjahresvergleich gesunkenen Energiepreise (-7,9 Prozent) zurückzuführen.

Allerdings hat sich der Energiepreis-Rückgang in den letzten Monaten bereits abgeschwächt, nachdem die Energiepreise im September 2015 mit -9,3 Prozent den niedrigsten Wert im Vorjahresvergleich erreicht hatten. Bei Herausrechnung der Energiepreis-Entwicklung hätte die Geldentwertung im Mai 2016 bei +1,2 Prozent gelegen. Während sich die die Preise für Nahrungsmittel um 0,5 Prozent ermäßigten, lagen die Preise für Dienstleistungen um 1,2 Prozent und für pharmazeutische Produkte sogar um 2,8 Prozent höher als vor einem Jahr.

Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) für die gesamte Eurozone ging im Mai 2016 gegenüber dem Vorjahr um 0,1 Prozent zurück. Im Gesamtjahr 2015 stiegen die Preise um minimale 0,2 Prozent (2014: -0,2 %, 2013: +0,8 %, 2012: +2,2 %).

Damit entfernt sich die Inflationsrate immer weiter von dem von der EZB definierten Geldentwertungs-Ziel von knapp zwei Prozent. Von vielen Experten wird bezweifelt, ob die Niedrigzins-Politik der EZB zur Erreichung dieses geeignet ist.



2.2 Inflationserwartungen von EZB und anderen Ökonomen

Im März 2016 prognostizierte die Europäische Zentralbank für das Gesamtjahr 2016 eine Teuerungsrate für den Euro-Raum von nur 0,1 Prozent, nachdem sie noch im Dezember 2015 von 1,0 Prozent ausgegangen war. Für 2017 senkte sie die Inflations-Prognose von 1,6 auf 1,3 Prozent und erwartet für 2018 eine Geldentwertung von 1,8 Prozent.

Allerdings dürfte nach Meinung einiger Ökonomen der zuletzt wieder deutlich gestiegene Mineralölpreis zu einem Anstieg der Inflationsrate in der zweiten Jahreshälfte 2016 auf etwa 2 Prozent führen – wohlgemerkt: nicht als Folge der geldpolitischen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank, sondern wegen des auslaufenden Effekts sinkender Ölpreise.

Wiederanstieg der Rohöl-Preise: höhere Inflationsrate wahrscheinlich

Der Preis für die Ölsorte Brent erreichte Ende April 2011 mit 125,91 US-Dollar seinen bisherigen Höchstwert. Danach fielen Notierungen bis auf 28,52 US-Dollar (20. Januar 2016), erholten sich jedoch wieder auf 52,39 US-Dollar (7. Juni 2016; Mitte Juni 2016: ca. 50 US-Dollar). Der wieder ansteigende Ölpreis dürfte sich bald in höheren Inflationsraten bemerkbar machen.

Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann vertritt die Auffassung, dass die bis vor einigen Monaten rückläufigen Energiepreise die wesentliche Ursache für die niedrige Inflationsrate seien. Daher besteht nach seiner Meinung „überhaupt kein Anlass für Schwarzmalerei“, zumal die Wirtschaftsentwicklung in Europa aufwärts gerichtet sei.


3. Was die Bauzinsen Prognose beeinflusst

Aufzählung aller Einflussfaktoren

3.1 Die Geld- und Zinspolitik der Europäischen Zentralbank

Ohne die geldpolitischen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank läge das Zinsniveau deutlich über den aktuellen Werten.

3.1.1 Das Inflations-Ziel der EZB

Um die Gefahr einer die wirtschaftliche Entwicklung nachhaltig gefährdenden Deflation zu verringern, strebt die Europäische Zentralbank eine Inflation von 2 Prozent an.

Nach Einschätzung der EZB hat sich die volkswirtschaftliche Lage in der Eurozone seit Beginn der Niedrigzinspolitik der Zentralbank verbessert. Etwa die Hälfte des in den letzten Jahren entstandenen Wirtschaftswachstums der Eurozone sei, so EZB-Präsident Mario Draghi, auf die Geldpolitik der Notenbank zurückzuführen.

Er hält die EZB-Geldpolitik, die sein Institut „in den letzten vier Jahren“ durchgeführt habe, für „die einzig stimulierenden“ Maßnahmen innerhalb der Eurozone – was einer Misstrauens-Bekundung gegenüber den Wirtschaftspolitikern der EU-Mitgliedsstaaten gleichkommt. Nach Erreichen eines „allmählichen Aufschwungs“ müsse, so Mario Draghi, die Inflationsrate der Eurozone wieder an das EZB-Ziel von „nahe unter zwei Prozent“ geführt werden.

3.1.2 Extreme Niedrigzinspolitik

Zuletzt senkte die EZB zwei ihrer Leitzinssätze am 10. März 2016. Unterhalten Banken Guthaben bei der Notenbank ("Einlagefazilität"), so berechnet ihnen die EZB jetzt sogar Minuszinsen in Höhe von 0,4 Prozent (zuvor -0,3 Prozent).

Die "Hauptrefinanzierungsfazilität", zu der die Geschäftsbanken kurzfristige Kredite von der EZB erhalten, liegt seitdem bei genau 0 Prozent p. a.. Für unbesicherte Ein-Tages-Kredite zahlen die Kreditinstitute lediglich 0,25 % Zinsen ("Spitzenrefinanzierungsfazilität").

3.1.3 Ankauf von Anleihen: „Quantitative Easing“

Seit März 2015 kauft die EZB Anleihen an, um die Volkswirtschaften der Eurozone mit zusätzlicher Liquidität zu versorgen und die Zinsen am Kapitalmarkt zu senken ("Quantitative Easing").

  • Die Europäische Zentralbank begann ihr Quantitative Easing mit einem „Programm zum Ankauf von Wertpapieren des öffentlichen Sektors“ (Public Sector Purchase Programme, PSPP). Angekauft wurden zunächst Staatsanleihen, gesicherte Schuldverschreibungen und forderungsgedeckte ABS-Papiere in Höhe von monatlich 60 Milliarden Euro.
  • Am 3. Dezember 2015 beschloss die EZB, das Anleihenankaufprogramm, das zunächst für den Zeitraum bis „mindestens September 2016“ angelegt war, bis mindestens März 2017 auszudehnen.
  • Am 10. März 2016 entschied der EZB-Rat, das monatliche Kaufvolumen ab April 2016 von 60 auf 80 Milliarden Euro auszuweiten.
  • Ab dem 8. Juni 2016 erwirbt die EZB nunmehr auch Industrieanleihen („Programm zum Ankauf von Wertpapieren des Unternehmenssektors“ (Corporate Sector Purchase Programme, CSPP)). Angekauft werden Industrieanleihen, deren Bonität „Investment Grade“ entspricht. Das CSPP soll die Wirkung der Wertpapierkäufe auf die Realwirtschaft verstärken.
  • Zudem entfallen einige der bisher geltenden Restriktionen beim Kauf von Rentenpapieren supranationaler Organisationen.

3.1.4 TLTRO: Vierjährige EZB-Kredite an Banken zu 0 Prozent Zinsen

Darüber hinaus stellt die EZB den Kreditinstituten ab Juni 2016 ein neues langfristiges Refinanzierungs-Instrument (TLTRO, "targeted longer-term refinancing operations") zur Verfügung, das aus vier, quartalsweise herausgelegten Kredit-Tranchen mit jeweils vierjähriger Laufzeit besteht. Im Rahmen des TLTRO-Programms können Banken bei der EZB längerfristige Kredite zum Hauptfinanzierungssatz (derzeit 0,00 %) aufnehmen. TLTRO ermöglicht es den Kreditinstituten, ihrerseits Darlehen mit minimalen Kreditzinsen zu vergeben.

Hinweis!
Auch im Hinblick auf das TLRTO-Programm dürften die Baufinanzierungszinsen in nächster Zeit kaum ansteigen.

3.1.5 Was für ein Ende der EZB-Niedrigzinspolitik sprechen könnte

Setzen sich die Kritiker der Geldpolitik von EZB-Präsident Mario Draghi durch, so würde die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank wohl bald beendet. Für diesen Fall wäre auch mit steigenden Zinsen für Immobilienkredite zu rechnen.

Kritiker gehen von schweren „Risiken und Nebenwirkungen“ der EZB-Niedrigzinspolitik aus, die sie ohnehin bereits für gescheitert halten.

1. Kritikpunkt: Ausbleibender Erfolg der EZB-Niedrigzinspolitik

Die EZB habe, so wird kritisiert, mit ihrer Geldpolitik nicht zu dem von ihr gewünschten Anstieg der Geldentwertungsrate auf etwa zwei Prozent beitragen können. Trotz der Billionen-Summen, die die EZB in den Geld- und Kapitalmarkt pumpt, gehe die Inflationsrate vielmehr kontinuierlich weiter zurück. Eine sinnvolle Antwort auf eine fehlgeschlagene EZB-Geldpolitik könne nicht darin bestehen, eben diese Geldpolitik nochmals massiv auszuweiten.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, zugleich Mitglied des EZB-Rats hielt im März 2016 eine Ausweitung der monatlichen Anleihekäufe durch die EZB nicht für erforderlich. Er glaubt, dass mit einer zu expansiven Geldpolitik der Notenbank „längerfristige Risiken und Nebenwirkungen“ verbunden sind, die bei geldpolitischen Entscheidungen berücksichtigt werden sollten.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist nicht mehr davon überzeugt, dass die Zentralbanken die Weltkonjunktur beflügeln können. Die „Grenzen des Machbaren“ seien erreicht. Selbst die in den letzten Jahren praktizierte „lockerste Geldpolitik aller Zeiten“ habe nicht zu Produktivitäts-Fortschritten oder zu Wirtschaftswachstum geführt, stellt ein OECD-Bericht vom Juni 2016 fest. Zugleich gebe es keinerlei Anzeichen für eine Rückkehr der Inflation.

2. Kritikpunkt: Gefahr einer Fehlsteuerung des Bankensektors

Banken ist dringend davon abzuraten, Kredite allein wegen niedriger EZB-Kreditzinsen an bonitätsschwächere Adressen zu vergeben. Geradezu als unverantwortlicher Fehlanreiz erscheint die an die Kreditinstitute gerichtete Aufforderung der EZB zur Ausweitung der Darlehensvergaben – um dann später ggf. eine nicht fach- und risikogerechte Kreditherauslegung durch die Finanzwirtschaft zu kritisieren und „systemrelevante“ Institute womöglich zu Lasten der Allgemeinheit vor der Insolvenz retten zu müssen.

3. Kritikpunkt: Blasenbildungen an den Aktien- und Immobilienmärkten

Die niedrigen Zinsen auf Guthabenkonten und für Investments in Anleihen führen zu einem Anlagenotstand. Auf der Suche nach ertragreichen Anlageformen fließen die von der EZB freigesetzten, gewaltigen Kapitalmengen unter anderem in die Aktien-, Renten- und Immobilienmärkte. Sollten dort durch Fehlallokation von Kapital entstehende „Preisblasen platzen“, dann besteht die Gefahr, dass Volkswirtschaften nicht nur innerhalb der Europäischen Union erheblichen Schaden nehmen. Der renommierte US-amerikanische Fondsmanager Bill. H. Gross spricht angesichts umfangreicher Geldflüsse in riskante Kapitalanlagen von einer „Supernova, die eines Tages explodieren wird“.

4. Kritikpunkt: Verschleppung notwendiger Strukturreformen

Das Ausgabeverhalten Spaniens und Italiens zeigt nach Ansicht von Kritikern der EZB-Geldpolitik, dass sich Krisenstaaten aufgrund niedrigerer Zinslasten in Sicherheit wiegen und Maßnahmen zur Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit daher nicht mit dem erforderlichen Nachdruck verfolgen. Die künstlich herbeigeführte, nicht marktkonforme Reduzierung der Zinslasten von Staaten, Unternehmern und Verbrauchern bewirke eine Verringerung von hilfreichem Reformdruck. Es entstehe für reformunwillige EU-Mitgliedsstaaten zudem ein gefährlicher Effekt der Gewöhnung an Unterstützung durch Niedrigzinsen.

5. Kritikpunkt: Gefährdung der Finanzmarktstabilität

Wenn Staaten mit besonders hohem Schuldenstand Niedrigzinsphasen nicht zum Schuldenabbau, sondern zur Ausweitung ihrer Ausgaben nutzen, dann sei die Finanzmarktstabilität langfristig in großer Gefahr: Völlig unklar sei, wie denn die Schuldnerstaaten ihren Kreditverpflichtungen bei wieder höherem Zinsniveau nachkommen wollen.

6. Kritikpunkt: Enteignung von Sparern

Kritiker der EZB-Geldpolitik bemängeln nicht zuletzt, dass Sparer durch künstlich niedrige Zinsen enteignet und Altersvorsorge-Planungen gefährdet würden.

7. Kritikpunkt: Zweifel an der Rechtmäßigkeit eines unbegrenzten Staatsanleihen-Ankaufs

Vor dem Bundesverfassungsgericht klagen im Rahmen von vier Verfassungsbeschwerden 37.000 Bürger sowie die Bundestagsfraktion der „Linken“ mit einer Organklage gegen die ihrer Meinung nach unrechtmäßige EZB-Geldpolitik.

Würde das Bundesverfassungsgericht die Rechtswidrigkeit der EZB-Geldpolitik feststellen, dann wäre mit einem steigenden Zinsniveau und erheblichen Turbulenzen an den internationalen Geld- und Kapitalmärkten zu rechnen.

Die letzte mündliche Verhandlungsrunde vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe fand am 16. Februar 2016 statt. Der Präsident des Verfassungsgerichts Andreas Voßkuhle erklärte, dass es um die Überprüfung gehe, ob die Europäische Zentralbank mit der Ankündigung des OMT-Programms ihre Kompetenzen überschritten habe. Mit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts wird in einigen Monaten gerechnet. Das Urteil könnte die Entwicklung der Zinsen gravierend beeinflussen.

3.1.6 Unabhängigkeit der EZB: Wie lange hält die Notenbank an ihrer Zinspolitik fest?

Nach dem „Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union“ (AEU-Vertrag) und der „Satzung des europäischen Systems der Zentralbanken und der Europäischen Zentralbank“ (ESZB-Satzung“) ist die Europäische Zentralbank unabhängig von politischen Weisungen.

Um die Dauerhaftigkeit der derzeitigen EZB-Geldpolitik besser einschätzen zu können, hilft möglicherweise ein Blick auf die Profiteure der EZB-Niedrigzinspolitik:

  • Offiziell verfolgt die Europäische Zentralbank mit ihrer Niedrigzinspolitik das Ziel, dass die Finanzwirtschaft ihre Kreditvergaben ausweitet, damit die Konjunktur durch zusätzliche Konsumausgaben und Investitionen gestärkt wird.
  • Die größten Nutznießer niedriger Zinsen sind allerdings die hochverschuldeten Staaten in Südeuropa wie Spanien sowie Italien, das Heimatland des EZB-Präsidenten. Bevor Mario Draghi im November 2011 das Amt des Präsidenten der Europäischen Zentralbank übernahm, war er zwischen 2006 und 2011 Präsident der italienischen Notenbank.

Besonders Italien und Spanien haben in Folge der im Sommer 2012 von Mario Draghi angekündigten expansiven Geldpolitik Zinszahlungen in Milliarden-Höhe eingespart.

  • Während spanische Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit bis Sommer 2012 noch eine Rendite von 6,5 Prozent aufwiesen, kann sich der iberische Staat derzeit zu 1,50 Prozent an den Kapitalmärkten finanzieren.
  • Die Verzinsung italienischer Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit sank seit Mitte 2012 sogar von 7 Prozent auf unter 1,5 Prozent (Mitte Juni 2016: 1,37 %).
  • Eine aktuelle Studie des genossenschaftlichen Zentralinstituts DZ-Bank ergab, dass der spanische Staatshaushalt aufgrund des „Draghi-Effekts“ in den letzten drei Jahren um 25 Milliarden Euro und Italien um 53 Milliarden Euro entlastet wurde. (Zum Vergleich: Die Zinslast reduzierte sich für Deutschland „nur“ um 9,5 Milliarden Euro.)
  • Bis 2022 könnten sich die Einspar-Effekte für Italien laut DZ Bank auf über 600 Milliarden Euro summieren.
  • Wirtschaftsverbände wie der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) sehen daher in der Niedrigzinspolitik der EZB in Wahrheit ein gigantisches Umverteilungs-Programm von den nördlichen zu den südlichen EU-Staaten.

EU-Kommission kritisiert Ausgabenverhalten von Spanien und Italien

Die EU-Kommission sprach im März 2016 Verwarnungen insbesondere an Spanien und Italien wegen zu hoher Haushaltsdefizite aus. Während die Europäische Kommission Einsparungen einfordert, nutzen die beiden südeuropäischen Länder den durch niedrige Zinsen entstehenden finanziellen Spielraum für anderweitige Ausgaben. Matteo Renzi, italienischer Premierminister bezeichnete den Stabilitäts- und Wachstumspakt, in dem eine 3-prozentige Defizit-Obergrenze und ein 60-Prozent-Limit für die öffentliche Verschuldung niedergelegt wurden (jeweils gemessen am Bruttoinlandsprodukt), als „Pakt der Dummheit“.

3.1.7 EZB-Präsident Draghi: Für den Bedarfsfall grenzenlose geldpolitische Maßnahmen angekündigt

Nicht nur im Hinblick auf die Finanzkrise Griechenlands, sondern auch angesichts der sich abzeichnenden Wirtschaftsschwäche der Schwellenländer hatte EZB-Präsident Mario Draghi bereits Anfang September 2015 erklärt, er sehe "praktisch keine Grenzen" für eine Ausweitung geldpolitischer Maßnahmen. Im März 2016 schloss Draghi weitere Maßnahmen nicht aus, „wenn sich der Inflationsausblick weiter nach unten verschiebt“. Mit einer faktisch unbegrenzten Geldschöpfung steigt jedoch langfristig die Gefahr einer kaum noch kontrollierbaren Hyper-Inflation und und das Risiko des Entstehens von volkswirtschaftlich bedrohlichen "Finanzblasen".

3.1.8 EZB versucht mit allen Mitteln ihr Inflationsziel von 2 Prozent zu erreichen

Für die Notenbanken sind die langfristigen Inflationserwartungen von Verbrauchern und Unternehmen von entscheidender Bedeutung: Die von den Marktteilnehmern erwartete Geldentwertungsrate gibt Auskunft darüber, ob Experten und Marktteilnehmer darauf vertrauen, dass die Zentralbank nicht nur willens, sondern auch in der Lage ist, ihr Preisstabilitäts-Ziel zu erreichen (bei kurzfristig möglichen Abweichungen). Die Übereinstimmung von Inflations-Erwartungshaltungen und tatsächlicher Inflationsrate spiegelt damit die Glaubwürdigkeit der Zentralbank und die Wirksamkeit ihrer Geldpolitik. Deshalb wird die EZB alles daran setzen, ihr einmal ausgerufenes Inflationsziel von nahe 2 Prozent auch tatsächlich zu realisieren.

3.1.9 Geld- und Kapitalmarkt: Zinsprognose bis Oktober 2019

Die klare Positionierung des EZB-Präsidenten bedeutet auf zumindest mittlere Sicht, dass weitere geldpolitische Maßnahmen zur Steigerung der Inflation nicht ausgeschlossen sind.

Die Geldpolitik der EZB dürfte sich jedenfalls unter dem derzeitigen Notenbank-Präsidenten, dessen achtjährige Amtszeit erst Ende Oktober 2019 endet, kaum grundlegend ändern. Im Gegenteil beweist Mario Draghi derzeit, dass er seine mit Niedrigstzinsen verbundene expansive Geldpolitik gegebenenfalls mit immer neuen „kreativen“ Maßnahmen durchzusetzen gedenkt.

Prognose:
Solange die extreme Niedrigzinspolitik der Zentralbank fortbesteht, werden voraussichtlich auch die Zinsen für Immobilienkredite unter überschaubaren Schwankungen auf niedrigem Niveau verharren.


3.2 Die Geldpolitik der Federal Reserve Bank (USA)

Möglicherweise entsteht jedoch Druck auf die EZB, ihre Niedrigzinspolitik zu verändern, wenn die US-Notenbank ihre Zinsen signifikant erhöht.

Während die EZB aus konjunkturpolitischen Gründen mit ihrem massiven Anleihe-Kaufprogramm auf weitere Liquiditätsausweitungen und Zinssenkungen setzt, warten Marktbeobachter gespannt darauf, in welchen Zeitabständen die Federal Reserve Bank nach Auslaufen ihres "Quantitative Easing"-Programms weitere Zinserhöhungen durchführt.

  • Am 17. September 2015 entschied das geldpolitische Entscheidungsgremium der Federal Reserve Bank (Federal Open Market Committee) letztmalig, ihren seit dem 16. Dezember 2008 auf historisch niedrigem Niveau von 0 bis 0,25 Prozent befindlichen Leitzins ("Fed Funds Rate") unverändert zu lassen.
  • Nach jahrelanger Niedrigzinspolitik kam es am 16.12.2015 zur lange erwarteten „Zinswende“: Die Federal Reserve Bank beschloss, die Zinsen um 0,25% anzuheben. Der US-Leitzins liegt nach dieser Zinserhöhung aktuell in einer Bandbreite von 0,25% bis 0,5%. Die "Fed" erklärte die "Finanzkrise" für beendet.

US-Zinsniveau von der Weltkonjunktur abhängig

Janet Yellen, die Präsidentin des Federal Reserve Boards, dass die Notenbank „die globalen wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklungen genau“ beobachte und „die Folgen daraus für den Arbeitsmarkt, die Inflation und die sich für die Zukunft daraus ergebenden Risiken“ analysiere. Als Folge der zunehmenden Globalisierung werden also weitere US-Zinsanpassungen (anders als in der Vergangenheit) nicht nur von Vollbeschäftigung und Preisstabilität in den USA, sondern künftig auch von der weltwirtschaftlichen Entwicklung abhängig gemacht.

  • Da die US-Arbeitslosenquote im Mai 2016 auf 4,7 Prozent (Vormonat: 5,0 Prozent) fiel, könnte der Zeitpunkt einer weiteren Zinserhöhung näherrücken.
  • Andererseits ließ Yellen noch Anfang Juni 2016 erkennen, dass sie sich der weltwirtschaftlichen „Unsicherheiten“ bewusst ist, die einer Zinserhöhung zum jetzigen Zeitpunkt entgegenstehen könnten. Ausdrücklich erwähnte sie den Ölpreis, das Wirtschaftswachstum in Asien und das Brexit-Referendum in Großbritannien, aber auch die Entwicklung der Investitionen in den USA.

Wegen der zahlreichen Faktoren, die in die Zinsentscheidungen der Federal Reserve Bank einfließen, ist der genaue Zeitpunkt einer weiteren US-Zinserhöhung schwer absehbar.


3.3 Die Erwartungen der Marktteilnehmer

Allein die Erwartungen der Marktteilnehmer an die Geldpolitik der Zentralbanken haben einen wesentlichen Einfluss auf die Zinsentwicklung. So gingen die Zinsen am Geld- und Kapitalmarkt unmittelbar nach Ankündigung des "Quantitative Easing" durch die EZB am 22. Januar 2015 zurück – also noch bevor die EZB ihr Anleihen-Ankauf-Programm im März 2015 tatsächlich startete.

In den ersten sechs Monaten nach tatsächlichem Beginn des Anleihe-Ankaufprogramms der EZB erhöhten sich hingegen die Baufinanzierungs-Zinsen laufzeitabhängig zwischen 0,2 und 0,5 Prozentpunkten. Entscheidend war also die Ankündigung, nicht die Umsetzung des EZB-Programms. Wesentliche Voraussetzung für einen solchen "vorauseilenden Gehorsam" ist, dass die Marktteilnehmer die geldpolitischen Aussagen der Zentralbanken für erfahrungsgemäß glaubwürdig halten. Ließen Zentralbanken ihren Ankündigungen keine Taten folgen, dann würde ihr Einfluss auf den Geld- und Kapitalmarkt rasch schwinden.

Auch für den Fall, dass das Bundesverfassungsgericht die derzeitige EZB-Geldpolitik für rechtswidrig erklärt, könnte dies die Autorität des EZB-Präsidenten Mario Draghi für die Zukunft stark in Mitleidenschaft ziehen.


3.4 Einflüsse auf den Aktienmarkt

Sollten die Kapitalmärkte die Überzeugung gewinnen, dass die US-Notenbank (entgegen den bisherigen Einschätzungen) von weiteren Zinserhöhungen Abstand nimmt, dann dürften große Kapitalbeträge aus dem US-Dollar- in den Euro-Währungsraum zurückfließen. Der Euro dürfte sich dann gegenüber dem US-Dollar stabilisieren. Die europäischen Aktienmärkte würden sich voraussichtlich - jedenfalls kurzfristig - stabiler als die US-Märkte entwickeln. Liquiditätszuflüsse in Euro-Anlagen dürften für tendenziell niedrige Zinsen sorgen.

Liquiditätsabflüsse aus der Eurozone aufgrund steigender US-Dollar-Zinsen würden die europäischen Aktienmärkte hingegen belasten, da Investoren aus dem Nicht-Euro-Raum bei fallenden Euro-Kursen (in ihrer Heimatwährung gerechnet) Verluste erleiden. Euro-Aktien-Verkäufe und geringere Aktienkäufe durch ausländische Kapitalanleger würden sich besonders negativ auf den Deutschen Aktienindex DAX auswirken, da sich die größten 30 deutschen Aktiengesellschaften durchschnittlich zu über 50 Prozent, teilweise sogar zu 70 Prozent im Besitz ausländischer Investoren befinden.

Nach Rekordnotierungen: Abwärtstrend am Aktienmarkt

Der deutsche Aktienindex DAX hatte am 10. April 2015 mit 12.375 Punkten einen neuen Rekordstand erreicht und erschien daher für Kursrückschläge anfällig. Immer häufiger warnten "Experten" davor, dass die Aufwärtsentwicklung beim DAX nicht auf einem realen Fundament basiere, sondern nur eine Form einer inflationären Preisentwicklung spiegele. Sogar von der "Mutter aller Blasen" war die Rede.

Von seinem Höchststand im April 2015 fiel der DAX bis Ende September auf etwa 9.500 Punkte zurück, bevor er sich zwei Monate später bis auf 10.300 erholte. Jedoch drückten aufkommende Konjunkturängste den Index in der ersten Februar-Hälfte auf einen Stand von 8.750 Punkten. Zwischenzeitliche Kursanstiege erweisen sich derzeit als nur vorübergehende Erholungen.

Dies gilt auch für die temporäre DAX-Aufwärtsentwicklung zwischen Ende Februar 2016 (Indexwerte unter 8.800) und 21. April 2016 (Zwischenhoch bei über 10.400 Punkten): Die Angst vor einem Ausscheiden Großbritanniens aus der EU löste eine deutliche DAX-Schwäche aus (Index am 15. Juni 2016: etwa 9.600 Punkte).


3.5 Bundesanleihen: vermutlich auf absehbare Zeit niedrig verzinst

Bundesanleihen aller Laufzeitbereiche sind derzeit fast unverzinslich oder weisen sogar negative Renditen auf. Unter Schwankungen erreichten die Anleihe-Renditen immer neue Tiefststände.

Wer am 15. Juni 2016 drei- und fünfjährige Bundesanleihen kaufte, der zahlt der Bundesrepublik bis zur Anleihenfälligkeit Negativzinsen zwischen -0,59 und -0,47 Prozent pro Jahr. Sogar zehnjährige Bundesanleihen waren nur mit einer leichten Negativ-Rendite (-0,02 Prozent) erhältlich. Anleihen mit 30-jähriger Laufzeit warfen gerade einmal 0,57 Prozent ab.

Zu berücksichtigen ist außerdem, dass Anleger auch diese geringen Habenzinsen noch versteuern und außerdem Ankauf- und ggf. Verkaufsprovisionen entrichten müssen.




Die Ursachen der Niedrigzinsen für Bundesanleihen

Mitte Juni 2016 führten Fluchtbewegungen in die als „sicherer Hafen“ angesehenen Bundesanleihen zu deutlichen Rückgängen der Verzinsung (Stichwort „Brexit“-Referendum). Unabhängig von kurzfristigen Entwicklungen stoßen Bundesanleihen bei internationalen Anlegern aus verschiedenen Gründen auf hohes Interesse.

  • Begünstigt wird das niedrige Zinsniveau von der hoch eingestuften Bonität der Bundesrepublik Deutschland, die für eine international hohe Nachfrage nach Bundesanleihen sorgt. Alle bedeutenden Rating-Agenturen halten die finanzielle und ökonomische Situation Deutschland für auf hohem Niveau stabil und vergeben jeweils die höchste Bewertungsnote.
  • Der Bund profitiert derzeit von hohen Steuereinnahmen, so dass eine Nettokreditaufnahme zur Zeit nicht mehr erforderlich ist. Bei Staatseinnahmen von 1.350,0 Mrd. Euro und Ausgaben von 1.220,6 Mrd. Euro erzielte der deutsche Staat im Jahr 2015 einen Finanzüberschuss von 19,4 Mrd. Euro, den höchsten Überschuss seit der Wiedervereinigung. Die Defizitquote, die nach dem europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakt maximal drei Prozent betragen darf, lag 2015 bei 0,6 Prozent. Bei geringerem Finanzierungsbedarf ist es dem Bund möglich, den Investoren besonders niedrige Anleihezinsen anzubieten.
  • Geringe Zinsausgaben des Bundes, eine besonders hohe Bonitätseinstufung des Schuldners Bundesrepublik Deutschland sowie hohe Steuereinnahmen wirken gemeinsam in Richtung weiterhin niedriger Zinsen für Bundesanleihen.
  • Hinzu kommt, dass Staatsanleihen, die von für den Kapitalmarkt bedeutenden Staaten emittiert werden, leicht handelbar sind: In Zeiten, die von ökonomischen und geopolitischen Unwägbarkeiten gekennzeichnet sind, bieten marktbreite Staatsanleihen den Vorteil einer schnellen Veräußerbarkeit in Krisensituationen. Anleihe-Investoren können auf mögliche Krisen rasch reagieren und sich damit jederzeit Liquidität verschaffen.

Niedrige Zinssätze für Bundesanleihen korrespondieren mit niedrigen Bauzinsen.

Bundesanleihen: Die Wechselkurs-Entwicklung zwischen US-Dollar und Euro beeinflusst die Renditen

Sollten die Zinsen in den USA bei unverändertem Zinsniveau in Europa anziehen, dann sind Rendite-Steigerungen bzw. Kursverluste bei Bundesanleihen möglich, deren Notierungen sich ohnehin bereits auf einem extrem hohen Niveau befinden. Kursrückgänge langlaufender Bundesanleihen könnten sich auch in einem Anstieg der Bauzinsen bemerkbar machen.

  • Die Umlaufrendite von Anleihen deutscher Emittenten mit erstklassiger Bonität fiel am 17. April 2015 auf einen Tiefststand von 0,05 Prozent, erholte sich jedoch bis Juni 2015 bis auf 0,79 Prozent, um sich im dritten und vierten Quartal 2015 bei 0,5 Prozent zu stabilisieren. Nachdem weitere US-Zinserhöhungen für die nahe Zukunft unwahrscheinlicher geworden sind, ging die Umlaufrendite bis zum 25. Februar 2016 auf nur noch +0,05 Prozent zurück. Angst vor dem Ausgang des Brexit-Referendums ließ die Umlaufrendite am 14. Juni 2016 auf -0,12 Prozent fallen.
  • Das Gesamtvolumen aller Bundesanleihen liegt bei etwa 1.700 Milliarden Euro. Nach Angaben der Bundesfinanzagentur beträgt der Anteil 10-jähriger Bundesanleihen im Jahr 2015 etwa 25 Prozent des Gesamtbestandes. Bei einem Anstieg der Rendite um einen Prozentpunkt würden die Kurse von Anleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren um ungefähr zehn Prozent fallen. Steigt das allgemeine Zinsniveau deutlich, so müssen Anleihebesitzer mit erheblichen Kursverlusten rechnen.

3.6 Immobilienmarkt: Einfluss auf die Bauzinsen

Vor dem Hintergrund eines Niedrigzinsumfeldes fanden in den letzten Jahren erhebliche Preissteigerungen auf dem Immobilienmarkt statt - insbesondere für kleinere Wohnungen in Ballungsräumen.

Die Kaufpreise übersteigen in Großstädten und in Universitätsstädten häufig das Zwanzigfache der erzielbaren Jahresmiete, das gewöhnlich als Obergrenze für angemessene Immobilienpreise gilt.

Insgesamt zeigt sich der Immobilienmarkt aber zweigeteilt: Während in den Ballungszentren Kaufpreise und Mieten deutlich steigen, entwickeln sich die Immobilienpreise in anderen Regionen verhalten und teilweise sogar rückläufig.

  • Die Immobilienpreise sind seit 2010 in Deutschland deutlich angestiegen, wobei die Zuwächse nach Region und Quadratmeterzahl variieren.
  • In Berlin stiegen die Immobilienpreise zwischen 2011 und 2015 durchschnittlich um 96,0 Prozent (60 Quadratmeter Wohnfläche) bzw. 63,3 Prozent (100 Quadratmeter). In München lagen die entsprechenden Zuwachsraten bei 64,9 bzw. 39,8 Prozent, in Hamburg bei 46,1 und 17,9 Prozent.
  • Die Quadratmeterpreise für Eigentumswohnungen zogen zwischen 2010 und 2015 in München um 76,3 Prozent, in Stuttgart um 58,5 Prozent und in Düsseldorf um 55,7 Prozent an. Allein von 2015 auf 2016 stiegen die ETW-Quadratmeter-Preise in Köln, Bremen und Hannover um 26, 31 bzw. 35 Prozent an.
  • Im Jahr 2016 dürften die Immobilien- und Mietpreise vor allem aufgrund der von Flüchtlingen ausgehenden Wohnungsnachfrage erhöhen. Nach einer LBS-Umfrage unter Immobilienexperten werden die Immobilienpreise 2016 trotz reger Neubau-Tätigkeit durchschnittlich um drei bis vier Prozent steigen.
  • Dagegen entwickeln sich die Immobilienpreise in Regionen, für die langfristig eher eine Bevölkerungsabnahme prognostiziert wird, tendenziell schwächer.

3.6.1 Immobilienmarkt: Vorsicht vor Preisübertreibungen

Sollten sich die in den letzten Jahren stattgefundenen Preisanstiege für Immobilien letztlich doch als Preisübertreibungen herausstellen, dann wird die Nachfrage nach Immobilienkrediten stark zurückgehen. Dies würde zwar zunächst dämpfend auf die Bauzinsen wirken. Bei erheblichen Ausfällen laufender Baukredite aufgrund unrealistisch hoher Immobilienbewertungen und knapper Haushaltspläne dürften sich die Banken jedoch bei zukünftigen Kreditvergaben vorsichtiger verhalten und dies auch in Form erhöhter Zinsen für Neukredite und Anschlussfinanzierungen zum Ausdruck bringen.

3.6.2 Zusätzliche Immobiliennachfrage durch die nach Deutschland kommenden Flüchtlinge

Die Flüchtlingskrise wird den deutschen Immobilienmarkt erheblich beeinflussen. Viele der derzeit nach Deutschland kommenden Flüchtlinge werden ein Bleiberecht in der Bundesrepublik erhalten. Die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum wird steigen.

Bereits die vorübergehende Unterbringung einer großen Anzahl von Flüchtlingen stellt Deutschland vor große Herausforderungen - zumal Flüchtlinge wirtschaftliche starke Großstädte und prosperierende westdeutsche Regionen bevorzugen. Kurz- und mittelfristig ist mit einem Anstieg von Mieten und Immobilienpreisen zu rechnen.

Ob sich die zusätzliche Immobilien-Nachfrage nur auf bestimmte Marksegmente und Regionen oder auf den gesamten Immobilienmarkt auswirkt, bleibt abzuwarten. Einen Indikator könnte möglicherweise die Entwicklung der Mieten für Eigentumswohnungen darstellen: 2015 stiegen die ETW-Mieten in der Hälfte aller bundesdeutschen kreisfreien Städte und Landkreise durchschnittlich um sechs Prozent an, während die Mietpreise in einem Viertel aller Landkreise zurückgingen.


3.7 Gute Konjunktur bedeutet höhere Zinsen

Eine gute Konjunktur geht gewöhnlich mit einem höheren Zinsniveau einher. Eine höhere Nachfrage von Verbrauchern und Unternehmen nach Gütern und Dienstleistungen sorgt tendenziell für eine stärkere Kreditnachfrage und damit für höhere Darlehenszinsen.

Güternachfrage und Inflation

Außerdem ist bei einer hohen Güternachfrage üblicherweise eine stärkere Inflation zu erwarten. Ein Flüchtlingszustrom, der Millionen Menschen umfasst, dürfte sich auf einen Teil des Warenkorbs (z. B. auf Lebensmittelpreise) preiserhöhend auswirken. Steigende Inflationsraten gehen mit fallenden Anleihenkursen (und damit steigenden Zinsen am Geld- und Kapitalmarkt) einher.

Günstiger Konjunkturverlauf in Deutschland, aber...

Die Konjunktur nimmt in Deutschland einen deutlich günstigeren Verlauf als in vielen anderen Ländern der Eurozone. Daher wäre eine Zinserhöhung in Deutschland volkswirtschaftlich durchaus sinnvoll.

...die EZB orientiert ihre Zinspolitik an der gesamten Eurozone

Die Europäische Zentralbank orientiert ihre Zinspolitik an der wirtschaftlichen Entwicklung der gesamten Eurozone. Damit verschiebt sich eine mögliche EZB-Zinserhöhung auch für Deutschland in die Zukunft. Für die Eurozone wird allerdings derzeit eine konjunkturelle Verbesserung erwartet, was die Grundlage für einen mittelfristigen Zinsanstieg schaffen könnte.

IWF sieht größere Risiken für die Weltwirtschaft

Gegenüber seiner Prognose vom Januar 2016 senkte der IWF (Internationaler Währungsfonds) im April 2016 seine Erwartungen an die Entwicklung der Weltwirtschaft ein weiteres Mal: Die globale Wirtschaft werde 2016 um 3,2 Prozent und Europa um 1,5 Prozent wachsen und damit jeweils um 0,2 Prozentpunkte weniger stark als bisher angenommen. Ein „Brexit“ könnte nach Einschätzung des IWF durch Unterbrechung von Handelsbeziehungen und Finanzströmen „schwerwiegenden regionalen und globalen Schaden anrichten".

Weltbank kappt ebenfalls die Wachstumsprognosen

Anfang Juni 2016 reduzierte auch die Weltbank ihre Wachstumsprognosen. Nach Weltbank-Einschätzung wird die globale Wirtschaft um 2,9 Prozent und die Euro-Zone um 1,6 Prozent wachsen.

Als Gründe für die sich verschlechternden Konjunkturaussichten nennt die Weltbank die unter Druck stehenden Rohstoffmärkte und eine schwache Nachfrageentwicklung in den Industriestaaten.


3.8 Schwer einzuschätzen: die Auswirkungen (geo-) politischer Krisen

Bei der Erstellung einer Zinsprognose sind auch (geo-) politische Einflussfaktoren zu berücksichtigen. Zwar lassen sich Eintrittswahrscheinlichkeiten und Auswirkungen derartiger Risiken häufig nur schwer einschätzen. Realisiert sich jedoch auch nur eine einzige dieser Gefahren, dann sind schwerwiegende Verwerfungen an den Geld- und Kapitalmärkten einschließlich der Zinsmärkte möglich. Derzeit ist eine Häufung verschiedenster (geo-) politischer Risiken festzustellen.

3.8.1 Schwellenländer unter Druck

Schwellenländer dürften die weltwirtschaftliche Entwicklung eher dämpfen. Für Brasilien sagt der IWF für 2016 einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 3,5 Prozent voraus - nach einer Schrumpfung der Wirtschaftsleistung um 3 Prozent bzw. 3,5 bereits in den beiden Vorjahren. Auffällig ist ein starker Einbruch der brasilianischen Industrieproduktion, die 2015 um 8,3 Prozent zurückging. Die Ursachen des Wirtschaftseinbruchs liegen in politischen Turbulenzen, einem Verfall der brasilianischen Landeswährung Real, einem zurückgehendem Konsum und dem niedrigen Ölpreis.

Eine plötzlich auftretende, allgemeine Risikoaversion könnte auch hoch verschuldete Schwellenländer wie die Türkei oder südamerikanische Staaten rasch in Bedrängnis bringen und damit die Weltwirtschaft in Mitleidenschaft ziehen. Sollte eine Flucht aus dem Euro (z. B. in den US-Dollar) stattfinden, so ist mit drastisch fallenden Aktien- und Anleihekursen und damit mit steigenden Zinsen zu rechnen. Vorstellbar ist sogar ein Gegensteuern der EZB durch (eine zumindest vorübergehende) Abkehr von ihrer Niedrigzinspolitik, um den Euro für Investoren attraktiv zu halten und unkontrollierbare Fluchtbewegungen aus dem Euro-Raum zu vermeiden. Bisher allerdings hat die EZB einen vergleichsweise moderaten Euro-Verfall gegenüber dem US-Dollar hingenommen, um damit die europäische Exportwirtschaft zu stärken.

3.8.2 Normalisierung der Rohölpreise nach starkem Verfall

Sinkende Rohstoffpreise signalisieren eine schwächere Weltkonjunktur, was tendenziell ein niedriges Zinsniveau begünstigt. Bis Mitte 2014 wurden Rohöl-Notierungen (Ölsorte WTI) oberhalb von 100 US-Dollar je Barrel (ca. 159 Liter Rohöl) verzeichnet, die jedoch bis Ende 2014 auf ungefähr 45 US-Dollar zurückfielen. Nach Erreichen eines Zwischenhochs bei etwa 60 US-Dollar (Mai/Juni 2015) halbierten sich die Rohöl-Preise auf ungefähr 29 US-Dollar (Januar/Februar 2016). Anschließend allerdings erholten sich die Notierungen wieder bis auf ca. 50 US-Dollar (Mitte Juni 2016).

3.8.3 Wahlen in Mitgliedsländern der Europäischen Union

Nicht zuletzt aus den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in Polen gingen europaskeptische Kräfte deutlich gestärkt hervor. Sollten national ausgerichtete Parteien auch in den nächsten Wahlen ein deutlich größeres Gewicht erhalten, so könnte der Zusammenhalt der Europäischen Union gefährdet sein.

Britisches Referendum über die EU-Mitgliedschaft

  • Das Referendum über den Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union findet am am 23. Juni 2016 statt. Wie das Referendum ausgehen wird, ist wenige Tage vor der Abstimmung und angesichts schwankender Umfragewerte noch völlig offen.
  • Sollten sich die britischen Wähler mehrheitlich für ein Verlassen der EU aussprechen, so wird es wahrscheinlich zu erheblichen, aber in ihren Einzelheiten noch nicht absehbaren Turbulenzen an den Kapitalmärkten kommen. Mit einem starken Rückgang des britischen Pfundes gegenüber dem Euro wird gerechnet, der seinerseits gegenüber dem US-Dollar an Wert verlieren dürfte.

Präsidentschaftswahlen in Frankreich

Von größter Bedeutung für die Eurozone und für die EU ist auch das Ergebnis der französischen Präsidentschaftswahlen, die im Frühjahr 2017 abgehalten werden sollen. In den im Dezember 2015 stattgefundenen Regionalwahlen erreichte die rechtsgerichtete Front National in beiden Wahlgängen zwischen 27 und 28 Prozent der Stimmen. Auf die „Vereinigte Rechte“ entfielen zunächst 26,6 Prozent bzw. im zweiten Wahlgang 40,2 Prozent. Die Linksparteien konnten 32,1 bzw. 23,1 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen.

3.8.4 Geopolitische Krisenherde

Die Ukraine-Krise kann jederzeit mit unvorhersehbaren Folgen (auch für die Finanzmärkte) eskalieren. Russland und die NATO befinden sich bereits in einer Aufrüstungsspirale. Nachdem sich die militärische Lage in der Ostukraine im Nachgang zum Minsk-II-Abkommen vom Februar 2015 vorübergehend beruhigt hatte, flammen die Kämpfe seit mehreren Wochen immer wieder auf.

Die kriegerischen Auseinandersetzungen in Syrien lösten massive Flüchtlingsströme nach Europa aus, die den inneren Zusammenhalt der Europäischen Union gefährdet haben. Sollten die EU-Außengrenzen der Europäischen Union nicht effektiv gesichert werden können, so sind der freie Handel zwischen den Mitgliedsstaaten und die Freizügigkeit innerhalb der Union bedroht. Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung würden allein der deutschen Wirtschaft bei Wiedereinführung nationaler Grenzkontrollen bis zum Jahr 2025 Wachstumsverluste zwischen 77 und 235 Mrd. Euro entstehen. Die bis 2025 möglichen Einbußen für die gesamte Europäische Union werden auf 470 Milliarden Euro bis 1,4 Billionen Euro geschätzt.


3.9 Unsere Zusammenfassung

Was zu steigenden Bauzinsen führen könnte:

  • Anziehende Konjunktur in Europa
  • Steigende Zinsen für US-Dollar-Anlagen (drohende Folge: Kapital-Umschichtungen aus dem Euro in den US-Dollar)
  • politische Unsicherheiten innerhalb der EU (z. B. keine rasche Lösung der Flüchtlingskrise)
  • Wahlen und Referenden in verschiedenen EU-Staaten
  • Mögliche Eskalation der Ukraine-Krise

Für niedrige oder weiter fallende Zinsen spricht:

  • mögliche Abschwächung der Konjunktur in der Euro-Zone
  • steigende Risiken für die Weltkonjunktur
  • möglicher Abwertungswettlauf bedeutender Währungsräume
  • strikte Niedrigzins-Politik der Notenbanken
  • Ende oder zumindest Verlangsamung der Zinswende in den USA

Sowohl sinkende als auch steigende Zins-Szenarios vorstellbar:

  • Bei Überhitzung des Immobilienmarktes
  • bei einem Ausscheiden Großbritaniens oder Griechenlands aus der Eurozone (Grundsätzlich wären eher steigende Zinsen zu erwarten; allerdings dürften massive Gegenmaßnahmen der Zentralbanken zu sinkenden Zinsen führen)

4. Fazit: Aktuelle Bauzinsen Prognose 2016

Fazit: Bauzinsen Prognose

Angesichts der entschiedenen Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank ist ein erheblicher Zinsanstieg bis zum Ausscheiden des derzeitigen Präsidenten der Europäischen Zentralbank (Ende der Amtsperiode Oktober 2019) nicht zu erwarten. Zwar hat die US-Notenbank nach langem Zuwarten die „Zinswende“ vollzogen, doch ist noch offen, wann der nächste Zinserhöhungsschritt erfolgt.

  • Vor dem Hintergrund derzeit besonders zahlreicher, teilweise gegensätzlicher Einflussfaktoren ist auf kurze und mittlere Sicht mit eher überschaubaren Schwankungen des Zinsniveaus zu rechnen. Gravierende Ereignisse könnten aber auch heftige Zinsbewegungen auslösen.
  • Solange die Geldentwertung in der Eurozone deutlich unterhalb der EZB-Zielgröße von 2 Prozent liegt und die Konjunkturentwicklung in mehreren Mitgliedsstaaten der Eurozone nicht nachhaltig stabil erscheint, wird die Europäische Zentralbank weiterhin auf ein niedriges Zinsniveau hinwirken.

Wer nicht auf ein noch niedrigeres Zinsniveau spekulieren möchte, der sollte nicht unbedingt länger warten und sich bei Fremdfinanzierungsbedarf die historisch günstigen langfristigen Kreditzinsen jetzt sichern.

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4.1 Empfehlungen für zukünftige Bauherren und Immobilienkäufer

Wegen der entschiedenen Niedrigzinspolitik der EZB ist mit einem raschen Anstieg der Bauzinsen kaum zu rechnen. Allerdings verbleiben wegen diverser ökonomischer und politischer Risiken einige Unsicherheiten, die sich seit der im Dezember 2015 eingeleiteten Zinswende in den USA verstärken könnten.

Bauherren und Immobilienkäufer können eine niedrig verzinste Fremdfinanzierung zu derzeit sehr günstigen Konditionen abschließen. Anzustreben sind lange Zinsbindungen – vorzugsweise bis zum Ende der Kreditlaufzeit.

Zugleich sollte eine hohe Tilgungsrate (von mindestens 2 bis 3 Prozent) gewählt werden, um die Entschuldung zu beschleunigen.


4.2 Anschlussfinanzierung und Forward-Kredit

Auch bei einer Anschlussfinanzierung sind lange Zinsbindungen zu bevorzugen. Durch niedrigere Kreditzinsen eingesparte Aufwendungen können zur Erhöhung der Tilgung verwendet werden.

Wer bereits über eine Baufinanzierung verfügt, deren Zinsbindung in den nachsten Jahren ausläuft, der kann sich bereits heute die niedrigen Zinsen durch ein bis zu 60-monatiges Forward-Darlehen sichern. Kreditnehmer sollten jedoch mit dem Abschluss eines Forward-Darlehens nach Möglichkeit noch etwas warten, um Zinskosten zu sparen: Der für einen Forward-Kredit zu zahlende Zinszuschlag steigt mit zunehmender Forward-Dauer.


Quellen:


Autor: Hartmut Zimmer

Hartmut Zimmer, Jurist und langjähriger Vertriebsdirektor einer deutschen Großbank, war u. a. zuständig für den Vertrieb von Baufinanzierungen und gewerblichen Krediten. Besonders intensiv befasste er sich mit den Risiken fehlerhaft konstruierter Baufinanzierungen anlässlich der Sanierung eines umfangreichen Kreditportfolios.
Hartmut Zimmer ist Autor zahlreicher Fachartikel zu Finanzprodukten und Wirtschaftsrecht.

Die aktuellen Bauzinsen im schnellen Überblick

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Zinsbindung 5 Jahre 10 Jahre 15 Jahre 20 Jahre 25 Jahre 30 Jahre
Effektivzins Sollzins 0,65% 0,65% 0,71% 0,68% 1,19% 1,16% 1,45% 1,42% 1,58% 1,55% 1,73% 1,70%
Effektivzins Sollzins 0,65% 0,65% 0,72% 0,69% 1,19% 1,16% 1,46% 1,43% 1,58% 1,55% 1,73% 1,70%

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