Sie sind hier: Zinsentwicklung » Zinsen für Baudarlehen » Bauzinsen Prognose

Bauzinsen Prognose 2019/2020 (Stand: Dezember 2018)

Bauzinsen Prognose 2019
Zinswende kurzfristig nicht zu erwarten. Bauzinsen bleiben vorerst günstig.

Wir informieren Sie in diesem Artikel über folgende Themen:

  1. 1. Die Verlässlichkeit von Zinsprognosen
  2. 2. Die aktuelle Zinssituation
  3. 3. Was die Bauzinsen beeinflusst
  4. 4. Fazit: Aktuelle Bauzinsen Prognose 2019/2020
    • 4.1 Empfehlungen für zukünftige Bauherren und Immobilienkäufer
    • 4.2 Empfehlungen für Anschlussfinanzierung und Forward-Kredit

Warum Sie Prognosen über die künftige Entwicklung der Baufinanzierungs-Zinsen verfolgen sollten

Das allgemeine Zinsniveau verändert sich täglich. Kreditinstitute gewähren Baudarlehen zu den jeweils marktüblichen Zinssätzen. Der Zeitpunkt, den Sie für den Abschluss einer Baufinanzierung auswählen, entscheidet daher maßgeblich über die Zinskosten Ihres Immobilienkredites.

Die Prognose der Bauzinsentwicklung ist für künftige Bauherren ebenso von Bedeutung wie für Käufer eigen- oder fremdgenutzter Bestandsimmobilien.

Auch Immobilieneigentümer, deren Baufinanzierung sich noch innerhalb einer Zinsbindung befindet, können sich die derzeit niedrigen Zinsen durch eine Forward-Vereinbarung für die Zukunft sichern.

Mietern, die vielleicht schon seit vielen Jahren ihren ständig steigenden Mietverpflichtungen entkommen wollen, wird die Erfüllung eines lange gehegten Immobilienwunsches durch die derzeit niedrigen Kreditzinsen erleichtert.

Beispielrechnung:

Wer 500 Euro monatlich als Kreditrate (Tilgung plus Zinsen) für ein Darlehen über 100.000 Euro aufwenden möchte, der muss bei einem Effektivzinssatz von 3 % p. a. während einer Kreditlaufzeit von 23 Jahren und einem Monat Zinsen von insgesamt 38.802,04 Euro entrichten.

Bei Effektivzinsen von 2 % (und einer unveränderten monatlichen Kreditrate von 500 Euro) ist die Baufinanzierung aufgrund der höheren Tilgungsleistung bereits nach 20 Jahren und 3 Monaten vollständig zurückgeführt. Insgesamt entstehen deutlich geringere Zinsbelastungen in Höhe von 21.740,57 Euro.


1. Über die Verlässlichkeit von Zinsprognosen

Zinsprognosen von Experten und Wirtschaftsweisen

Angesichts immer neuer Zins-Tiefststände wurde in den vergangenen Jahren oft eine Zinswende vorhergesagt. Tatsächlich kam es bislang nur zu begrenzten Zinserhöhungen. Dies könnte sich allerdings in Folge der weltweit positiven Wirtschaftsentwicklung und der „Zinswende“, die die US-Notenbank mit ersten Zinserhöhungen bereits eingeleitet hat, auf mittlere Sicht auch in Europa ändern.

Die extrem expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank sorgt derzeit immer noch für ein nicht marktgerechtes, künstlich niedrig gehaltenes Zinsniveau. Dabei ist die EZB vor allem auf die Förderung des Wachstums aller EU-Volkswirtschaften und wohl auch auf die Reduzierung der Zinsbelastung insbesondere südeuropäischer Schuldenstaaten fokussiert.Dagegen spielen traditionell im Vordergrund stehende geldwirtschaftliche Fakten bei den Zinsentscheidungen der europäischen Notenbank eher eine untergeordnete Rolle.

Zudem können unvorhergesehene Ereignisse zuvor schlüssig erscheinende Prognosen jederzeit zunichtemachen. So neigen nicht nur Verbraucher und Unternehmen, sondern auch sogenannte "Experten" oder gar "Wirtschaftsweise" dazu, Entwicklungen der Vergangenheit für die Zukunft fortzuschreiben oder Einflussfaktoren unzutreffend zu gewichten.

Tipp: Prognosen stets kritisch zur Kenntnis nehmen

Bauherren und Immobilienkäufer sollten daher jede Zinsprognose mit großer Vorsicht zur Kenntnis nehmen, die Zinsentwicklung genau beobachten und sich eine eigene Meinung bilden.

Welche heute bereits erkennbaren Faktoren könnten die Höhe der Bauzinsen in den kommenden Monaten beeinflussen?


2. Die aktuelle Zins- und Inflations-Situation

Niedrigzinssituation in Deutschland

Die aktuelle Niedrigzins-Situation wird besonders stark von der derzeit noch expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank geprägt. Zudem verfügen diverse Unsicherheitsfaktoren über das Potenzial, auch die Renditen deutscher Staatsanleihen zu beeinflussen:

  • der von US-Präsident Trump ausgelöste Handelsstreit mit China und mit Europa
  • das von den USA gekündigte Atomabkommen mit dem Iran
  • der bevorstehende Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union
  • die aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrisen in der Türkei und in Italien, der drittgrößten Volkswirtschaft der Europäischen Union
  • die instabile Situation in Syrien und in der Ostukraine
  • Generell erschwert die Unberechenbarkeit der US-Administration unter Donald Trump alle Voraussagen zur Konjunktur- und Zinsentwicklung.

Ziel der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank ist eine Inflationsrate von „unter, aber nahe 2 Prozent“

  • Mit ihrer Niedrigzinspolitik will die EZB die Konjunktur innerhalb der Eurozone stärken. Insbesondere soll die Nachfrage von Konsumenten und Unternehmen nach Produkten und Dienstleistungen verstärkt und das Abrutschen der europäischen Volkswirtschaften in eine Deflation vermieden werden. Eine Deflation, also die Erwartung sinkender Preise könnte zu dauerhafter Zurückhaltung bei Konsum und Investitionen führen.
  • Niedrige EZB-Kreditzinsen und Negativzinsen auf Einlagen sollen die Kreditwirtschaft zu einer verstärkten Darlehensvergabe veranlassen. Die Politik des „billigen Geldes“ soll die Nachfrage von Konsumenten und Unternehmen nach Produkten und Dienstleistungen verstärken, die Konjunktur damit ankurbeln und so auch ein Abgleiten in eine gefährliche Deflation vermeiden.

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen erreichte ihren bisherigen Tiefpunkt im Juli 2017 bei -0,184 Prozent. Anschließend stiegen die 10-Jahres-Renditen bis auf +0,75 % ( Februar 2018), um dann im Mai und noch einmal im Juli 2018 wieder bis auf +0,25 Prozent zurückzufallen. Derzeit rentieren zehnjährige Bundesanleihen mit 0,25 % (7. Dezember 2018).

Anleger erhalten also seit langem kaum noch Zinsen. Vielmehr verpflichten sich Investoren teilweise sogar zu Zinszahlungen an den deutschen Staat, wenn sie dessen Schuldtitel erwarben. Das in festverzinsliche Anleihen investierte Anlagekapital unterliegt einer Geldentwertung, die aktuell wieder signifikant zunimmt. Außerdem sind die anfallenden Nominalzinsen zu versteuern.

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ist besonders aussagekräftig: Von den Bundesschulden in Höhe von 1.223,0 Millionen Euro (Stand 30.06.2018) entfallen etwa 65 Prozent auf Bundesanleihen. Zum Jahresende 2017 entfielen vom Gesamtbestand der Bundesanleihen mehr als 45 Prozent auf zehnjährige Laufzeiten, weitere knapp 20 Prozent auf dreißigjährige Papiere.

Weitere Informationen und Zins-Charts zur aktuellen Zinsentwicklung, insbesondere auch zur Geldpolitik der Europäischen Zentralbank stehen Ihnen in unserem Artikel "Bauzinsen Entwicklung" zur Verfügung.

Entwicklung der aktuellen Bauzinsen

2.1 Entwicklung der Verbraucherpreise

  • Die Verbraucherpreise in Europa stiegen im Gesamtjahr 2017 um 1,3 Prozent (Euroraum, 2016: 1,1 Prozent) bzw. 1,7 Prozent (Gesamt-EU, 2016: 1,2 Prozent). In Deutschland lag die Jahresinflationsrate 2017 bei 1,6 Prozent (2016: 1,7 Prozent).
  • Im Oktober 2018 betrug die Geldentwertungsrate im Euroraum 2,2 Prozent, in Deutschland 2,5 Prozent. Für das Gesamtjahr 2018 wird für Deutschland eine Inflationsrate von 1,9 Prozent prognostiziert.



3. Was die Bauzinsen Prognose beeinflusst

Aufzählung aller Einflussfaktoren

3.1 Die Geld- und Zinspolitik der Europäischen Zentralbank

Ohne die geldpolitischen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank läge das allgemeine Zinsniveau wohl deutlich höher.

3.1.1 Das Inflationsziel der EZB

Um die Gefahr einer die wirtschaftliche Entwicklung nachhaltig gefährdenden Deflation zu verringern, strebt die Europäische Zentralbank eine Inflation von unter, aber nahe von 2 Prozent an. Nach Einschätzung der EZB hat sich die volkswirtschaftliche Lage in der Eurozone seit Beginn der Niedrigzinspolitik der Zentralbank verbessert.

3.1.2 Extreme Niedrigzinspolitik

Die EZB veränderte ihre Leitzinsen zuletzt am 10. März 2016 (mit Wirkung vom 16. März 2016). Die "Hauptrefinanzierungsfazilität", zu der die Geschäftsbanken kurzfristige Kredite von der EZB erhalten, liegt seitdem bei genau 0 Prozent p. a.. Für unbesicherte Ein-Tages-Kredite zahlen die Kreditinstitute lediglich 0,25 % Zinsen ("Spitzenrefinanzierungsfazilität"). Unterhalten Banken Guthaben bei der Notenbank ("Einlagefazilität"), so berechnet ihnen die EZB sogar Minuszinsen in Höhe von 0,4 Prozent.

3.1.3 Ankauf von Anleihen: „Quantitative Easing“

Seit März 2015 kauft die EZB Anleihen an, um die Volkswirtschaften der Eurozone mit zusätzlicher Liquidität zu versorgen und die Zinsen am Kapitalmarkt zu senken (Asset Purchase Programme (APP), "Quantitative Easing").

  • Angekauft wurden zunächst Staatsanleihen, gesicherte Schuldverschreibungen und forderungsgedeckte ABS-Papiere in Höhe von monatlich 60 Milliarden Euro.
  • Ab April 2016 weitete die EZB das Ankaufvolumen auf 80 Milliarden Euro aus.
  • Schrittweise erfolgten dann jedoch Reduzierungen der monatlichen Anleihenankäufe: ab April 2017 auf 60 Milliarden Euro und ab Januar 2018 auf 30 Milliarden Euro.
  • Im September 2018 entschied der EZB-Rat eine weitere Verringerung des Anleihenerwerbs auf monatlich 15 Milliarden Euro (ab Oktober 2018), bevor das Quantitative-Easing-Programm Ende 2018 endgültig auslaufen soll.

3.1.4 Was für ein Ende der EZB-Niedrigzinspolitik sprechen könnte

Setzen sich die Kritiker der Geldpolitik von EZB-Präsident Mario Draghi durch, so würde die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank wohl bald beendet. Für diesen Fall wäre auch mit steigenden Zinsen für Immobilienkredite zu rechnen.

Etliche Beobachter gehen von schweren „Risiken und Nebenwirkungen“ der EZB-Niedrigzinspolitik aus, die sie ohnehin bereits für gescheitert halten. Spätestens in der Sitzung des EZB-Rats vom 6. Dezember 2016 hatte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann seinen Widerspruch im EZB-Rat gegen das Ankauf-Wertprogramm zu Protokoll gegeben.

1. Kritikpunkt: Ausbleibender Erfolg der EZB-Niedrigzinspolitik

Die EZB habe, so wird kritisiert, mit ihrer Geldpolitik kaum zu dem von ihr gewünschten Anstieg der Geldentwertungsrate auf etwa zwei Prozent beitragen können. Trotz der Billionen-Summen, die die EZB in den Geld- und Kapitalmarkt pumpt, sei die Inflationsrate hauptsächlich wegen der Erholung der Energiepreise angestiegen.

2. Kritikpunkt: Gefahr einer Fehlsteuerung des Bankensektors

Fast schon als unverantwortlicher Fehlanreiz erscheint die an die Kreditinstitute gerichtete Aufforderung der EZB zur Ausweitung der Darlehensvergaben – um dann später gegebenenfalls eine nicht fach- und risikogerechte Kreditherauslegung durch die Finanzwirtschaft scharf zu kritisieren und „systemrelevante“ Institute womöglich zu Lasten der Allgemeinheit vor der Insolvenz retten zu müssen.

3. Kritikpunkt: Blasenbildungen an den Aktien- und Immobilienmärkten

Die niedrigen Zinsen auf Guthabenkonten und für Investments in Anleihen führten zu einem Anlagenotstand. Auf der Suche nach ertragreichen Anlageformen flossen die von der EZB freigesetzten, gewaltigen Kapitalmengen unter anderem in die Aktien-, Renten- und Immobilienmärkte. Sollten dort durch Fehlallokation von Kapital möglicherweise entstandene „Preisblasen platzen“, dann besteht die Gefahr, dass Volkswirtschaften nicht nur innerhalb der Europäischen Union erheblichen Schaden nehmen. Der renommierte US-amerikanische Fondsmanager Bill H. Gross sprach angesichts umfangreicher Geldflüsse in riskante Kapitalanlagen von einer „Supernova, die eines Tages explodieren wird“.

4. Kritikpunkt: Verschleppung notwendiger Strukturreformen

Das Ausgabeverhalten insbesondere Spaniens und Italiens zeigt nach Ansicht von Kritikern der EZB-Geldpolitik, dass sich Krisenstaaten aufgrund niedrigerer Zinslasten in Sicherheit wiegen. In reformunwilligen EU-Mitgliedsstaaten entwickele sich eine bedenkliche Gewöhnung an eine fortwährende Unterstützung durch Niedrigzinsen.

Die künstlich herbeigeführte, nicht marktkonforme Reduzierung der Zinslasten von Staaten, Unternehmern und Verbrauchern führe zu einer Verringerung hilfreichen Reformdrucks. Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit würden () nicht mit der erforderlichen Ernsthaftigkeit verfolgt.

Wenn Staaten mit besonders hohem Schuldenstand Niedrigzinsphasen nicht zum Schuldenabbau, sondern zur Ausweitung ihrer Ausgaben nutzen, dann sei die Finanzmarktstabilität langfristig in großer Gefahr: Völlig unklar bleibe, wie denn die Schuldnerstaaten ihren Kreditverpflichtungen bei wieder höherem Zinsniveau nachkommen wollen.

5. Kritikpunkt: Enteignung von Sparern

Kritiker der EZB-Geldpolitik bemängeln vor allem auch, dass Sparer durch künstlich niedrige Zinsen enteignet und Altersvorsorge-Planungen gefährdet würden. Die genossenschaftliche DZ Bank AG in Frankfurt berechnete, dass die EZB-Niedrigzinspolitik allein die deutschen Sparer seit dem Jahr 2010 weit über 400 Milliarden Euro gekostet habe. Die Realverzinsung der Ersparnisse eines durchschnittlichen Haushalts fiel 2018 angesichts nahe Null befindlicher Haben-Zinssätze und steigender Inflation in den negativen Bereich

3.1.5 Unabhängigkeit der EZB: Wie lange hält die Notenbank an ihrer Zinspolitik fest?

In nächster Zeit dürfte es für Sparer kaum besser werden. Zwar hatte die Europäische Zentralbank eine allmähliche Abkehr von ihrer Niedrigzinspolitik angekündigt. EZB-Präsident Draghi macht aber im Juni 2018 deutlich, dass ein erster Zinserhöhungsschritt keinesfalls vor Sommer 2019, vielleicht im Herbst 2019 zu erwarten sei. Selbst dann wird es nach Einschätzung Draghis noch Jahre dauern, bis ein gewohntes Zinsniveau erreicht werde.

Im Übrigen habe für die EZB, so Mario Draghi, das Auslaufen der Strafzinsen für Banken Priorität. Banken müssen seit März 2016 0,4 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie Geld bei der EZB hinterlegen.

Der EZB-Präsident verdeutlichte aber sogar, dass die Notenbank nicht zögern werde, den Weg in Richtung Zinswende wieder zu stoppen, wenn dies aufgrund äußerer Umstände geboten sei. Hintergrund dieser vorsichtigen Positionierung der Europäischen Zentralbank ist die aktuelle Eintrübung der Weltkonjunktur. Das Wirtschaftswachstum in Europa hatte sich bis Ende 2017 verstärkt, verlangsamt sich jedoch seither.

Ursache der gedämpften Konjunkturerwartungen sind nach Draghis Einschätzung

  • der von den USA ausgelöste Handelsstreit, für den der EZB-Präsident ausdrücklich Donald Trump verantwortlich macht,
  • die Folgen der Kündigung des Atomabkommens mit dem Iran durch die USA sowie
  • der die Wirtschaft belastende Wiederanstieg der Rohölpreise.

Um die Dauerhaftigkeit der derzeitigen EZB-Geldpolitik besser einschätzen zu können, hilft möglicherweise ein Blick auf die Profiteure der EZB-Niedrigzinspolitik:

  • Offiziell verfolgt die Europäische Zentralbank mit ihrer Niedrigzinspolitik das Ziel, dass die Finanzwirtschaft ihre Kreditvergaben ausweitet, damit die Konjunktur durch zusätzliche Konsumausgaben und Investitionen gestärkt wird.
  • Die der Eurozone angehörenden Staaten sparten im Rahmen der bislang zehnjährigen EZB-Niedrigzinspolitik mehr als 1,15 Billionen Euro an Zinszahlungen.
  • Die größten Nutznießer niedriger Zinsen sind allerdings die hochverschuldeten Staaten in Südeuropa. Bis 2022 könnten sich die Einspar-Effekte laut einer Studie der DZ Bank allein für Italien auf über 600 Milliarden Euro summieren.
  • Wirtschaftsverbände wie der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) sehen daher in der Niedrigzinspolitik der EZB in Wahrheit ein gigantisches Umverteilungs-Programm von den nördlichen zu den südlichen EU-Staaten.

3.2 Die Geldpolitik des Federal Reserve Systems (USA)

Wie lange die EZB noch an ihrer stark kritisierten Niedrigzinspolitik beibehält, bleibt also abzuwarten. Das Federal Reserve System (die US-Notenbank) hat bereits vor geraumer Zeit die Zinswende eingeleitet.

Die US-Zentralbank beschloss am 16. Dezember 2015, ihren Leitzins Federal Funds Rate erstmals wieder um 0,25 Prozentpunkte auf eine Bandbreite zwischen 0,25 Prozent und 0,5 Prozent anzuheben – nachdem der Leitzins seit Dezember 2008 auf historischem Niedrigniveau bei nahe Null Prozent gelegen hatte.

Seither erhöhte die US-Notenbank die Bandbreite ihres Leitzinses bereits mehrfach um jeweils 0,25 Prozentpunkte.

  • 14. Dezember 2016: auf 0,50 bis 0,75 Prozent
  • 15. März 2017: 0,75 bis 1,00 Prozent
  • 14. Juni 2017: 1,00 bis 1,25 Prozent
  • 13. Dezember 2017: 1,25 bis 1,50 Prozent
  • 21. März 2018: 1,50 bis 1,75 Prozent
  • 13. Juni 2018: 1,75 bis 2,00 Prozent
  • 26. September 2018: 2,00 bis 2,25 Prozent

Ende des Jahres 2019 soll die Federal Funds Rate bei 3,00 Prozent liegen.


3.3 Einflüsse des Zinsniveaus auf den Aktienmarkt

Sollte die US-Notenbank (entgegen den bisherigen Einschätzungen) von weiteren Zinserhöhungen Abstand nehmen, dann könnten große Kapitalbeträge aus dem US-Dollar- in den Euro-Währungsraum fließen. Eine Verzögerung weiterer Zinsschritte entspräche der Intention von US-Präsident Trump, die US-Konjunktur auch durch möglichst niedrige Zinsen anzukurbeln.

  • Der Euro dürfte dann tendenziell gegenüber dem US-Dollar weiter steigen.
  • Solche Liquiditätszuflüsse in Euro-Anlagen dürften für weiter niedrige Euro-Zinsen sorgen.
  • Die europäischen Aktienmärkte würden sich - jedenfalls kurzfristig - stabiler als die US-Märkte entwickeln.

Liquiditätsabflüsse aus der Eurozone aufgrund deutlich steigender US-Dollar-Zinsen würden die europäischen Aktienmärkte hingegen belasten, da Investoren aus dem Nicht-Euro-Raum bei fallenden Euro-Kursen (in ihrer Heimatwährung gerechnet) Verluste erleiden. Euro-Aktien-Verkäufe und geringere Aktienkäufe durch ausländische Kapitalanleger könnten sich besonders negativ auf den Deutschen Aktienindex DAX auswirken, da sich die größten 30 deutschen Aktiengesellschaften durchschnittlich zu über 50 Prozent, teilweise sogar zu 70 Prozent im Besitz ausländischer Investoren befinden.

Immer häufiger warnten "Experten" davor, dass die Aufwärtsentwicklung beim DAX nicht auf einem realen Fundament basiere, sondern nur eine Form einer inflationären Preisentwicklung spiegele. Sogar von der "Mutter aller Blasen" war die Rede.

Von seinem seinerzeitigen Zwischenhoch von 12.375 Punkten (April 2015) fiel der DAX bis Februar 2016 auf 8.750 Zähler zurück. (streichen: Darauf folgende Kursanstiege bis 10.400 erwiesen sich zunächst als nur vorübergehende Erholungen.) Anfang Dezember 2016 überwand der Deutsche Aktien Index nach mehreren Anläufen die wichtige Kursbarriere bei 10.800 Punkten und erreichte im Mai 2018 bei 13.170 sein bisheriges historisches Hoch.

Die zumindest in den USA wieder deutlich ansteigenden Zinsen sowie zahlreiche geopolitische Risiken mahnten die Investoren allerdings zu größerer Vorsicht: Am 6.12.2018 notierte der DAX bei 10.810 Zählern, was einem Rückgang um über 20 Prozent gegenüber dem Jahresbeginn 2018 (13.070 Punkte) entspricht.

3.3.1 Ausblick auf die DAX-Entwicklung

Anfang Dezember 2016 überwand der Deutsche Aktien Index schließlich die wichtige Kursbarriere bei 10.800 Punkten. Am 5. Oktober 2018 notierte der Index bei 12.111 Zählern.

Realisiert sich nur eines der zahlreichen politischen Risiken und ökonomischen Risiken, so könnte sich schnell ein scharfer Kursrückgang einstellen. Die Kursrisiken dürften mit aufwärts gerichteten Zinsschritten der Notenbanken und einer restriktiveren Geldmengen-Politik deutlich zunehmen. Die US-Zinsen befinden sich bereits in einer zumindest mittelfristigen Aufwärtsbewegung - nicht wirklich ideale Aussichten für Wirtschaft und Börsen. Kommt es jedoch tatsächlich zu einem erheblichen Kurseinbruch, so kann sich dies auch in höheren Kosten für Kapital, also in steigenden Zinsen niederschlagen.


3.4 Bundesanleihen: vermutlich auf absehbare Zeit niedrig verzinst

Bundesanleihen aller Laufzeitbereiche weisen derzeit eine geringe oder sogar negative Rendite auf. Wer am 7. Dezember 2018 drei- bis fünfjährige Bundesanleihen kaufte, der zahlt der Bundesrepublik bis zur Anleihenfälligkeit Negativzinsen zwischen -0,54 und -0,30 Prozent pro Jahr. Erst achtjährige Bundesanleihen weisen eine positive Rendite von gerade einmal +0,06 Prozent auf, während Zehnjährige mit +0,25 Prozent rentieren. Mit +0,89 Prozent bietet eine Bundesanleihe mit einer Laufzeit von knapp 30 Jahren derzeit die höchste Verzinsung.

Zu berücksichtigen ist bei alledem, dass Anleger selbst diese geringen Habenzinsen noch versteuern und außerdem Ankauf- und ggf. Verkaufsprovisionen entrichten müssen.




Ursachen der niedrigen Zinsen für Bundesanleihen

Unabhängig von kurzfristigen Entwicklungen stoßen Bundesanleihen bei internationalen Anlegern aus verschiedenen Gründen auf hohes Interesse.

  • Begünstigt wird das niedrige Zinsniveau von der hoch eingestuften Bonität der Bundesrepublik Deutschland, die für eine international hohe Nachfrage nach Bundesanleihen sorgt. Alle bedeutenden Rating-Agenturen halten die finanzielle und ökonomische Situation Deutschland für auf hohem Niveau stabil und vergeben jeweils die höchste Bewertungsnote.
  • Der Bund profitiert derzeit von hohen Steuereinnahmen, so dass eine Nettokreditaufnahme zur Zeit nicht mehr erforderlich ist. Bei geringerem Finanzierungsbedarf ist es dem Bund möglich, den Investoren besonders niedrige Anleihezinsen anzubieten.
  • Geringe Zinsausgaben des Bundes, eine besonders hohe Bonitätseinstufung des Schuldners Bundesrepublik Deutschland sowie hohe Steuereinnahmen wirken gemeinsam in Richtung weiterhin niedriger Zinsen für Bundesanleihen.
  • Hinzu kommt, dass Staatsanleihen, die von für den Kapitalmarkt bedeutenden Staaten emittiert werden, leicht handelbar sind: In Zeiten, die von ökonomischen und geopolitischen Unwägbarkeiten gekennzeichnet sind, bieten marktbreite Staatsanleihen den Vorteil einer schnellen Veräußerbarkeit in Krisensituationen. Anleihe-Investoren können auf mögliche Krisen rasch reagieren und sich damit jederzeit Liquidität verschaffen.

Zusammenfasung: Niedrige Zinssätze für Bundesanleihen korrespondieren mit niedrigen Bauzinsen.

Bundesanleihen: Die Wechselkurs-Entwicklung zwischen US-Dollar und Euro beeinflusst die Renditen

Sollten die Zinsen in den USA bei unverändertem Zinsniveau in Europa anziehen, dann sind Rendite-Steigerungen bzw. Kursverluste bei Bundesanleihen wahrscheinlich. Die Notierungen der Anleihen befinden sich ohnehin auf einem extrem hohen Niveau. Kursrückgänge langlaufender Bundesanleihen könnten sich auch in einem Anstieg der Bauzinsen bemerkbar machen.

Die Umlaufrendite von Anleihen deutscher Emittenten mit erstklassiger Bonität fiel Ende Februar 2016 auf nur noch +0,02 Prozent, stieg seither nur leicht auf +0,11 Prozent (6. Dezember 2018).


3.5 Immobilienmarkt und Zinsen: Vorsicht vor Preisübertreibungen

Vor dem Hintergrund eines Niedrigzinsumfeldes fanden in den letzten Jahren erhebliche Preissteigerungen auf dem Immobilienmarkt statt - insbesondere für kleinere Wohnungen in Ballungsräumen.

Die Kaufpreise übersteigen in Großstädten und in Universitätsstädten häufig das Zwanzigfache der erzielbaren Jahresmiete, das gewöhnlich als Obergrenze für angemessene Immobilienpreise gilt.

Gleichwohl hält die Landesbank Helaba einen weiteren Anstieg der Immobilienpreise gerade im Rhein-Main-Gebiet für möglich. Der Brexit werde zu einem Zuzug von mindestens 8.000 Bankbeschäftigten aus Großbritannien und zu entsprechendem Wohnbedarf führen.

Sollten sich die Preisanstiege für Immobilien als Preisübertreibungen herausstellen, dann könnte die Nachfrage nach Immobilienkrediten stark zurückgehen. Dies würde sich zunächst dämpfend auf die Bauzinsen auswirken. Bei erheblichen Ausfällen dürften sich die Geschäftsbanken bei zukünftigen Kreditvergaben restriktiver verhalten und dies auch in Form erhöhter Zinsen für Baufinanzierungen und Anschlussfinanzierungen zum Ausdruck bringen.

Immobilien-Experten vertreten die Auffassung, dass sich der Preissteigerungstrend bei Immobilien derzeit in einer „fortgeschrittenen Phase“ befindet und daher die Preise für Immobilien künftig zumindest langsamer steigen werden. Einige Fachleute diagnostieren eine Überhitzung zumindest von Immobilien-Teilmärkten und warnen vor dem Platzen einer Immobilienblase. Auch die allmählich wieder steigenden Zinsen für Baufinanzierungen dürfte die Preisentwicklung an den Immobilienmärkten dämpfen.

3.5.1 Indizien für mögliche Preisübertreibungen

Typische Indizien für mögliche Preisübertreibungen auf dem Immobilienmarkt werden bereits seit 2015 festgestellt:

  • Die Immobilienpreise steigen mittlerweile schneller als die Mieten, so dass die Renditen von Immobilien-Investitionen sinken.
  • Charakteristisch für die Spätphase eines Immobilienbooms sei, so Experten, dass nach den Preisanstiegen in den Top-Lagen von Ballungsgebieten nunmehr auch Randgebiete und Umland von Preiserhöhungen betroffen seien.
  • Die Hypothekenzinsen befinden sich auf einem extrem niedrigen Niveau. Sollte das Zinsniveau erwartungsgemäß wieder ansteigen, so werden die Kosten für Baufinanzierungen deutlich ansteigen. Mittelfristig zu erwartende höhere Zinsen führen zu einer geringeren Attraktivität von Neuinvestitionen in Immobilien - zumal vor dem Hintergrund eines gerade in Ballungszentren sehr hohen Immobilien-Preisniveaus.
  • Gefahr droht nach Auffassung mancher Fachleute auch von einem „zu hohen“ und in den letzten Jahren auch gestiegenen Fremdfinanzierungsanteil. Zugleich werde, so meinen Immobilien-Fachleute, häufig eine zu niedrige anfängliche Tilgung vereinbart. Nach Ablauf der ersten Zinsbindungsfrist könnten ein dann eventuell deutlich höheres Zinsniveau zu finanziellen Engpässen mancher Kreditnehmer und damit zu Immobilien-Notverkäufen führen.
  • Hinzukomme, dass die Kreditinstitute durch die von der Zentralbank für Bankeneinlagen berechneten Negativzinsen derzeit womöglich zu einer Vergabe von Krediten motiviert würden, die sie aus Risikogründen in Zeiten „normaler“ Zinsen aus Risikogründen nicht vergeben würden.

3.5.2 Beginnende Zurückhaltung bei Auslandsinvestoren

Eine im November 2018 veröffentlichte Studie der Beratungsgesellschaft PwC weist nunmehr darauf hin, dass internationale Investoren nach den vergangenen Immobilien-Boom-Jahren zurückhaltender bei Immobilien-Investitionen in deutschen Großstädten wie Frankfurt, Hamburg, München oder Berlin geworden sind.

Die Immobilienkäufe von Auslandsinvestoren waren in den letzten Jahren von großer Bedeutung für den deutschen Markt: Auf ausländisches Kapital entfiel etwa die Hälfte der größeren Immobilien-Investitionen von mehr als zehn Millionen Euro. Die Immobilien-Nachfrage ausländischer Investoren war also mitursächlich für den mehrjährigen Anstieg der Immobilienpreise.

Immobilienexperten bezeichnen das Preisniveau in deutschen Ballungszentren oft als „weit fortgeschritten“, „nahe am Gipfel, „überteuert“ oder „sehr sportlich“.

3.5.3 Regionale Bevölkerungsentwicklung: Einfluss auf langfristigen Preistrend bei Immobilien

Der langfristige Immobilien-Preistrend wird wahrscheinlich von der (regional voraussichtlich sehr unterschiedlichen) Bevölkerungsentwicklung erheblich beeinflusst werden:

Nach einer Studie der Postbank nimmt die Einwohnerzahl in Berlin und Hamburg bis 2030 um etwa 4 Prozent zu, was zu einer um 14 Prozentpunkte (gegenüber dem bundesdeutschen Durchschnitt) erhöhten Preissteigerungsrate für Immobilien führen könnte.

Dagegen soll die Einwohnerzahl in Gelsenkirchen, Halle (Saale) und Chemnitz bis 2030 deutlich zurückgehen (um 9, 10, bzw. 13 Prozent), woraus die Marktforscher durchschnittliche Abschläge auf die Preisveränderungsrate von Immobilien von 32, 38 bzw. 49 Prozentpunkten errechnen.


3.6 Gute Konjunktur bedeutet höhere Zinsen

Eine gute Konjunktur korrespondiert gewöhnlich mit einem höheren Zinsniveau. Eine hohe Nachfrage von Verbrauchern und Unternehmen nach Gütern und Dienstleistungen sorgt tendenziell für eine stärkere Kreditnachfrage und damit für höhere Darlehenszinsen.

Güternachfrage und Inflation

Außerdem ist bei einer hohen Güternachfrage üblicherweise eine stärkere Inflation zu erwarten. Steigende Inflationsraten gehen mit fallenden Anleihekursen (und damit steigenden Zinsen am Geld- und Kapitalmarkt) einher.

3.6.1 Die Wirtschaftsprognose des Internationalen Währungsfonds (IWF)

Im Oktober 2018 senkte der Internationale Währungsfonds seine Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft für die Jahre 2018 und 2019 auf jeweils 3,7 Prozent (-0,2 Prozentpunkte gegenüber der vorherigen Voraussage).

Der IWF begründet seine vorsichtigere Einschätzung insbesondere mit dem Handelskonflikt zwischen China und den USA. Unsicherheiten ergäben sich aber beispielsweise auch aus dem Brexit und aus einer möglichen Veränderung des weltweiten Zinsniveaus, das schneller als bisher angenommen ansteigen könnte. "Die Wahrscheinlichkeit weiterer negativer Schocks für unsere Wachstumsvorhersage ist gestiegen", erklärte Maurice Obstfeld, der IWF-Chefökonom Maurice Obstfeld anlässlich der Präsentation des Weltwirtschaftsberichts.

Der IWF warnt eindringlich: Nationale Egoismen seien eine Gefahr für die Grundlagen der Weltwirtschaft. Als eines der größten Risiken für die Weltwirtschaft sieht der IWF (ebenso wie die Europäische Zentralbank) die protektionistische Politik von Donald Trump.

3.6.2 Die Wirtschaftsprognose der EU-Kommission

Die EU-Kommission geht für die Jahre 2018 und 2019 von einem weiteren Wirtschaftsaufschwung in Europa aus. In ihrer „Herbstprognose 2018“ vom November 2018 senkte die EU-Kommission allerdings ihre Wachstumsprognosen für das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone und der Europäischen Union:

  • 2018: +2,1 Prozent (Reduzierung um 0,2 Prozentpunkte gegenüber dem „Frühjahrsgutachten 2018“)
  • 2019: +1,9 Prozent (Reduzierung um 0,1 Prozentpunkte)
  • 2020: +1,7 Prozent

Die Anzahl der Abwärtsrisiken, die sich bei Realisierung gegenseitig verstärken könnten, nimmt nach Einschätzung der EU-Kommission zu. Wachstumshemmende Wirkungen gingen von den zunehmenden globalen Unsicherheiten, Handelsauseinandersetzungen und ansteigenden Ölpreisen aus. Die als stabil eingeschätzte Binnennachfrage sollte die EU-Konjunktur hingegen stützen. Wichtig seien der Aufbau von Haushaltsreserven und der Schuldenabbau in den EU-Mitgliedsstaaten.

3.6.3 Die Wirtschaftsprognose der Bundesregierung

Am 11. Oktober 2018 erläuterte Bundeswirtschaftsminister Altmaier die aktuelle Wirtschaftsprognose der Bundesregierung. Danach soll die deutsche Wirtschaft mit 1,8 Prozent (2018) und 1,8 Prozent (2019) um 0,5 beziehungsweise 0,3 Prozentpunkte schwächer wachsen als bislang angenommen.

Ursache für die deutlich reduzierte Wachstumserwartung sei, so Wirtschaftsminister Altmaier, das „schwächere außenwirtschaftliche Umfeld“. Die Weltwirtschaft dürfte 2018/2019 „leicht an Schwung verlieren“. Von großer Bedeutung sei es, eine Eskalation der schwelenden Handelskonflikte (insbesondere zwischen China und den USA) zu verhindern.

Fazit: Führt der Wirtschaftsaufschwung tatsächlich zu Zinserhöhungen?

Nach letzten Aussagen von EZB-Präsident Draghi sind auf kurze und mittlere Sicht weiterhin keine Zinserhöhungen durch die EZB zu erwarten.

Der Zentralbank fällt es allerdings zunehmend schwer, ihre Niedrigstzinspolitik zu begründen: Während die Notenbank lange Zeit darauf hingewiesen hatte, dass sie ihre niedrigen Leitzinsen mit Rücksichtnahme auf die wirtschaftlich schwächeren Staaten der Eurozone beibehalten müsse, erklärte sie später, dass sie mit einer Zinswende zuwarten müsse, bis ihr Inflationsziel von etwa 2 Prozent „nachhaltig“ („dauerhaft“) erreicht sei.

Nunmehr ist zwar ein europaweiter Wirtschaftsaufschwung erkennbar. Die EZB sieht sich jedoch immer noch nicht veranlasst, über „kosmetische“, gesichtswahrende Korrekturen hinaus (wie die Verringerung des Ankaufsvolumens von Staatsanleihen) eine restriktivere Geldpolitik mit überfälligen ersten Zinserhöhungen einzuleiten. Allerdings beginnt sich der aktuelle Konjunkturaufschwung bereits wieder abzuschwächen

Anzunehmen ist: Solange Mario Draghi (der frühere Gouverneur der italienischen Zentralbank) als EZB-Präsident amtiert, dürfte sich die Zinspolitik der Notenbank stark an den Bedürfnissen der hoch verschuldeten südeuropäischen EU-Staaten orientieren, die ihren Schuldendienst möglicherweise nur bei Niedrigstzinsen erbringen können. Die Amtszeit von Mario Draghi als EZB-Präsident läuft Ende Oktober 2019 aus.


3.7 Weiter zunehmende große Risiken: die Auswirkungen (geo-) politischer Krisen

Bei der Erstellung einer Zinsprognose sind auch (geo-) politische Einflussfaktoren zu berücksichtigen. Zwar lassen sich Eintrittswahrscheinlichkeiten und Auswirkungen derartiger Risiken häufig nur schwer einschätzen. Realisiert sich jedoch auch nur eine einzige dieser Gefahren, dann sind gravierende Verwerfungen an den Geld- und Kapitalmärkten einschließlich der Zinsmärkte möglich. Derzeit ist eine Häufung und Ausweitung verschiedenster (geo-) politischer Risiken festzustellen.

3.7.1 Rohölpreise: starke Kursschwankungen – nach deutlichem Kursanstieg nunmehr erheblicher Kursrückgang

Sinkende Rohstoffpreise signalisieren eine schwächere Weltkonjunktur, was tendenziell ein niedriges Zinsniveau begünstigt. Steigende Rohölpreise sind zumeist die Folge einer (zumindest befürchteten) krisenhaften Verknappung des Ölangebots und/oder der Ausdruck guter Perspektiven für die Weltkonjunktur.

Bis Mitte 2014 waren die Rohöl-Preise bis auf über 100 US-Dollar je Barrel (ca. 159 Liter Rohöl) gestiegen, bevor ein drastischer Preisverfall bis auf 29 US-Dollar (Anfang 2016) einsetzte.

In der Folgezeit erholten sich die Notierungen jedoch wieder deutlich. Die 50-US-Dollar-Marke wurde erstmals wieder im Juni 2016 überschritten. Unter heftigen Schwankungen stieg der Preis für ein Barrel Brent-Öl bis zum 3. September 2018 auf 76,10 USD. Ausgelöst von einer Zunahme der weltweiten Lagerbestände und aus Furcht vor einer sich abschwächenden Weltkonjunktur stürzte der Brent-Rohölpreis innerhalb einiger Monate um 26 Prozent bis auf 60,30 US-Dollar ab (6. Dezember 2018). Am 7. Dezember beschloss die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) die Ölförderung weiter zu kürzen, was mittelfristig wieder zu steigenden Ölpreisen führen sollte.

3.7.2 Wichtige Entscheidungen in Mitgliedsländern der Europäischen Union

Brexit: Angekündigter Austritt Großbritanniens aus der EU

Das Referendum über die Zugehörigkeit Großbritanniens zur Europäischen Union vom 23. Juni 2016 endete mit einem Austrittsvotum. Die Brexit-Entscheidung führt bereits lange vor dem tatsächlichen Ausscheiden Großbritanniens aus der EU zu politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit. Die zähen Brexit-Verhandlungen zwischen EU und Großbritannien sorgen für Unsicherheit bei Einzelpersonen und Unternehmen. Gravierende Unwägbarkeiten sorgen zumindest für Verzögerungen von Investitionsentscheidungen und eine Dämpfung der Konjunkturentwicklung. Dies wiederum könnte die sich abzeichnende Zinswende wieder in Frage stellen.

Mitte November 2018 hatten Großbritannien und die Europäische Union überraschend die Einigung auf einen Brexit-Vertragsentwurf bekanntgegeben.

  • Premierministerin May wurde daraufhin allerdings mit starken Widerstand aus allen politischen Lagern konfrontiert. Nur mit Mühe gelang es ihr, die eigene Regierung mehrheitlich von dem Vertragsentwurf zu überzeugen. Der zuständige Brexit-Minister sowie die Arbeitsministerin und zwei Staatssekretäre traten zurück. Der Verbleib von fünf weiteren Ministern in der Regierung gilt als unsicher.
  • Das britische Unterhaus wird voraussichtlich Mitte Dezember 2018 Brexit-Vertragsentwurf abstimmen.

Die weitere Entwicklung ist zur Stunde nicht absehbar. Möglich ist ein Austritt Großbritanniens unter Beibehaltung der Mitgliedschaft in der Zollunion und im Binnenmarkt. Vorstellbar ist jedoch auch ein Ausscheiden aus der Gemeinschaft - nach Ablehnung der zwischen Großbritannien und der EU ausgehandelten Vereinbarung. Für diesen Fall erscheinen zwei Alternativen denkbar: ein ungeordneter "harter" Brexit oder ein Verbleib Großbritanniens in der Union – nach einem zweiten Referendum.

Italien nach den Parlamentswahlen 2018: politische Instabilität, Strukturprobleme und enorme Verschuldung

Italien, die viertgrößte Volkswirtschaft der Europäischen Union kämpft mit erheblichen Strukturproblemen. Die horrende Staatsverschuldung liegt aktuell bei etwa 2,3 Billionen Euro und damit bei 132,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – nach Griechenland (176,9 Prozent) der zweithöchste Verschuldungsgrad innerhalb der EU.

Wegen Verstoßes gegen den EU-Stabilitätspakt lehnte die EU-Kommission den von der italienischen Regierung vorgelegten Haushaltsentwurf für das Jahr 2019 ab. Italien weigert sich, Änderungen am Haushalt 2019 vorzunehmen.

Internationale Ratingagenturen haben mit der Überprüfung des italienischen Kreditratings begonnen. Als Reaktion auf den Haushaltsentwurf Italiens steigen bereits die Zinsen für italienische Staatsanleihen.

Die politische, wirtschaftliche und finanzielle Fragilität des wichtigen Eurolandes Italien bedroht die Stabilität des Euroraums und der gesamten Europäischen Union. Schon ist von einem „Italexit“ die Rede. Allerdings beteuert die italienische Regierung, sie plane weder den Austritt aus der EU noch aus dem Euroraum. Gelingen keine durchgreifenden Reformen, so droht schlimmstenfalls ein Aufleben der Eurokrise in vergrößertem Maßstab - mit nicht vorhersehbaren Folgen für die europäische Volkswirtschaft, insbesondere auch für die weitere Zinsentwicklung.

3.7.3 Drohender Handelskrieg

Die von Präsident Trump und China gegenseitig verhängten Strafzölle können eine weitere Eskalationsspirale bis hin zu einem Handelskrieg in Gang setzen. in Gang setzen. Während China nach Verbündeten im Handelsstreit sucht, beharren die USA auf einer Verbesserung ihrer Handelsbedingungen. Die Fronten erscheinen bislang verhärtet. China hofft, den Handelsstreit im nächsten Jahr beilegen zu können.

3.7.4 Geopolitische Krisenherde

Die Ukraine-Krise kann jederzeit mit unvorhersehbaren Folgen (auch für die Finanzmärkte) eskalieren. Russland und NATO befinden sich in einer Aufrüstungsspirale.

Auch die wirtschaftliche Situation in der Türkei könnte sich auf die Europäische Union auswirken. Werden die Türkei oder ihr Bankensystem zahlungsunfähig, so geraten möglicherweise auch Banken innerhalb der Europäischen Union in Gefahr.


3.8 Unsere Zusammenfassung

Was zu steigenden Bauzinsen führen könnte:

  • anziehende Weltkonjunktur
  • verbesserte Konjunkturaussichten für Europa
  • steigende Zinsen insbesondere für US-Dollar-Anlagen (drohende Folge: Kapital-Umschichtungen aus dem Euro in den US-Dollar)
  • Brexit-Folgen: steigendes Zinsniveau in Großbritannien
  • Vermutlich erfolgt eine Änderung der EZB-Geldpolitik frühestens mit Ablauf der Amtszeit des derzeitigen EZB-Präsidenten Mario Draghi Ende Oktober 2019.

Für niedrige oder weiter fallende Zinsen spricht:

  • mögliche Abschwächung der Konjunktur in der Euro-Zone, insbesondere im Zusammenhang mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU
  • möglicher Handelskrieg: von US-Präsident Trump angestoßene Zoll-Erhöhungsrunde
  • möglicher Abwertungswettlauf bedeutender Währungsräume
  • strikte Niedrigzins-Politik der Europäischen Zentralbank
  • Ende oder zumindest Verlangsamung der Zinswende in den USA, falls die US-Regierung unter Donald Trump die von der US-Notenbank bisher angedachten Zinserhöhungsschritte durchkreuzt

Sowohl sinkende als auch steigende Zins-Szenarios vorstellbar:

  • Wiederaufleben der Staaten- und Banken-Schuldenkrise
  • Italien: politische und ökonomische Instabilität. Unklare Regierungsbildung nach den Parlamentswahlen vom März 2018. Sehr hoher Schuldenstand. Fraglich erscheint die Zahlungsfähigkeit staatlicher und privater Schuldner bei steigenden Zinsen. Ein Austritt Italiens aus Euroraum und EU („Italexit“) ist möglich.
  • Überhitzung des Immobilienmarktes, zumindest in Ballungszentren
  • unvorhersehbare Politik der US-Regierung unter Donald Trump
  • jederzeit mögliche Eskalation der Ukraine-Krise
  • Eskalation der Finanzkrise in der Türkei

4. Fazit: Aktuelle Bauzinsen Prognose 2019/2020

Fazit: Bauzinsen Prognose

Angesichts der entschiedenen Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank ist ein erheblicher und rascher Zinsanstieg nicht zu erwarten – jedenfalls bis zum Ausscheiden des derzeitigen Präsidenten der Europäischen Zentralbank (Ende der Amtsperiode Oktober 2019). Mittel- bis langfristig kann es jedoch nach der erfolgten Zinswende in den USA und der in Großbritannien durchgeführten ersten Zinserhöhung sowie im Hinblick auf die seit Anfang 2017 nahe der Zielmarke der EZB befindlichen Inflation auch in der Eurozone zu deutlichen Zinserhöhungen kommen.

Wer nicht auf ein noch niedrigeres Zinsniveau spekulieren und Zinssteigerungsrisiken ausschließen möchte, der sollte nicht länger warten und sich bei Fremdfinanzierungsbedarf die nach wie vor historisch günstigen Kreditzinsen langfristig sichern.

Tipp!

Zinsalarm erhalten, sobald die Bauzinsen eine vorher von Ihnen festgelegte Zinsschwelle über- oder unterschreiten. Jetzt Zinsalarm erstellen.


4.1 Empfehlungen für zukünftige Bauherren und Immobilienkäufer

Bauherren und Immobilienkäufer können ihre Immobilienfinanzierung aktuell weiterhin zu sehr günstigen Konditionen abschließen. Vorzuziehen sind lange Zinsbindungen – idealerweise bis zum Ende der Kreditlaufzeit.

Zugleich sollte eine hohe Tilgungsrate (von mindestens 2 bis 3 Prozent) gewählt werden, um die Entschuldung zu beschleunigen.


4.2 Anschlussfinanzierung und Forward-Kredit

Auch bei Anschlussfinanzierungen sollten lange Zinsbindungen bevorzugt werden. Durch niedrigere Kreditzinsen eingesparte Aufwendungen können zur Erhöhung der Tilgung verwendet werden.

Wer bereits über eine Baufinanzierung verfügt, deren Zinsbindung in den nächsten Jahren ausläuft, der kann sich bereits heute die niedrigen Zinsen durch ein bis zu 60-monatiges Forward-Darlehen sichern. Kreditnehmer sollten im Hinblick auf die für den Euroraum auf mittlere Sicht wahrscheinlichen Zinserhöhungen mit dem Abschluss eines Forward-Darlehens nicht unbedingt länger warten.



Autor: Hartmut Zimmer

Hartmut Zimmer, Jurist und langjähriger Vertriebsdirektor einer deutschen Großbank, war u. a. zuständig für den Vertrieb von Baufinanzierungen und gewerblichen Krediten. Besonders intensiv befasste er sich mit den Risiken fehlerhaft konstruierter Baufinanzierungen anlässlich der Sanierung eines umfangreichen Kreditportfolios.
Hartmut Zimmer ist Autor zahlreicher Fachartikel zu Finanzprodukten und Wirtschaftsrecht.

Die aktuellen Bauzinsen im schnellen Überblick

  • Heute
  • Gestern
Zinsbindung 5 Jahre 10 Jahre 15 Jahre 20 Jahre 25 Jahre 30 Jahre
Effektivzins Sollzins 0,73% 0,72% 1,16% 1,13% 1,52% 1,49% 1,81% 1,78% 2,09% 2,05% 2,18% 2,14%
Effektivzins Sollzins 0,74% 0,73% 1,16% 1,13% 1,52% 1,49% 1,81% 1,78% 2,09% 2,05% 2,18% 2,14%

In nur 1 Minute zur günstigsten Baufinanzierung. Das beste Angebot aus über 400 Banken

Zum Bauzinsrechner