Weiter zur Prognose für die Bauzinsentwicklung im 1.Quartal 2012
Die Kapitalmärkte sind in Bewegung und die politische Entwicklung in Griechenland und aktuell auch in Italien sorgt für eine weitere Instabilität innerhalb der europäischen Bankensysteme. Der stark angeschlagene EU-Mitgliedspartner Griechenland wartet auf die Auszahlung von Krediten und weitere Tranchen, um eine Insolvenz des Staates abzuwenden. Sank die Risikobereitschaft der Banken bereits im 1.Quartal 2011 durch Verluste bei Aktiengeschäften, schlug auch die Anlagestrategie von Investoren um.
Sichere Wertpapiere und allen voran Anleihen von wirtschaftlich stabilen Systemen wie in der Bundesrepublik, erfreuten sich ab Jahresbeginn 2011 wachsender Beliebtheit. Die finanzielle Vormachtposition Deutschlands innerhalb der Staatengemeinschaft führte zu einer Verlagerung der Anlagestrategien. Die steigende Inflationsrate, die den angestrebten Zielwert der Europäischen Zentralbank überschritten hatte, ließ ein Anheben des Leitzinssatzes durch die EZB vermuten. Verbunden damit fürchteten künftige Darlehensnehmer um die Konditionen für Baudarlehen, die zeitverzögert die Folge eines Anhebens der Leitzinsen sind. Erwartungsgemäß reagierte der noch amtierende Präsident der EZB, Jean-Claude Trichet und verkündete die Entscheidung seiner Kommission. Gleich zwei Zinsschritte, im April und im Juni 2011, ließen den Leitzinssatz von 1,0 auf 1,50 Prozent ansteigen. Bis zum 3.Quartal waren sich Finanzexperten einig, dass bis zur Jahreswende 2011/2012 wenigstens ein weiterer Zinsschritt folgen würde.
Reagierte der ausgeschiedene Notenbank-Chef Trichet mit einer Leitzinserhöhung auf die europaweit hohe Inflationsrate, sorgte Anfang November und nur einen Monat später, am 8. Dezember, sein Nachfolger, Mario Draghi, für einen überraschenden Paukenschlag an den Kapitalmärkten. Trotz hoher Inflationsrate lösten er und seine Kommission mit dem zweimaligen Senken des Leitzinssatzes um je 0,25 Prozent auf jetzt 1,0 Prozent einen Eklat aus. Die Inflationsrate ignorierend hat der neue Notenbankchef die flaue Konjunktur der EU-Mitgliedstaaten ins Auge gefasst und entschied sich für diesen ungewöhnlichen Schritt der Leitzinssenkung, um die Investitionsfreude von Unternehmen zu steigern.
Ab sofort nimmt die EZB den Kampf gegen das geringe Wirtschaftswachstum auf und hat eine neue Zinsära eingeläutet. Das marode europäische Bankensystem soll die Möglichkeit erhalten, sich „billiges“ Geld zu leihen, um das Rücklagenpolster zu stärken und die Kreditwirtschaft anzukurbeln. Milliarden von Euro werden durch das Senken des Leitzinssatzes in Geschäftsbanken gespült, die ihrerseits günstige Konditionen an eigene Kreditkunden weiter geben können. Eine mögliche Rezession im Euro-Land soll abgewendet werden und dies entgegen der hohen Inflationsrate. Verbunden damit ist auch der Wunsch, für die kommenden zwölf Monate einen historisch niedrigen Zinssatz zu gewährleisten. In Ländern, die wirtschaftlich stark und fest an den Märkten etabliert sind, wie die Bundesrepublik, profitieren künftige Immobilienbesitzer von den attraktiven Bauzinsen. Jetzt ist für künftige Darlehensnehmer ein optimaler Zeitpunkt gekommen, in die eigene Immobilie anzulegen.
Noch zu Beginn des 3. Quartals konnten sich die Konditionen für Bauzinsen auf einem günstigen Niveau halten und dies, obwohl sich die EZB im Juni für einen weiteren Zinsschritt entschieden hatte. Verstärkt legten Investoren in festverzinsliche Papiere und Immobilien an und erweiterten den finanziellen Spielraum für die Bundesrepublik. Die aktuelle Situation durch den am 3. November gesenkten Leitzinssatz auf 1,25 Prozent wird das günstige Bauzinsenklima weiterhin aufrecht erhalten.
Wer jetzt die manipulierten Kapitalmarktzinsen für eine Baufinanzierung nutzen will und darüber hinaus eine gute Bonität aufweist, punktet gleich doppelt. Zu extrem niedrigen Zinsen können Baudarlehen selbst bei langen Zinsbindungsfristen von zehn oder mehr Jahren vereinbart werden. Auf diese Weise verschafft sich der künftige Eigenheimbesitzer ein hohes Maß an Planungssicherheit und Zinseinsparungen.
Bauherren und Anschlussfinanzierer: Profiteure der Finanzkrise
Da selbst Finanzexperten für die kommenden Monate mit einem historischen Bauzins rechnen, sollten Baugeldkunden jetzt zugreifen. Die Einsparungen bei den Zinskosten lassen sich effizient für eine höhere Tilgungsrate verwenden, um den Weg in die Schuldenfreiheit zu verkürzen und an Kosten zu sparen. Doch auch Kreditnehmer, die sich bereits in einer Zinsbindung befinden, sollten jetzt handeln.
Mit einem Vorrats- oder Forward-Darlehen lassen sich aktuelle Bauzinsen bereits Monate oder Jahre vor der Anschlussfinanzierung sichern. Vielfach gewähren Geldgeber eine Vorlaufzeit von vier Jahren, wobei einigen Banken gegen einen vergleichsweise geringen Zinsaufschlag eine Anschlussfinanzierung in 60 Monaten gewährleisten. Während dieser Zeitspanne sichert sich der Darlehensnehmer vor einem Zinserhöhungsrisiko ab und profitiert von Planungssicherheit.
| Top-Zins* | 5 Jahre | 8 Jahre | 10 Jahre | 12 Jahre | 15 Jahre | 20 Jahre | 25 Jahre | 30 Jahre |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Januar 2012 | 2,21% | 2,62% | 2,78% | 2,95% | 3,06% | 3,15% | 3,09% | 3,15% |
| Dezember 2011 | 2,19% | 2,64% | 2,83% | 3,05% | 3,25% | 3,41% | 3,37% | 3,39% |
| November 2011 | 2,21% | 2,65% | 2,83% | 3,03% | 3,18% | 3,40% | 3,36% | 3,40% |
| Oktober 2011 | 2,34% | 2,76% | 2,94% | 3,11% | 3,27% | 3,43% | 3,47% | 3,49% |
| September 2011 | 2,20% | 2,65% | 2,87% | 3,12% | 3,27% | 3,43% | 3,43% | 3,45% |
| August 2011 | 2,51% | 2,97% | 3,10% | 3,34% | k.A. | k.A. | k.A. | k.A. |
| Juli 2011 | 3,01% | 3,39% | 3,55% | 3,72% | k.A. | k.A. | k.A. | k.A. |
| Juni 2011 | 3,14% | 3,53% | 3,73% | 3,92% | k.A. | k.A. | k.A. | k.A. |
| Mai 2011 | 3,22% | 3,60% | 3,77% | 3,95% | k.A. | k.A. | k.A. | k.A. |
* Berechnungsgrundlagen für den Vergleich bei über 50 Banken:
Wer ein Haus bauen möchte, der findet derzeit, was die aktuellen Bauzinsen angeht, einen idealen Zeitpunkt vor. Solange der Leitzins auf dem niedrigem Niveau bleibt, dürften die Bauzinsen 2011 weiterhin im Bereich um die 3%-4% liegen, was historisch betrachtet einmalig ist. Vor 10-15 Jahren waren die Bauzinsen ca. 3 mal so hoch. Da es eher unwahrscheinlich ist, dass der Bauzinssatz kurzfristig steigt, hat man als Bauherr genug Zeit die Bauzinsen in Ruhe zu vergleichen. Um größtmöglichen Profit aus der aktuellen Marktlage zu schlagen, empfiehlt es sich bei der Baufinanzierung auf eine Zinsbindung zu bestehen. So minimiert man die Zusatzbelastungen bei langfristig steigenden Zinsen und ist auf der sicheren Seite.