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Bauzinsen Prognose 2019/2020 (Stand: April 2019)

Bauzinsen Prognose 2019
Niedrigzinsen zwischen Notenbanken, Politik und Konjunktur.

Wir informieren Sie in diesem Artikel über folgende Themen:

  1. 1. Die Verlässlichkeit von Zinsprognosen
  2. 2. Die aktuelle Zinssituation
  3. 3. Was die Bauzinsen beeinflusst
  4. 4. Fazit: Aktuelle Bauzinsen Prognose 2019/2020
    • 4.1 Empfehlungen für zukünftige Bauherren und Immobilienkäufer
    • 4.2 Empfehlungen für Anschlussfinanzierung und Forward-Kredit

Warum Sie Prognosen über die künftige Entwicklung der Baufinanzierungs-Zinsen verfolgen sollten

Das allgemeine Zinsniveau verändert sich täglich. Kreditinstitute gewähren Baudarlehen zu den jeweils marktüblichen Zinssätzen. Der Zeitpunkt, den Sie für den Abschluss einer Baufinanzierung auswählen, entscheidet daher maßgeblich über die Zinskosten Ihres Immobilienkredites.

Die Prognose der Bauzinsentwicklung ist für künftige Bauherren ebenso von Bedeutung wie für Käufer eigen- oder fremdgenutzter Bestandsimmobilien.

Auch Immobilieneigentümer, deren Baufinanzierung sich noch innerhalb einer Zinsbindung befindet, können sich die derzeit niedrigen Zinsen durch eine Forward-Vereinbarung für die Zukunft sichern.

Mietern, die vielleicht schon seit vielen Jahren ihren ständig steigenden Mietverpflichtungen entkommen wollen, wird die Erfüllung eines lange gehegten Immobilienwunsches durch die derzeit niedrigen Kreditzinsen erleichtert.

Beispielrechnung:

Wer 500 Euro monatlich als Kreditrate (Tilgung plus Zinsen) für ein Darlehen über 100.000 Euro aufwenden möchte, der muss bei einem Effektivzinssatz von 3 % p. a. während einer Kreditlaufzeit von 23 Jahren und einem Monat Zinsen von insgesamt 38.802,04 Euro entrichten.

Bei Effektivzinsen von 2 % (und einer unveränderten monatlichen Kreditrate von 500 Euro) ist die Baufinanzierung aufgrund der höheren Tilgungsleistung bereits nach 20 Jahren und 3 Monaten vollständig zurückgeführt. Insgesamt entstehen deutlich geringere Zinsbelastungen in Höhe von 21.740,57 Euro.


1. Über die Verlässlichkeit von Zinsprognosen

Zinsprognosen von Experten und Wirtschaftsweisen

Angesichts immer neuer Zins-Tiefststände wurde in den vergangenen Jahren oft eine Zinswende vorhergesagt. Nachdem sich derzeit eine Abkühlung der Weltkonjunktur andeutet, rückt eine Zinserhöhung in Europa in weite Ferne. Die US-Notenbank hat ihre vorsichtige Zinserhöhungspolitik vorzeitig gestoppt.

Die extrem expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank sorgt derzeit immer noch für ein nicht marktgerechtes, künstlich niedrig gehaltenes Zinsniveau. Dabei ist die EZB vor allem auf die Förderung des Wachstums aller EU-Volkswirtschaften und wohl auch auf die Reduzierung der Zinsbelastung insbesondere südeuropäischer Schuldenstaaten fokussiert.Dagegen spielen traditionell im Vordergrund stehende geldwirtschaftliche Fakten bei den Zinsentscheidungen der europäischen Notenbank eher eine untergeordnete Rolle.

Zudem können unvorhergesehene Ereignisse zuvor schlüssig erscheinende Prognosen jederzeit zunichtemachen. So neigen nicht nur Verbraucher und Unternehmen, sondern auch sogenannte "Experten" oder gar "Wirtschaftsweise" dazu, Entwicklungen der Vergangenheit für die Zukunft fortzuschreiben oder Einflussfaktoren unzutreffend zu gewichten.

Tipp: Prognosen stets kritisch zur Kenntnis nehmen

Bauherren und Immobilienkäufer sollten daher jede Zinsprognose mit großer Vorsicht zur Kenntnis nehmen, die Zinsentwicklung genau beobachten und sich eine eigene Meinung bilden.

Welche heute bereits erkennbaren Faktoren könnten die Höhe der Bauzinsen in den kommenden Monaten beeinflussen?


2. Die aktuelle Zins- und Inflations-Situation

Niedrigzinssituation in Deutschland

Die aktuelle Niedrigzins-Situation wird von der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank geprägt. Zudem verfügen diverse Unsicherheitsfaktoren über das Potenzial, auch die Renditen deutscher Staatsanleihen zu beeinflussen:

  • der von US-Präsident Trump ausgelöste Handelsstreit mit China und mit Europa
  • das von den USA gekündigte Atomabkommen mit dem Iran
  • der bevorstehende Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union
  • die aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrisen in der Türkei und in Italien, der drittgrößten Volkswirtschaft der Europäischen Union
  • die instabile Situation im Nahen Osten und in der Ostukraine
  • Generell erschwert die Unberechenbarkeit der US-Administration unter Donald Trump alle Voraussagen zur Konjunktur- und Zinsentwicklung.

Ziel der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank ist eine Inflationsrate von „unter, aber nahe 2 Prozent“

  • Mit ihrer Niedrigzinspolitik will die EZB die Konjunktur innerhalb der Eurozone stärken. Insbesondere soll die Nachfrage von Konsumenten und Unternehmen nach Produkten und Dienstleistungen verstärkt und das Abrutschen der europäischen Volkswirtschaften in eine Deflation vermieden werden. Eine Deflation, also die Erwartung sinkender Preise könnte zu dauerhafter Zurückhaltung bei Konsum und Investitionen führen.
  • Niedrige EZB-Kreditzinsen und Negativzinsen auf Einlagen sollen die Kreditwirtschaft zu einer verstärkten Darlehensvergabe veranlassen. Die Politik des „billigen Geldes“ soll die Nachfrage von Konsumenten und Unternehmen nach Produkten und Dienstleistungen verstärken, die Konjunktur damit ankurbeln und so auch ein Abgleiten in eine gefährliche Deflation vermeiden.

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen erreichte ihren bisherigen Tiefpunkt im Juli 2016 bei -0,184 Prozent. Anschließend stiegen die 10-Jahres-Renditen bis auf +0,75 % (Februar 2018), fielen dann aber schnell wieder zurück. Ein letztes Zwischen-“Hoch“ markierten die Anleihenzinsen Anfang Oktober 2018 bei etwa +0,55 Prozent. Im Zuge aufkommender Befürchtungen, die konjunkturelle Entwicklung könne in eine Rezession abgleiten, kam es seither erneut zu einem stetigen Zinsrückgang.

Bundesanleihen wurden von Investoren als „sicherer Hafen“ schließlich sogar zu Negativzinsen nachgefragt. Am 22. März 2019 fielen die Markt-Renditen zehnjähriger Bundesanleihen (erstmals wieder seit Oktober 2016) unter die Null-Prozent-Marke. Derzeit rentieren zehnjährige Bundesanleihen bei -0,03 % (11. April 2019).

Anleger erhalten also seit langem kaum noch Zinsen. Vielmehr verpflichten sich Investoren teilweise sogar zu Zinszahlungen an den deutschen Staat, wenn sie dessen Schuldtitel erwerben. Das in festverzinsliche Anleihen investierte Anlagekapital unterliegt einer Geldentwertung. Ohnehin sind die anfallenden Nominalzinsen zu versteuern.

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ist besonders aussagekräftig: Von den Bundesschulden in Höhe von 1.068,5 Millionen Euro entfallen 701,4 Millionen Euro (65,6 Prozent) auf Bundesanleihen. Der Gesamtbestand der Bundesanleihen besteht aus zehnjährigen Titeln (480,7 Millionen Euro; Anteil von 68,5 Prozent ) und 30-jährigen Laufzeiten (220,7 Millionen Euro; 31,5 Prozent).

Weitere Informationen und Zins-Charts zur aktuellen Zinsentwicklung, insbesondere auch zur Geldpolitik der Europäischen Zentralbank stehen Ihnen in unserem Artikel "Bauzinsen Entwicklung" zur Verfügung.

Entwicklung der aktuellen Bauzinsen

2.1 Entwicklung der Verbraucherpreise

  • Die Verbraucherpreise in der Eurozone stiegen im Jahr 2017 um 1,3 Prozent (2016: 0,2 Prozent). In Deutschland lag die Jahresinflationsrate 2017 bei 1,5 Prozent (2016: 0,5 Prozent).
  • Für 2018 betrug die Geldentwertungsrate im Euroraum 1,7 Prozent, in Deutschland 1,8 Prozent.
  • Bis März 2019 ging die Inflationsrate auf 1,4 Prozent (Eurozone) bzw. 1,3 Prozent (Deutschland) zurück.

Für 2019 werden folgende Inflationsraten prognostiziert:

  • Deutschland: 1,9 Prozent
  • Eurozone: 1,5 Prozent
  • USA: 2,2 Prozent



3. Was die Bauzinsen Prognose beeinflusst

Aufzählung aller Einflussfaktoren

3.1 Die Geld- und Zinspolitik der Europäischen Zentralbank

Ohne die geldpolitischen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank läge das allgemeine Zinsniveau wohl deutlich höher.

3.1.1 Das Inflationsziel der EZB

Um die Gefahr einer die wirtschaftliche Entwicklung nachhaltig gefährdenden Deflation zu verringern, strebt die Europäische Zentralbank eine Inflation von unter, aber nahe von 2 Prozent an. Nach Einschätzung der EZB hatte sich die volkswirtschaftliche Lage in der Eurozone seit Beginn der Niedrigzinspolitik der Zentralbank verbessert. Eine erste Zinserhöhung rückte damit in greifbare Nähe.

Im März 2019 betonte die EZB jedoch die aus ihrer Sicht derzeit für die Konjunktur bestehenden Risiken. Zugleich entfernte sich die Inflationsrate vom zuvor bereits erreichten 2-Prozent-Ziel der Notenbank.

Fazit:
Die EZB könnte die mehrjährige Chance auf Einleitung eines marktgerechteren Zinsniveau bereits verspielt haben. Für den Fall einer möglicherweise drohenden Konjunkturschwäche stehen der Notenbank (wegen des ja bereits extremen Niedrigzinsniveaus) kaum noch zinspolitische Steuerungsmöglichkeiten zur Verfügung.

3.1.2 Extreme Niedrigzinspolitik

Die EZB veränderte ihre Leitzinsen zuletzt am 10. März 2016 (mit Wirkung vom 16. März 2016). Die "Hauptrefinanzierungsfazilität", zu der die Geschäftsbanken kurzfristige Kredite von der EZB erhalten, liegt seitdem bei genau 0 Prozent p. a.. Für unbesicherte Ein-Tages-Kredite zahlen die Kreditinstitute lediglich 0,25 % Zinsen ("Spitzenrefinanzierungsfazilität"). Unterhalten Banken Guthaben bei der Notenbank ("Einlagefazilität"), so berechnet ihnen die EZB sogar Minuszinsen in Höhe von 0,4 Prozent.

3.1.3 Ankauf von Anleihen: „Quantitative Easing“

Zwischen März 2015 und Ende 2018 kaufte die EZB Anleihen an, um die Volkswirtschaften der Eurozone mit zusätzlicher Liquidität zu versorgen und die Zinsen am Kapitalmarkt zu senken (Asset Purchase Programme (APP), "Quantitative Easing").

  • Erworben wurden zunächst Staatsanleihen, gesicherte Schuldverschreibungen und forderungsgedeckte ABS-Papiere in Höhe von monatlich 60 Milliarden Euro. Ab April 2016 weitete die EZB das Ankaufvolumen auf 80 Milliarden Euro aus.
  • Schrittweise erfolgten dann jedoch Reduzierungen der monatlichen Anleihenankäufe (ab April 2017: 60 Milliarden Euro, Januar 2018: 30 Milliarden Euro, Oktober 2018: 15 Milliarden Euro)
  • Zum Jahresende 2018 lief das Quantitative-Easing-Programm schließlich aus.

3.1.4 Was für ein Ende der EZB-Niedrigzinspolitik sprechen könnte

Hätten sich die Kritiker der Geldpolitik von EZB-Präsident Mario Draghi durchgesetzt, so wäre die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank schon vor geraumer Zeit beendet worden. Die Zinsen für Immoblienkredite wären in der Vergangenheit deutlich angestiegen.

Etliche Beobachter gehen von schweren „Risiken und Nebenwirkungen“ der EZB-Niedrigzinspolitik aus, die sie ohnehin bereits für gescheitert halten. Spätestens in der Sitzung des EZB-Rats vom 6. Dezember 2016 hatte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann seinen Widerspruch im EZB-Rat gegen das Ankauf-Wertprogramm zu Protokoll gegeben.

1. Kritikpunkt: Ausbleibender Erfolg der EZB-Niedrigzinspolitik

Die EZB habe, so wird kritisiert, mit ihrer Geldpolitik kaum zu dem von ihr gewünschten Anstieg der Geldentwertungsrate auf etwa zwei Prozent beitragen können. Trotz der Billionen-Summen, die die EZB in den Geld- und Kapitalmarkt pumpte, sei die Inflation zwischen 2015 (Deutschland +0,3 Prozent) und 2018 (+1,8 Prozent) hauptsächlich wegen der Erholung der Energiepreise angestiegen.

So sei es auch nachvollziehbar, dass die Geldentwertung nach dem weitgehenden Auslaufen des Energiepreis-bedingten Inflationsanstiegs von ihrem Spitzenpunkt im Oktober 2018 (Deutschland +2,3 Prozent) zuletzt wieder auf 1,3 Prozent (März 2019) zurückging.

2. Kritikpunkt: Gefahr einer Fehlsteuerung des Bankensektors

Geradezu als womöglich unverantwortlicher Fehlanreiz erscheint die an die Kreditinstitute gerichtete Aufforderung der EZB zur Ausweitung der Darlehensvergaben. Die Gefahr einer zumindest teilweise nicht fach- und risikogerechten Kreditherauslegung liegt allzu nahe. Selbst wenn dies nur einzelne Kreditinstitute betreffen sollte, so wären doch (wegen der weltweiten Vernetzung der Finanzinstitute) erhebliche Auswirkungen auf das gesamte Bankensystem zu erwarten.

Die EZB stünde in einer solchen „zweiten Banken- und Finanzkrise“ sicherlich in der ersten Reihe der Kritiker verantwortungslosen Bankenhandelns – ungeachtet ihres derzeitigen Drängens auf zusätzliche Kreditvergaben und ungeachtet der Schwächung der Kreditwirtschaft durch Negativzinsen, die den Banken durch die EZB für Guthaben berechnet werden. Mit einer solchen Kritik seitens der EZB wäre aber wohl frühestens nach dem Amtsantritt der neuen EZB-Führung im November 2019 ereignen.

3. Kritikpunkt: Blasenbildungen an den Aktien- und Immobilienmärkten

Die niedrigen Zinsen auf Guthabenkonten und für Investments in Anleihen führten zu einem langandauernden Anlagenotstand. Auf der Suche nach ertragreichen Anlageformen flossen die von der EZB freigesetzten, gewaltigen Kapitalmengen unter anderem in die Aktien-, Renten- und Immobilienmärkte. Sollten dort durch Fehlallokation von Kapital möglicherweise entstandene „Preisblasen platzen“, dann besteht die Gefahr, dass Volkswirtschaften nicht nur innerhalb der Europäischen Union erheblichen Schaden nehmen. Der renommierte US-amerikanische Fondsmanager Bill H. Gross sprach angesichts umfangreicher Geldflüsse in riskante Kapitalanlagen von einer „Supernova, die eines Tages explodieren wird“.

4. Kritikpunkt: Enteignung von Sparern, Staaten des Euroraums profitieren

Kritiker der EZB-Geldpolitik bemängeln vor allem auch, dass Sparer durch künstlich niedrige Zinsen enteignet und Altersvorsorge-Planungen gefährdet würden. Die genossenschaftliche DZ Bank AG in Frankfurt berechnete, dass die EZB-Niedrigzinspolitik allein die deutschen Sparer, Anleihenbesitzer und Versicherungsnehmer zwischen 2010 und 2018 im Vergleich zum normalen Zinsniveau 533,5 Milliarden Euro gekostet habe. Die Realverzinsung der Ersparnisse eines durchschnittlichen Haushalts fiel angesichts nahe Null befindlicher Haben-Zinssätze und steigender Inflation in den negativen Bereich. Die Einsparungen durch zinsgünstigere Darlehen (zum Beispiel Baufinanzierungen) beliefen sich hingegen „nur“ auf 238 Milliarden Euro.

Die Staaten des Euroraums profitieren hingegen erheblich von niedrigen Zinsen: Nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank ersparten sie sich zwischen 2008 und 2018 Zinszahlungen von insgesamt 1,42 Billionen Euro. Diese Summe entspricht 12,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes des Euroraums (2018: 11,57 Billionen Euro).

  • In Deutschland fiel die durchschnittliche Verzinsung der Staatsschulden zwischen 2007 und 2018 von 4,2 auf 1,5 Prozent. Dies bedeutete eine Zinseinsparung für Bund, Länder und Kommunen von 368 Milliarden Euro (2008 bis 2018), davon allein 55 Milliarden Euro in 2018.
  • Gemessen am Bruttoinlandsprodukt entfallen jedoch die größten relativen Einsparungen durch Niedrigzinsen auf Italien und Frankreich. Der italienische Staat sparte 262 Milliarden Euro Zinsen, Frankreich sogar 350 Milliarden.

Dies bedeutet für beide große EU-Staaten eine Kostenreduzierung in Höhe von 15 Prozent des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts.

5. Kritikpunkt: Verschleppung notwendiger Strukturreformen

Das Ausgabeverhalten insbesondere Spaniens und Italiens zeigt nach Ansicht von Kritikern der EZB-Geldpolitik, dass sich Krisenstaaten aufgrund niedrigerer Zinslasten in Sicherheit wiegen. In reformunwilligen EU-Mitgliedsstaaten entwickele sich eine bedenkliche Gewöhnung an eine fortwährende Unterstützung durch Niedrigzinsen.

Die künstlich herbeigeführte, nicht marktkonforme Reduzierung der Zinslasten von Staaten, Unternehmern und Verbrauchern führe zu einer Verringerung hilfreichen Reformdrucks. Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit würden nicht mit der erforderlichen Ernsthaftigkeit verfolgt.

Wenn Staaten mit besonders hohem Schuldenstand Niedrigzinsphasen nicht zum Schuldenabbau, sondern zur Ausweitung ihrer Ausgaben nutzen, dann sei die Finanzmarktstabilität langfristig in großer Gefahr: Völlig unklar bleibe, wie denn die Schuldnerstaaten ihren Kreditverpflichtungen bei wieder höherem Zinsniveau nachkommen wollen.

Wie ein bedrohliches Menetekel wirkt die Wachstumsprognose der italienischen Rechts-Links-Regierung von Anfang April 2019: Italien rechnet für 2019 nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von +0,2 Prozent (vorhergehende Prognose vom Dezember 2018: +1,0 Prozent).

3.1.5 Unabhängigkeit der EZB: Wie lange hält die Notenbank an ihrer Zinspolitik fest?

In nächster Zeit dürfte es für Sparer kaum besser werden. Zwar hatte die Europäische Zentralbank eine allmähliche Abkehr von ihrer Niedrigzinspolitik angekündigt. EZB-Präsident Draghi machte aber im Juni 2018 deutlich, dass ein erster Zinserhöhungsschritt keinesfalls vor Sommer 2019, vielleicht im Herbst 2019 zu erwarten sei – also wohl erst nach dem Ende seiner Amtszeit im Oktober 2019. Selbst dann wird es nach Einschätzung Draghis noch Jahre dauern, bis ein gewohntes Zinsniveau erreicht werde.

Im Übrigen habe für die EZB, so Mario Draghi, das Auslaufen der Strafzinsen für Banken Priorität. Banken müssen seit März 2016 0,4 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie Geld bei der EZB hinterlegen.

Der EZB-Präsident verdeutlichte seinerzeit auch, dass die Notenbank nicht zögern werde, den Weg in Richtung Zinswende wieder zu stoppen, wenn dies aufgrund äußerer Umstände geboten sei. Hintergrund dieser vorsichtigen Positionierung der Europäischen Zentralbank ist die aktuelle Eintrübung der Weltkonjunktur. Das Wirtschaftswachstum in Europa hatte sich bis Ende 2017 verstärkt, verlangsamt sich jedoch seither.

Anfang März 2019 nahm die EZB die sich weiter verstärkenden Zweifel an der weltweiten Konjunktur dann tatsächlich zum Anlass, die von ihr zuvor ankündigte Zinswende für einen nicht absehbaren Zeitraum aufzuschieben.

  • Die EZB reduzierte Ihre Wachstumserwartungen 2019 für den Euroraum auf nur noch +1,1 Prozent (zuvor +1,7 Prozent). Die Inflationsrate werde 2019 nur noch bei +1,2 Prozent liegen (Prognose zuvor: +1,6 Prozent). Mario Draghi sprach von einem Zeitraum „anhaltender Schwäche und allgegenwärtiger Unsicherheit.“
  • Gleichwohl sieht der EZB-Präsident die europäische Wirtschaft weiterhin auf dem Wachstumskurs. Die Gefahr einer Rezession, so Draghi, sei gering.

Dennoch gab die EZB ihren Kurs in Richtung Zinswende auf.

Um die Dauerhaftigkeit der derzeitigen EZB-Geldpolitik besser einschätzen zu können, hilft möglicherweise ein Blick auf die Profiteure der EZB-Niedrigzinspolitik:

  • Offiziell verfolgt die Europäische Zentralbank mit ihrer Niedrigzinspolitik das Ziel, dass die Finanzwirtschaft ihre Kreditvergaben ausweitet, damit die Konjunktur durch zusätzliche Konsumausgaben und Investitionen gestärkt wird.
  • Die der Eurozone angehörenden Staaten sparten dank EZB-Niedrigzinspolitik im Zeitraum zwischen 2007 und 2018 mehr als 1.416 Milliarden Euro an Zinszahlungen.
  • Die größten Nutznießer niedriger Zinsen sind allerdings die hochverschuldeten Staaten in Südeuropa. Bis 2022 könnten sich die Einspar-Effekte laut einer Studie der DZ Bank allein für Italien auf über 600 Milliarden Euro summieren.
  • Wirtschaftsverbände wie der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) sehen daher in der Niedrigzinspolitik der EZB in Wahrheit ein gigantisches Umverteilungs-Programm von den nördlichen zu den südlichen EU-Staaten.

3.1.6 Fazit: Gedämpfte Konjunktur- und Zinsprognose

Ursachen der gedämpften Konjunkturerwartungen sind nach Draghis Einschätzung Faktoren außerhalb des Euroraums. Derzeit wichtige Einflussgrößen für die Zinsentwicklung sind

  • die von den USA ausgelösten weltweiten Handelskonflikte, für den der EZB-Präsident ausdrücklich Donald Trump verantwortlich macht
  • Unsicherheiten über den Vollzug des Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union
  • der die Wirtschaft belastende aktuelle Wiederanstieg der Rohölpreise sowie
  • die Folgen der Kündigung des Atomabkommens mit dem Iran durch die USA


3.2 Die Geldpolitik des Federal Reserve Systems (USA)

Wie lange die EZB noch an ihrer stark kritisierten Niedrigzinspolitik beibehält, bleibt also abzuwarten. Das Federal Reserve System (die US-Notenbank) hatte bereits vor geraumer Zeit die Zinswende eingeleitet.

Die US-Zentralbank beschloss am 16. Dezember 2015, ihren Leitzins Federal Funds Rate erstmals wieder um 0,25 Prozentpunkte auf eine Bandbreite zwischen 0,25 Prozent und 0,5 Prozent anzuheben – nachdem der Leitzins seit Dezember 2008 auf historischem Niedrigniveau bei nahe Null Prozent gelegen hatte.

Seither erhöhte die US-Notenbank die Bandbreite ihres Leitzinses mehrfach um jeweils 0,25 Prozentpunkte.

  • 14. Dezember 2016: auf 0,50 bis 0,75 Prozent
  • 15. März 2017: 0,75 bis 1,00 Prozent
  • 14. Juni 2017: 1,00 bis 1,25 Prozent
  • 13. Dezember 2017: 1,25 bis 1,50 Prozent
  • 21. März 2018: 1,50 bis 1,75 Prozent
  • 13. Juni 2018: 1,75 bis 2,00 Prozent
  • 26. September 2018: 2,00 bis 2,25 Prozent
  • 19. Dezember 2018: 2,25 bis 2,50 Prozent

Ende des Jahres 2019 sollte die Federal Funds Rate bei 3,00 Prozent liegen. Am 20. März 2019 beschloss die Federal Reserve jedoch, ihre vor drei Jahren begonnene Straffung der Geldpolitik vorerst einzustellen.

Einen weiteren Zinserhöhungsschritt wird es im Jahr 2019 wohl nicht mehr geben. Noch im September 2018 ging die US-Notenbank von zwei Zinserhöhungen in 2019 aus, im Dezember 2018 immerhin noch von zwei Zinsschritten.

  • Die US-Konjunktur hat sich nach Feststellung der Fed abgekühlt, das Wirtschaftswachstum bereits abgeschwächt.
  • Zwar erreichte der Anstieg der US-Verbraucherpreise im März 2019 mit +1,9 Prozent den höchsten Wert seit 14 Monaten (Februar 2019: +1,5 Prozent). Dies wird jedoch vorwiegend auf den Anstieg der Energiepreise, nicht jedoch auf eine positivere Konjunkturentwicklung zurückgeführt. Die Kernrate der Inflation (ohne Energiepreise) lag mit 2,0 Prozent auf einem 13-Monatstief.

3.3 Einflüsse des Zinsniveaus auf den Aktienmarkt

Höhere Zinsen wirken sich eher dämpfend auf die Kursentwicklung am Aktienmarkt aus: Sie gehen mit einer Renditesteigerung für festverzinsliche Wertpapiere einher und bedeuten steigende Fremdkapitalkosten für Unternehmen und belasten Unternehmen.

Ein niedriges Zinsniveau erhöht hingegen die Attraktivität von Aktieninvestments als möglicherweise renditestarker Anlagealternative.

Einige "Experten" warnten, dass die Aufwärtsentwicklung des Deutschen Aktien-Index nicht auf einem realen Fundament basiere, sondern nur eine Form einer inflationären Preisentwicklung spiegele. Sogar von der "Mutter aller Blasen" war die Rede.

Nach mehrjährigem Kursanstieg erreichte der DAX am 23. Januar 2018 mit 13.597 Punkten sein bisheriges Allzeit-Hoch. Anschließend verlor der deutsche Leitindex jedoch deutlich und ging bis zum Jahresende 2018 auf 10.559 Zähler zurück. Damit büßte der DAX im Jahresverlauf 2018 immerhin 2.420 Indexpunkte ein (18,6 Prozent).

3.3.1 Ausblick auf die DAX-Entwicklung

Realisiert sich nur eines der derzeit zahlreichen politischen und ökonomischen Risiken, so könnte sich schnell ein scharfer Kursrückgang einstellen. Die Folgen eines harten Brexits oder eines langandauernden Handelskrieges mit den USA scheinen noch keinesfalls „eingepreist“. Ein erheblicher Kurseinbruch an den Aktienmärkten kann zu höheren Kosten für Kapital führen, dürfte sich also in steigenden Zinsen niederschlagen.


3.4 Bundesanleihen: vermutlich auf absehbare Zeit niedrig verzinst

Bundesanleihen aller Laufzeitbereiche weisen derzeit eine geringe oder sogar negative Rendite auf. Wer am 15. April 2019 drei- bis fünfjährige Bundesanleihen kaufte, der zahlt der Bundesrepublik bis zur Anleihenfälligkeit Negativzinsen zwischen -0,54 und -0,37 Prozent pro Jahr. Erst zehnjährige Bundesanleihen weisen eine winzige positive Rendite von +0,06 Prozent auf. Mit +0,72 Prozent bietet eine Bundesanleihe mit einer Laufzeit von knapp 30 Jahren derzeit die höchste Verzinsung.

Zu berücksichtigen ist bei alledem, dass Anleger selbst diese geringen Habenzinsen noch versteuern und außerdem Ankauf- und ggf. Verkaufsprovisionen entrichten müssen.




Ursachen der niedrigen Zinsen für Bundesanleihen

Unabhängig von kurzfristigen Entwicklungen stoßen Bundesanleihen bei internationalen Anlegern aus verschiedenen Gründen auf hohes Interesse.

  • Begünstigt wird das niedrige Zinsniveau von der hoch eingestuften Bonität der Bundesrepublik Deutschland, die für eine international hohe Nachfrage nach Bundesanleihen sorgt. Alle bedeutenden Rating-Agenturen halten die finanzielle und ökonomische Situation Deutschland für auf hohem Niveau stabil und vergeben jeweils die höchste Bewertungsnote.
  • Der Bund profitiert derzeit von hohen Steuereinnahmen, so dass eine Nettokreditaufnahme zur Zeit nicht mehr erforderlich ist. Bei geringerem Finanzierungsbedarf ist es dem Bund möglich, den Investoren besonders niedrige Anleihezinsen anzubieten.
  • Geringe Zinsausgaben des Bundes, eine besonders hohe Bonitätseinstufung des Schuldners Bundesrepublik Deutschland sowie hohe Steuereinnahmen wirken gemeinsam in Richtung weiterhin niedriger Zinsen für Bundesanleihen.
  • Hinzu kommt, dass Staatsanleihen, die von für den Kapitalmarkt bedeutenden Staaten emittiert werden, leicht handelbar sind: In Zeiten, die von ökonomischen und geopolitischen Unwägbarkeiten gekennzeichnet sind, bieten marktbreite Staatsanleihen den Vorteil einer schnellen Veräußerbarkeit in Krisensituationen. Anleihe-Investoren können auf mögliche Krisen rasch reagieren und sich damit jederzeit Liquidität verschaffen.

Ausblick
Bundesfinanzminister Scholz sieht das Ende der „fetten Jahre“ gekommen. Er warnte Anfang Januar 2019 vor einem Auslaufen des jahrelangen Aufschwungs.

Wegen der sich offenbar eintrübenden Konjunkturlage dürften die Steuereinnahmen nach Einschätzung der Finanzministers künftig weniger kräftig sprudeln. 2018 sei wohl das vorläufig letzte Jahr mit einem Steuerüberschuss gewesen.

Zusammenfassung:
Niedrige Zinssätze für Bundesanleihen korrespondieren mit niedrigen Bauzinsen. Kursrückgänge langlaufender Bundesanleihen gehen gewöhnlich einem Anstieg der Bauzinsen einher.


3.5 Immobilienmarkt und Zinsen: Vorsicht vor Preisübertreibungen

Vor dem Hintergrund eines jahrelang überdurchschnittlich wachsenden Bruttoinlandsprodukts bei zugleich niedrigen Zinsen fanden in den letzten Jahren erhebliche Preissteigerungen auf dem Immobilienmarkt statt. Die Preise für Wohnimmobilien stiegen allein von 2015 bis Ende 2018 um durchschnittlich 11,5 Prozent.

Das Niedrigzinsniveau macht sich nicht nur in Form günstiger Konditionen für Baufinanzierungskredite bemerkbar. Investoren suchen angesichts minimaler oder sogar negativer Zinsen für klassische Sparprodukte und festverzinsliche Anlagen nach Anlagealternativen. Nachfrage besteht nicht zuletzt für kleinere Wohnungen in Ballungsräumen, aber auch für hochpreisige Wohnimmobilien.

Die Landesbank Helaba hält einen weiteren Anstieg der Immobilienpreise gerade im Rhein-Main-Gebiet für möglich.

  • Die anhaltende Wohnungsknappheit, so die Helaba, werde jedenfalls in 2019 zu weiteren Preiserhöhungen bei Wohnimmobilien führen. Allein aufgrund des Brexits sei im Rhein-Main-Gebiet mit dem Zuzug von mindestens 8.000 Bankbeschäftigten aus Großbritannien zu rechnen.
  • Die (noch) aufwärts gerichtete Wirtschaftsentwicklung sorge für eine hohe Nachfrage nach Büroflächen. Die Leerstände an den wichtigsten Standorten für Büroimmobilien seien von 4 Prozent auf bereits knappe 2 Prozent zurückgegangen. In der Folge müsse auch mit einem Preisanstieg für Büroimmobilien gerechnet werden.
  • Gleichwohl befinde sich der Immobilienzyklus nach früher gemachten Erfahrungen, so die Helaba-Analyse, „in einer reifen Phase“.

Fazit und Ausblick:

Die Kaufpreise übersteigen in Großstädten und in Universitätsstädten häufig das Zwanzigfache der erzielbaren Jahresmiete, das gewöhnlich als Obergrenze für angemessene Immobilienpreise gilt.

Sollten sich die Preisanstiege für Immobilien als Preisübertreibungen herausstellen, dann könnte die Nachfrage nach Immobilienkrediten stark zurückgehen. Dies würde sich zunächst dämpfend auf die Bauzinsen auswirken. Bei erheblichen Ausfällen dürften sich die Geschäftsbanken bei zukünftigen Kreditvergaben restriktiver verhalten und dies auch in Form erhöhter Zinsen für Baufinanzierungen und Anschlussfinanzierungen zum Ausdruck bringen.

Während einige Immobilien-Experten von zumindest in 2019 weiter steigenden Immobilienpreisen ausgehen, vertreten andere die Auffassung, dass sich der Preissteigerungstrend bei Immobilien derzeit in einer „fortgeschrittenen Phase“ befindet und daher die Preise für Immobilien künftig zumindest langsamer steigen werden. Einige Fachleute diagnostieren eine Überhitzung zumindest von Immobilien-Teilmärkten und warnen vor dem Platzen einer Immobilienblase. Auch die allmählich wieder steigenden Zinsen für Baufinanzierungen dürfte die Preisentwicklung an den Immobilienmärkten dämpfen.

Der Anstieg der Immobilienpreise könnte im Zusammenhang mit der prognostizierten Abschwächung der Weltkonjunktur gebremst werden. Potenzielle Immobilien-Investoren könnten sich auch wegen der Ungewissheiten zurückhalten, die von geopolitischen Störfaktoren wie Handelsstreit und Brexit ausstrahlen.

3.5.1 Indizien für mögliche Preisübertreibungen

Typische Indizien für mögliche Preisübertreibungen auf dem Immobilienmarkt werden bereits seit 2015 festgestellt:

  • Die Immobilienpreise steigen mittlerweile schneller als die Mieten, so dass die Renditen von Immobilien-Investitionen sinken.
  • Charakteristisch für die Spätphase eines Immobilienbooms sei, so Experten, dass nach den Preisanstiegen in den Top-Lagen von Ballungsgebieten nunmehr auch Randgebiete und Umland von Preiserhöhungen betroffen seien.
  • Die Hypothekenzinsen befinden sich auf einem extrem niedrigen Niveau. Sollte das Zinsniveau erwartungsgemäß wieder ansteigen, so werden die Kosten für Baufinanzierungen deutlich ansteigen. Mittelfristig zu erwartende höhere Zinsen führen zu einer geringeren Attraktivität von Neuinvestitionen in Immobilien - zumal vor dem Hintergrund eines gerade in Ballungszentren sehr hohen Immobilien-Preisniveaus.
  • Gefahr droht nach Auffassung mancher Fachleute auch von einem „zu hohen“ und in den letzten Jahren auch gestiegenen Fremdfinanzierungsanteil. Zugleich werde, so meinen Immobilien-Fachleute, häufig eine zu niedrige anfängliche Tilgung vereinbart. Nach Ablauf der ersten Zinsbindungsfrist könnten ein dann eventuell deutlich höheres Zinsniveau zu finanziellen Engpässen mancher Kreditnehmer und damit zu Immobilien-Notverkäufen führen.
  • Hinzukomme, dass die Kreditinstitute durch die von der Zentralbank für Bankeneinlagen berechneten Negativzinsen derzeit womöglich zu einer Vergabe von Krediten motiviert würden, die sie aus Risikogründen in Zeiten „normaler“ Zinsen aus Risikogründen nicht vergeben würden.

3.5.2 Beginnende Zurückhaltung bei Auslandsinvestoren

Eine im November 2018 veröffentlichte Studie der Beratungsgesellschaft PwC weist darauf hin, dass internationale Investoren nach den vergangenen Immobilien-Boom-Jahren zurückhaltender bei Immobilien-Investitionen in deutschen Großstädten wie Frankfurt, Hamburg, München oder Berlin geworden sind.

Die Immobilienkäufe von Auslandsinvestoren waren in den letzten Jahren von großer Bedeutung für den deutschen Markt: Auf ausländisches Kapital entfiel etwa die Hälfte der größeren Immobilien-Investitionen von mehr als zehn Millionen Euro. Die Immobilien-Nachfrage ausländischer Investoren war also mitursächlich für den mehrjährigen Anstieg der Immobilienpreise.

3.5.3 Regionale Bevölkerungsentwicklung: Einfluss auf langfristigen Preistrend bei Immobilien

Der langfristige Immobilien-Preistrend wird wahrscheinlich von der (regional voraussichtlich sehr unterschiedlichen) Bevölkerungsentwicklung erheblich beeinflusst werden:

Nach einer Studie der Postbank nimmt die Einwohnerzahl in Berlin und Hamburg bis 2030 um etwa 4 Prozent zu, was zu einer um 14 Prozentpunkte (gegenüber dem bundesdeutschen Durchschnitt) erhöhten Preissteigerungsrate für Immobilien führen könnte.

Dagegen soll die Einwohnerzahl in Gelsenkirchen, Halle (Saale) und Chemnitz bis 2030 deutlich zurückgehen (um 9, 10, bzw. 13 Prozent), woraus die Marktforscher durchschnittliche Abschläge auf die Preisveränderungsrate von Immobilien von 32, 38 bzw. 49 Prozentpunkten errechnen.

Fazit

Wenngleich niedriges Zinsniveau, eine noch gute Konjunkturlage und ein enger Wohnungs- und Büroimmobilienmarkt zunächst für eine Fortsetzung des Immobilienbooms sprechen, so ist doch auf mittlere Sicht Vorsicht geboten. Immobilienexperten bezeichnen das Preisniveau in deutschen Ballungszentren oft als „weit fortgeschritten“, „nahe am Gipfel, „überteuert“ oder „sehr sportlich“.


3.6 Gute Konjunktur bedeutet höhere Zinsen

Eine gute Konjunktur korrespondiert gewöhnlich mit einem höheren Zinsniveau. Eine hohe Nachfrage von Verbrauchern und Unternehmen nach Gütern und Dienstleistungen sorgt tendenziell für eine stärkere Kreditnachfrage und damit für höhere Darlehenszinsen.

Güternachfrage und Inflation

Außerdem ist bei einer hohen Güternachfrage üblicherweise eine stärkere Inflation zu erwarten. Steigende Inflationsraten gehen mit fallenden Anleihekursen (und damit steigenden Zinsen am Geld- und Kapitalmarkt) einher.

IWF, EU-Kommission, Bundesregierung: weniger Optimismus für 2019

Nach einem Jahrzehnt des Wirtschaftsaufschwungs begannen verschiedene Institutionen bereits in der zweiten Jahreshälfte 2018 mit der Absenkung ihrer Wirtschaftsprognosen. In den ersten Monaten 2019 werden die Wirtschaftsaussichten noch deutlich kritischer eingeschätzt.

Als größte Risiken werden unisono die maßgeblich von der Administration Trump zu verantwortenden Handelskonflikte („America First“) und der immer noch in der Schwebe befindliche Brexit bewertet. Einig scheinen sich die weltweiten „Wirtschaftsweisen“ aber auch darin zu sein, dass sich der Wachstum der Wirtschaft in 2019 – wenngleich mit erheblich vermindertem Tempo – fortsetzt.

3.6.1 Die Wirtschaftsprognose des Internationalen Währungsfonds (IWF)

Der jüngste Konjunkturbericht des Internationalen Währungsfonds geht für 2019 von einem Zuwachs der Weltwirtschaft um 3,3 Prozent aus. Noch im Oktober hielt der IWF ein Wachstum von 3,7 Prozent (zuvor 3,9 Prozent) für möglich.

Der IWF prognostiziert für Deutschland im Jahr 2019 nur noch ein Wachstum um 0,8 Prozent. Damit kommt der IWF zu demselben Ergebnis wie bereits zuvor die fünf wichtigsten deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute.

3.6.2 Die Wirtschaftsprognose der EU-Kommission

Die EU-Kommission legte am 7. Februar 2019 ihre „Winterprognose 2019“ vor. Nach dieser Vorausschau wird das Bruttoinlandsprodukt der EU in 2019 um 1,5 Prozent zunehmen (vorherige Schätzung aus dem November 2018: 1,9 Prozent).

Die Kommission sieht folgende Ursachen für das 2019 voraussichtlich geringere Wachstum:

  • weltweite Handelsspannungen,
  • Verlangsamung der Wirtschaftstätigkeit in Schwellenländern, insbesondere in der Volksrepublik China,
  • Unsicherheiten aufgrund des Risikos eines ungeregelten Brexits und
  • Zweifel an der Schulden-Tragfähigkeit in einigen EU-Staaten.

3.6.3 Die Wirtschaftsprognose der Bundesregierung

Ende Januar 2019 wies Bundeswirtschaftsminister Altmaier anlässlich der Vorlage des Jahreswirtschaftsberichts auf zahlreiche Risiken für die Wirtschaftsentwicklung hin. Der pessimistischeren Einschätzungen der Bundesregierung resultieren „vornehmlich aus erhöhten Risiken aus dem außenwirtschaftlichen Umfeld.“

Für 2019 erwartet der Wirtschaftsminister für 2019 nur noch einen Zuwachs des deutschen Bruttoinlandsprodukts von 1,0 Prozent, nachdem man im Oktober 2018 noch von 1,8 Prozent ausgegangen war. (Bereits damals hatte Altmaier die vorherige Konjunktur-Einschätzung um 0,3 Prozent für 2019 reduziert.)

Fazit:

Die für 2019 eingetrübten Konjunkturaussichten sprechen für die Fortführung der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank und für zumindest mittelfristig weiterhin niedrige Zinsen für Baufinanzierungen.


3.7 Weiter zunehmende große Risiken: die Auswirkungen (geo-) politischer Krisen

Bei der Erstellung einer Zinsprognose sind auch (geo-) politische Einflussfaktoren zu berücksichtigen. Zwar lassen sich Eintrittswahrscheinlichkeiten und Auswirkungen derartiger Risiken häufig nur schwer einschätzen. Realisiert sich jedoch auch nur eine einzige dieser Gefahren, dann sind gravierende Verwerfungen an den Geld- und Kapitalmärkten einschließlich der Zinsmärkte möglich. Derzeit ist eine Häufung und Ausweitung verschiedenster (geo-) politischer Risiken festzustellen.

3.7.1 Rohölpreise: starke Kursschwankungen – zuletzt wieder aufwärts

Sinkende Rohstoffpreise signalisieren eine schwächere Weltkonjunktur, was tendenziell ein niedriges Zinsniveau begünstigt. Steigende Rohölpreise sind zumeist die Folge einer (zumindest befürchteten) krisenhaften Verknappung des Ölangebots und/oder der Ausdruck guter Perspektiven für die Weltkonjunktur.

Bis Mitte 2014 waren die Rohöl-Preise bis auf über 100 US-Dollar je Barrel (ca. 159 Liter Rohöl) gestiegen, bevor ein drastischer Preisverfall bis auf 29 US-Dollar (Anfang 2016) einsetzte.

In der Folgezeit erholten sich die Notierungen jedoch wieder deutlich. Die 50-US-Dollar-Marke wurde erstmals wieder im Juni 2016 überschritten. Unter heftigen Schwankungen stieg der Preis für ein Barrel Brent-Öl bis zum 3. Oktober 2018 bis auf 86,70 USD. Ausgelöst von einer Zunahme der weltweiten Lagerbestände und aus Furcht vor einer sich abschwächenden Weltkonjunktur stürzte der Brent-Rohölpreis innerhalb weniger Monate um über 40 Prozent bis auf 50,32 USD (26. Dezember 2018).

Der anschließend erfolgte Wiederanstieg der Rohöl-Preise beruht auf verschiedenen Faktoren:

  • Bereits am 7. Dezember 2018 hatte die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) beschlossen, die Ölförderung weiter zu kürzen, um höhere Preise am Weltmarkt durchzusetzen.
  • Derzeit fördern die Mitgliedsstaaten der OPEC insgesamt weniger Erdöl als zu irgendeinem Zeitpunkt während der letzten vier Jahre.
  • Aufgrund von Stromausfällen und wegen einer nur eingeschränkt funktionsfähigen Infrastruktur kommt die Ölförderung in Venezuela derzeit fast zum Erliegen. Das südamerikanische Land förderte im März 2019 nur noch 0,5 Millionen Barrel täglich – vor einem Jahr waren es noch 2,5 Millionen Barrel.
  • Zuletzt stabile Wirtschaftsnachrichten aus China und den USA sorgten für Hoffnung auf eine sich besser als befürchtet entwickelnde Weltkonjunktur. Damit verbunden ist die Erwartung eines über den bisherigen Schätzungen liegenden Rohöl-Bedarfs.

Am 15. April 2019 notierte der Preis für ein Barrel Rohöl (ca. 159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent wieder oberhalb von 71 US-Dollar.

3.7.2 Wichtige Entscheidungen in Mitgliedsländern der Europäischen Union

Brexit: Angekündigter Austritt Großbritanniens aus der EU

Das Referendum über die Zugehörigkeit Großbritanniens zur Europäischen Union vom 23. Juni 2016 endete zwar mit einem Austrittsvotum. Über die konkrete Umsetzung des EU-Austritts ist jedoch auch fast drei Jahre nach dem Referendum noch nicht entschieden, was für Unsicherheiten bei Unternehmen, Arbeitnehmern und Verbrauchern sorgt.

Im Mittelpunkt aller Bemühungen steht derzeit wohl nur noch die Schadensminimierung: bei einem „harten Brexit“ ohne Austrittsvereinbarung zwischen Großbritannien und der EU wird mit schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen gerechnet.

Ein harter Brexit wäre sicherlich ein zusätzliches Argument für die Notenbanken, die Wirtschaft mit reichlicher Liquidität zu niedrigen Zinssätzen zu versorgen.

Italien in der Dauerkrise: politische Instabilität, Strukturprobleme und enorme Verschuldung

Italien, die viertgrößte Volkswirtschaft der Europäischen Union kämpft mit erheblichen Strukturproblemen. Die horrende Staatsverschuldung liegt aktuell bei über 2,3 Billionen Euro und damit bei 131,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – nach Griechenland (181,7 Prozent) der zweithöchste Verschuldungsgrad innerhalb der EU. Internationale Ratingagenturen haben mit der Überprüfung des italienischen Kreditratings begonnen.

Die politische, wirtschaftliche und finanzielle Fragilität des wichtigen Eurolandes Italien bedroht die Stabilität des Euroraums und der gesamten Europäischen Union. Schon ist von einem „Italexit“ die Rede. Allerdings beteuert die italienische Regierung, sie plane weder den Austritt aus der EU noch aus dem Euroraum. Gelingen keine durchgreifenden Reformen, so droht schlimmstenfalls ein Aufleben der Eurokrise in vergrößertem Maßstab - mit nicht vorhersehbaren Folgen für die europäische Volkswirtschaft, insbesondere auch für die weitere Zinsentwicklung.

3.7.3 Drohender Handelskrieg

Die von Präsident Trump und China gegenseitig verhängten Strafzölle können eine weitere Eskalationsspirale bis hin zu einem Handelskrieg in Gang setzen. Während China nach Verbündeten im Handelsstreit sucht, beharren die USA auf einer Verbesserung ihrer Handelsbedingungen. Die Fronten erscheinen bislang verhärtet. China hofft, den Handelsstreit im nächsten Jahr beilegen zu können.

3.7.4 Geopolitische Krisenherde

Die Ukraine-Krise kann jederzeit mit unvorhersehbaren Folgen (auch für die Finanzmärkte) eskalieren. Russland und NATO befinden sich in einer Aufrüstungsspirale.

Auch die wirtschaftliche Situation in der Türkei könnte sich auf die Europäische Union auswirken. Werden die Türkei oder ihr Bankensystem zahlungsunfähig, so geraten möglicherweise auch Banken innerhalb der Europäischen Union in Gefahr.


3.8 Unsere Zusammenfassung

Was zu steigenden Bauzinsen führen könnte:

  • anziehende Weltkonjunktur
  • sich verbessernde Konjunkturaussichten für Europa
  • steigende Zinsen insbesondere für US-Dollar-Anlagen (drohende Folge: Kapital-Umschichtungen aus dem Euro in den US-Dollar)
  • Brexit-Folgen: steigendes Zinsniveau in Großbritannien
  • eine Änderung der EZB-Geldpolitik frühestens mit Ablauf der Amtszeit des derzeitigen EZB-Präsidenten Mario Draghi Ende Oktober 2019.

Für niedrige oder weiter fallende Zinsen spricht:

  • Abschwächung der Konjunktur in der Euro-Zone, auch im Zusammenhang mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU
  • möglicher Handelskrieg: Drohungen von US-Präsident Trump mit Zollerhöhungen mit zahlreichen Konfliktfeldern: von der Automobil- und der Flugzeugindustrie bis zur Landwirtschaft.
  • möglicher Abwertungswettlauf bedeutender Währungsräume
  • strikte Niedrigzins-Politik der Europäischen Zentralbank
  • Absage weiterer Zinserhöhungen durch die US-Notenbank

Sowohl sinkende als auch steigende Zins-Szenarios vorstellbar:

  • Wiederaufleben der Staaten- und Banken-Schuldenkrise
  • Italien: politische und ökonomische Instabilität. Sehr hoher Schuldenstand. Fraglich erscheint die Zahlungsfähigkeit staatlicher und privater Schuldner bei steigenden Zinsen. Ein Austritt Italiens aus Euroraum und EU („Italexit“) ist möglich.
  • Überhitzung des deutschen Immobilienmarktes, zumindest in Ballungszentren
  • unvorhersehbare Politik der US-Regierung unter Donald Trump
  • jederzeit mögliche Eskalation der Ukraine-Krise
  • Eskalation der Finanzkrise in der Türkei

4. Fazit: Aktuelle Bauzinsen Prognose 2019/2020

Fazit: Bauzinsen Prognose

Angesichts der entschiedenen Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank ist ein erheblicher und rascher Zinsanstieg nicht zu erwarten – jedenfalls bis zum Ausscheiden des derzeitigen Präsidenten der Europäischen Zentralbank (Ende der Amtsperiode Oktober 2019). Mittel- bis langfristig kann es jedoch nach der erfolgten Zinswende in den USA und der in Großbritannien durchgeführten ersten Zinserhöhung sowie im Hinblick auf die seit Anfang 2017 nahe der Zielmarke der EZB befindlichen Inflation auch in der Eurozone zu deutlichen Zinserhöhungen kommen.

Wer nicht auf ein noch niedrigeres Zinsniveau spekulieren und Zinssteigerungsrisiken ausschließen möchte, der sollte nicht länger warten und sich bei Fremdfinanzierungsbedarf die nach wie vor historisch günstigen Kreditzinsen langfristig sichern.

Tipp!

Zinsalarm erhalten, sobald die Bauzinsen eine vorher von Ihnen festgelegte Zinsschwelle über- oder unterschreiten. Jetzt Zinsalarm erstellen.


4.1 Empfehlungen für zukünftige Bauherren und Immobilienkäufer

Bauherren und Immobilienkäufer können ihre Immobilienfinanzierung aktuell weiterhin zu sehr günstigen Konditionen abschließen. Vorzuziehen sind lange Zinsbindungen – idealerweise bis zum Ende der Kreditlaufzeit.

Zugleich sollte eine hohe Tilgungsrate (von mindestens 2 bis 3 Prozent) gewählt werden, um die Entschuldung zu beschleunigen.


4.2 Anschlussfinanzierung und Forward-Kredit

Auch bei Anschlussfinanzierungen sollten lange Zinsbindungen bevorzugt werden. Durch niedrigere Kreditzinsen eingesparte Aufwendungen können zur Erhöhung der Tilgung verwendet werden.

Wer bereits über eine Baufinanzierung verfügt, deren Zinsbindung in den nächsten Jahren ausläuft, der kann sich bereits heute die niedrigen Zinsen durch ein bis zu 60-monatiges Forward-Darlehen sichern. Kreditnehmer sollten im Hinblick auf die für den Euroraum auf mittlere Sicht wahrscheinlichen Zinserhöhungen mit dem Abschluss eines Forward-Darlehens nicht unbedingt länger warten.



Autor: Hartmut Zimmer

Hartmut Zimmer, Jurist und langjähriger Vertriebsdirektor einer deutschen Großbank, war u. a. zuständig für den Vertrieb von Baufinanzierungen und gewerblichen Krediten. Besonders intensiv befasste er sich mit den Risiken fehlerhaft konstruierter Baufinanzierungen anlässlich der Sanierung eines umfangreichen Kreditportfolios.
Hartmut Zimmer ist Autor zahlreicher Fachartikel zu Finanzprodukten und Wirtschaftsrecht.

Die aktuellen Bauzinsen im schnellen Überblick

  • Heute
  • Gestern
Zinsbindung 5 Jahre 10 Jahre 15 Jahre 20 Jahre 25 Jahre 30 Jahre
Effektivzins Sollzins 0,54% 0,53% 0,91% 0,89% 1,27% 1,24% 1,52% 1,49% 1,77% 1,74% 1,79% 1,76%
Effektivzins Sollzins 0,53% 0,52% 0,88% 0,86% 1,27% 1,24% 1,53% 1,50% 1,79% 1,76% 1,79% 1,76%

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